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Unser täglich Sportbuch (3) : Neue Lust aufs Leben

Mein Höhenflug, mein Absturz, meine Landung im Leben: Sven Hannawald Bild: Verlag

Sven Hannawald war als Skispringer erfolgreich, doch das Burn-out-Syndrom machte ihn zum Wrack. Ein von Ulrich Pramann mitverfasstes Buch berichtet eindringlich vom Leidensweg.

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          Erfolg macht nicht glücklich. Sondern einsam. Es war ein leidvoller Weg, bis sich Sven Hannawald diese traurige Erkenntnis eingestehen konnte. Fast 15 Millionen Deutsche saßen am Dreikönigstag 2002 vor den Bildschirmen, um ihm bei seinem größten Triumph zuzuschauen: In Bischofshofen ließen ihn Tausende deutscher Skisprung-Fans hochleben, sangen „Oh, wie ist das schön“ und verwandelten die Paul-Außerleitner-Schanze in ein schwarzrotgoldenes Fahnenmeer. Im Rückblick spricht Hannawald von einem „gewaltigen Moment, viel zu groß, um ihn sofort zu begreifen“.

          Er hatte damals alle Wettbewerbe der Vierschanzentournee gewonnen; ein Kunststück, das ihm bis heute niemand nachmachte. Kurz darauf kam Gold bei der Skiflug-WM hinzu, in Salt Lake City der Olympia-Titel mit dem Team, Hannawald wurde als „Sportler des Jahres“ geehrt. 841 Tage später folgte der tiefe Fall, sportlich und privat. Vom „Himmel in die Hölle“, wie es der Betroffene bezeichnet. Er war körperlich und seelisch ein Wrack, fühlte sich „elend, traurig, total schlapp, hoffnungslos“. Die Diagnose: Burn-out-Syndrom.

          Zwischen Erwartung und Überforderung verlor er den Halt

          Vieles von dem, was Hannawald von sich in seiner Biographie beschreibt, ist thematisch so neu nicht: Die straff organisierte Ausbildung als „Normerfüller“ im DDR-Sportsystem; der Spagat zwischen Athletik und Gewicht, der „svenomenale“ Höhenflug des Mädchenschwarms aus „Hannizarten“, wie ihn der anhaltende Leistungsdruck sowie das Leben im Scheinwerferlicht krank machten – und wie er nur dank ärztlicher und psychotherapeutischer Hilfe den Kollaps überwand.

          Wieder genesen: Sven Hannawald

          All das ist auch von ihm in zahlreichen Interviews schon erzählt worden. Doch selten so eindringlich wie an manchen Stellen in dem vom Journalisten Ulrich Pramann mitverfassten Buch. Zu den aufschlussreichsten Passagen zählen die Episoden, in denen er berichtet, wie er anderen Menschen zuliebe so tat, als wäre alles in bester Ordnung – und ihm das Gefühl für sich und seinen Körper abhandenkam.

          Dass Hannawald vor lauter Stress die Haare ausfielen; wie er versuchte, mit immer weniger Gewicht weiter zu springen und seine Mini-Mahlzeiten erst gegen 22 Uhr aß, um nicht mitten in der Nacht vor Hunger aufzuwachen; dass er von Weinkrämpfen geschüttelt wurde, weil er auf dem schmalen Grat zwischen Erwartung und Überforderung den Halt verlor.

          Heute sei er glücklich

          Die, die ihn auf seinem Weg aus der Krise stützten, unter anderen seine Therapeutin, kommen ausführlich zu Wort. Mehr als drei Jahre dauerte sein Genesungsprozess. Knapp achtzig Kilo bringt Hannawald bei einer Körpergröße von 1,85 Meter inzwischen auf die Waage. Als Hochleistungssportler wog er zeitweise weniger als sechzig. Und warum ging er nun unter die Autoren? „Vielleicht kann mein Beispiel Menschen ein wenig Mut machen, die in ähnlicher Bedrängnis waren oder befürchten müssen, in ein Burn-out zu geraten.“

          Seine Erlebnisse zu verfassen, bezeichnet er als schweren Kampf. Aber er habe ihn gewonnen. Hannawald betont, er sei glücklich heute. Die Angst, die er früher verspürte, habe ihn nicht mehr im Griff, künftig will er die Unsicherheit beherrschen. Hannawald, mittlerweile 38 Jahre alt, schildert sich als offenen Menschen, der wieder Neugierde und Lust aufs Leben verspürt. Womöglich sein wichtigster Sieg.

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