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Ultramarathon-Unglück in China : Der Retter im Eisregen

  • Aktualisiert am

Zhu Keming mit Decken in der Höhle in den Bergen Bild: AFP

In den Bergen der chinesischen Provinz Gansu hütet Zhu Keming seine Schafe. Dann bricht ein Sturm los. Seine Höhle wird zum Zufluchtsort für verirrte Ultramarathon-Läufer in großer Not.

          1 Min.

          Es schien ein normaler Tag für den Schafhirten Zhu Keming zu werden, mit seiner Herde in den Bergen der chinesischen Provinz Gansu. Dann fing es an zu regnen und zu hageln. Zhu Keming suchte Schutz in einer Höhle, in der er Essen und Kleidung lagert.

          „Ich erinnere mich, dass der Regen so heftig wurde, dass ich nicht klar sehen konnte“, sagte er in einem Interview mit den chinesischen Staatsmedien. Er habe gefroren, obwohl er einen Mantel getragen habe. Es war der Tag, an dem 172 Teilnehmer den 100 Kilometer langen Hanghe Schilin Gebirgs-Marathon liefen.

          Krämpfe in den Beinen

          Zhu Keming habe den Schrei eines Teilnehmers gehört, wie die Zeitung China Daily berichtet. Der Läufer sei durchnässt gewesen und habe Krämpfe in den Beinen gehabt. Er, Zhu, habe ihn in die Höhle geleitetet und ihm die Beine massiert, sagte der Hirte in dem Interview. Zhu machte ein Feuer, um die Läufer auf seine Höhle aufmerksam zu machen. „Ich habe ihnen gesagt, dass sie sich in der Höhle aufwärmen können. Aber zunächst haben sie meine Einladung abgelehnt.“ Er habe ihnen gesagt, dass ein Läufer bereits in der Höhle sei. Ein weiterer Teilnehmer sei dann eingetreten, ein anderer nach kurzer Zeit ebenfalls zurückgekehrt.

          Nach einer Weile hätten sich fünf Läufer an einem Feuer gewärmt. Zhu verließ die Höhle. Im Eisregen habe er einen weiteren Läufer gefunden. „Ich wollte ihn in die Höhle tragen, aber ich habe es nicht geschafft“, sagte er. Die anderen Läufer seien dann aus der Höhle gekommen, um ihm zu helfen. Zhu hat Berichten zufolge drei Frauen und drei Männer gerettet. „Da waren immer noch Menschen, die ich nicht retten konnte“, sagte er. „Dort waren zwei Männer, die nicht mehr gelebt haben. Ich konnte nichts für sie tun. Es tut mir leid.“ 21 Läuferinnen und Läufer waren am Samstag bei dem 100-Kilometer-Lauf gestorben, als sie von dem Sturm mit Eisregen und Hagel überrascht wurden.

          „Ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich dem Mann bin, der mich gerettet hat“, schrieb der Läufer Zhang Xiaotao auf dem chinesischen Social-Media-Dienst Weibo. „Ohne ihn wäre ich dort draußen geblieben.“ Zhu wird mit den Worten zitiert, er sei „ein ganz normaler Mensch, der eine ganz normale Sache getan hat“.

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