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Ultimate Frisbee : Wo die Welt noch eine Scheibe ist

Es geht darum, die Frisbee in der Endzone des Gegners zu fangen Bild: Michael Hauri

Wer dem Ultimate Frisbee nachgeht, wurde früher schnell als Sonderling verspottet. Dabei gibt es für den Sport, der aus Amerika kommt, längst Weltmeisterschaften und eine Champions League.

          Nassgeschwitzt und atemlos sitzt sie auf einer Holzbank. Sie streicht sich die Haare aus dem Gesicht und schaut mit großen Augen auf das Spielfeld, sie verfolgt das weiße Frisbee bei seinem Flug durch die Halle, hört die Schreie der Mädchen und das Klatschen der Hände. „Es ist einfach wie eine Sucht“, sagt Bärbel Debold. Sie wiederholt diesen Satz noch einmal und lächelt. Die Siebenunddreißigjährige ist so etwas wie die Pionierin einer Sportart, die sie ihre „große Leidenschaft“ nennt: Ultimate Frisbee, was ein bisschen martialisch klingt, nach Kampf und Verletzungen. „Es ist hart, aber immer fair“, meint Bärbel Debold. Dann schaut sie glücklich.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          An diesem Morgen ist sie mit den „Mainzelmädchen“ in eine Sporthalle nach Nieder-Eschbach gekommen, um den Wintercup auszuspielen. Hinter dem Eingang haben sie Stühle und Tische aufgebaut, es riecht nach Kaffee und Schnittchen, Gitarrenmusik flirrt durch die Räume. Einige Mädchen tragen Röcke und Kniestrümpfe, die jungen Männer Kapuzenpullover und weite Hosen. Diejenigen, die dort zusammensitzen, sind nicht nur Gegner. Es sind auch Enthusiasten einer Sportart, die sie gegen viele Widerstände betreiben und für deren Akzeptanz sie deshalb miteinander kämpfen.

          Weltmeisterschaften werden ausgetragen

          Bärbel Debold erinnert sich noch gut an die Anfänge. Zu Beginn der neunziger Jahre waren sie an der Universität Mainz die verrückten Außenseiter, eine Gruppe von zehn jungen Sportlern, die sich zusammenschlossen, um Ultimate Frisbee zu spielen. „Scheibenschmeißer“ haben die anderen sie genannt und gemeint, dass sie doch im Freibad mit dem Frisbee werfen könnten, um keine kostbaren Hallenzeiten zu blockieren. Die meisten, die sich dort beschwerten, wussten indes überhaupt nicht, was Bärbel Debold und die anderen dort machten.

          Spielfeld: Ultimate-Frisbee-Spieler haben die Scheibe immer im Blick

          Dabei werden bereits seit 1983 Weltmeisterschaften im Ultimate Frisbee ausgetragen. Wie so vieles kommt auch diese Sportart aus den Vereinigten Staaten. Mittlerweile gibt es in Europa eine Champions League, in der sich Mannschaften aus Basel, London oder Helsinki messen. In der Halle spielen fünf gegen fünf, draußen sieben gegen sieben. Es geht darum, in der Endzone des Gegners die runde Plastikscheibe zu fangen, was dann mit einem Punkt belohnt wird. Wer das Frisbee in der Hand hält, darf sich nur mit einem Sternschritt bewegen. All das erinnert ein bisschen an American Football und Basketball. Aber wer Ultimate Frisbee spielt, der hält nicht viel von derartigen Vergleichen. Die Sportler wollen durch ihre eigene Sache bekannt werden. Und sie wollen nicht immer nur als Bewegungsromantiker gelten, sondern als Leistungssportler anerkannt werden.

          Auch Bärbel Debold hat es bis zur Nationalspielerin gebracht, 1994 war sie bei den Weltmeisterschaften in Colchester in England dabei, sie hat damals im Eröffnungsspiel gegen Japan gespielt und trug dabei die deutsche Flagge auf dem Trikot. „Das hat mich unglaublich stolz gemacht, und gleichzeitig konnte ich das, was passiert ist, überhaupt nicht begreifen.“ Sie spricht gern über solche Momente ihrer Karriere, die sie nie als eine solche bezeichnen würde. Es sei einfach nur eine große Faszination, ein Hobby. Bärbel Debold ist mittlerweile in einem Alter, in dem man nicht mehr an die Nationalmannschaft denkt. Vor acht Monaten hat sie einen Sohn zur Welt gebracht, sie hat nur einmal trainiert seitdem, heute spielt sie ihr zweites Turnier in diesem Jahr. Sie ist froh, überhaupt wieder dabei zu sein, das Plastik in der Hand zu spüren. Weil sie dieses Gefühl in den vergangenen Monaten so sehr vermisst hat.

          „Mainzelmädchen“ gegen „Frau Rauscher“

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