https://www.faz.net/-gtl-77unb

Ulrich Bunkowitz : Ein Betrüger bleibt Tennis-Präsident

„Alles sollte unter der Decke gehalten werden“: Der Tennis-Verband Niederrhein wird vom verurteilten Ulrich Bunkowitz geführt Bild: REUTERS

Der Tennis-Verband Niederrhein wird von einem frisch Verurteilten geführt. Ulrich Bunkowitz sieht aber keinen Grund für einen Rücktritt. Bei der Mitgliederversammlung gibt es Applaus - doch Fragen bleiben.

          Schweigen im Saal. Als Ulrich Bunkowitz um Entschuldigung gebeten hatte und die Delegierten während der Mitgliederversammlung des Tennis-Verbandes Niederrhein (TVN) am vergangenen Mittwoch in Essen aufforderte, ihn in Frage zu stellen, meldete sich niemand. Das war auch eine Art Abstimmung. Zumindest ein Hinweis, dass für das erste Führungsamt im TVN keine besondere moralische Integrität vorausgesetzt wird.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Und so ist Ulrich Bunkowitz nun sehr zufrieden. Seine Präsidentschaft steht unter den Tenniskameraden nicht zur Diskussion. „Großer Vertrauensbeweis für das TVN-Präsidium“ überschrieb der Verband seinen Versammlungsbericht. Er vergaß dabei zu erwähnen, was sich längst bis hinauf zum Deutschen Olympischen Sportbund herumgesprochen hat: Hier wird ein Tennis-Landesverband von einem frisch Verurteilten geführt.

          Ein Schöffengericht des Amtsgerichts Mönchengladbach hat Bunkowitz am Aschermittwoch wegen „gemeinschaftlichen Betruges in zwei besonders schweren Fällen“ sowie unter anderem „wegen Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgeld in 185 Fällen, in 18 Fällen davon in Tateinheit mit Betrug“ rechtskräftig zu einem Jahr und elf Monaten Haft verurteilt. „Ich habe falsch vertraut, ich hätte mehr hinterfragen müssen“, sagt Bunkowitz. Seine Strafe ist für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt worden. Zwei Monate mehr, und der Tennis-Präsident wäre eingefahren.

          Stattdessen sah sich der Verbandschef am Donnerstag in seiner Handlungsfreiheit bestärkt, gestützt von 160 Delegierten, die nicht fragten, was doch nahe lag: Warum denn die Bezirksverbände kaum etwas von der Affäre erfahren hatten vor der Versammlung? Warum er denn nach der Anklage nicht sein Amt habe ruhen lassen, wie es üblich sein sollte? Ob denn ein verknackter Präsident der richtige Gesprächspartner für Wirtschaft und Politik sei, wenn es darum geht, das Tennis am Niederrhein zu repräsentieren oder gar zu weiterer Blüte zu verhelfen?

          „Vorstand und Mitglieder haben mich bestätigt“

          Für Bunkowitz sind diese Fragen nicht relevant, weil sein Vergehen, „mit Tennis doch nichts zu tun“ hat: „Wenn ich beim Tennis etwas Unrechtes gemacht hätte, wäre eine Grenze überschritten.“ So sprach Bunkowitz von einem „erfreulichen“ Ergebnis: „Vorstand und Mitglieder haben mich bestätigt. Es gab Beifall.“

          Der kommt nicht von allen Seiten. „Er müsste von sich aus zurücktreten, zumindest bis zum Ende der Bewährungsphase kein Amt ausüben“, sagt der langjährige Präsident des Deutschen Tennis-Bundes, Georg Freiherr von Waldenfels: „Das geht doch gar nicht. Bunkowitz schadet mit seiner Haltung dem deutschen Tennis. Ein rechtskräftig verurteilter Betrüger kann doch im deutschen Tennisbund kein Ehrenamt übernehmen.“

          „Ach, da wird jetzt eine Retourkutsche gefahren“

          Es gab Versuche, Bunkowitz diese Sicht zu vermitteln. Ein Gespräch mit dem Sprecher der Landesverbände verlief wegen der fehlenden Einsicht Bunkowitz’ ergebnislos. Der Deutsche Olympischen Sportbund, der Stasi-Spitzel nicht in Führungsämtern sehen will, soll beim DTB ohne Erfolg interveniert und Verständnis gezeigt haben. Weil das Argument des Fachverbandes dem Dachverband nur zu bekannt ist: Der DTB hat kein formales Recht, einen gewählten Landesfürsten aus dem Amt zu hebeln.

          Aber er kann indirekt Einfluss ausüben, wenn er will. Ist das unterblieben, weil der Verurteilte den beruflich so erfolgreichen DTB-Boss Karl-Georg Altenburg, Vorstand von JP Morgan, mit den Stimmen seines Verbandes zur Wahl verhalf? „Ach, da wird jetzt eine Retourkutsche gefahren“, behauptet Bunkowitz, „weil ich an erster Stelle gegen das alte Präsidium mit Waldenfels war.“ Die Affäre wird auch sportpolitisch genutzt.

          „Alles sollte unter der Decke gehalten werden“

          Immerhin hat vor dem großen Essener Schweigen doch einer das Wort erhoben. Er soll in der Szene am Niederrhein für eine gewisse Transparenz gesorgt haben. Vor der Versammlung, während der Sitzung des Vorstands, ist er dann eingenordet worden, wie ein Insider berichtete: „Man hat ihm unsolidarisches Verhalten vorgeworfen. Alles sollte unter der Decke gehalten werden.“

          Weitere Themen

          Ärger bei Guardiola und Gündogan

          Videobeweis in England : Ärger bei Guardiola und Gündogan

          Manchester City lässt im Titelrennen mit Liverpool Punkte, weil ein spätes Tor gegen Tottenham nach Videobeweis aberkannt wird. Das verärgert nicht nur Trainer Pep Guardiola. Ilkay Gündogan fordert eine Regeländerung.

          Bayern-Fans heiß auf Neuzugang Coutinho Video-Seite öffnen

          Transfer-Neuzugang : Bayern-Fans heiß auf Neuzugang Coutinho

          Auf dem Spielfeld während des Trainings suchte man ihn noch vergebens. Der FC Bayern hatte aber bestätigt: Er und der FC Barcelona haben grundsätzlich eine Einigung über einen Transfer von Philippe Coutinho nach München erzielt.

          Topmeldungen

          Proteste in Hongkong : Noch bleibt es friedlich

          Hunderttausende marschieren in Hongkong wieder auf den Straßen, um gegen die Regierung in Peking zu demonstrieren. Bislang bleiben die Proteste friedlich – die Angst vor einem Eingreifen des Militärs wächst.
          Die jährliche Befragung von 6000 Bürgern ergibt irritierende Ergebnisse zum Thema Ärztemangel.

          Umfrage der Kassenärzte : Rätseln um den Ärztemangel

          Gibt es tatsächlich immer weniger Ärzte? Oder ändert sich nur die Art der Versorgung? Ist die Anspruchshaltung der Patienten überzogen? Die Ergebnisse einer Befragung irritieren.

          Debattenkultur : Meine Meinung

          Neulich erklärte Angela Merkel einem AfD-Politiker, was Demokratie bedeutet. Denn Meinungsfreiheit geht nicht einher mit einem Recht auf Deutungshoheit. Für manche ist das schwer auszuhalten.
          „Ich habe Mist gebaut. So ist es nun einmal. Fertig“: Uli Hoeneß zu seiner Steuerhinterziehung.

          Präsident des FC Bayern : Hoeneß handelt wieder mit Aktien

          2014 wurde Bayern-Präsident Uli Hoeneß verurteilt, weil er Gewinne aus Finanzgeschäften nicht richtig versteuert hatte. Jetzt ist er wieder an der Börse aktiv – und hat, wie er sagt, seine Strategie geändert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.