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Ullrich im Interview : „Ich würde mich unterordnen“

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Ullrich: „Ich möchte den großen Lance schlagen, das ist ganz klar”
          9 Min.

          Alle Kraft für den Tour-Triumph: T-Mobile wird Lance Armstrong bei der Tour de France im Juli also mit einem Team ohne Sprinter anzugreifen versuchen. Kapitän Jan Ullrich, 31 Jahre alt, scheint gerüstet für das letzte Duell mit dem Texaner. Das zeigte nicht zuletzt Ullrichs Sieg im Einzelzeitfahren bei der Tour de Suisse, wo er bis Donnerstag auch das Gelbe Trikot trug. In Arosa jedoch, nach der ersten Bergetappe, verlor er es an den Australier Michael Rogers. Generell wähnt sich der Rostocker, 2004 Tour-Vierter, besser auf die Tour vorbereitet als in den Jahren zuvor.

          Wollen Sie lieber über Lust reden - oder über Schmerz?

          Weiß ich nicht. Kann man beides nehmen?

          In dieser Farbe würde Ullrich am liebsten auch durch Frankreich fahren
          In dieser Farbe würde Ullrich am liebsten auch durch Frankreich fahren : Bild: AP

          Also Lust in diesem Sinne: Was macht Sie beim Radfahren, Siege einmal ausgenommen, immer noch besonders glücklich?

          Alleine, daß man es schon machen kann, daß man so trainieren kann, daß man einer der Besten der Welt ist. Daß man in der Natur fahren kann. Wenn ich im Appenzeller Land trainiere, ist es einfach wunderschön. Man genießt dabei die Freiheit auf dem Rad. Ich liebe meine Sportart über alles.

          Sind Sie also mit sich eins, wenn Sie im Sattel sitzen?

          Ja, man kann alles auf dem Rad machen. Man kann sehr gut überlegen, man kann Witze reißen, je nachdem. Wir müssen uns ja viele Stunden ablenken. Da schießt einem dann alles durch den Kopf.

          Haben Sie ein bißchen Angst vor der Zeit, wenn Sie dies nicht mehr haben werden?

          Diesen Spaß werde ich mir auf alle Fälle erhalten. Ich werde dann auch weiter radfahren. Bloß werde ich dann keine 200 Kilometer mehr am Tag trainieren und über Pässe fahren bei jedem Wetter, sondern nur noch 60 oder 100 Kilometer.

          Spüren Sie diese Leichtigkeit auch bei der Tour de France - oder überwiegen dort Schmerz und Stress?

          Die Tour de France hat immer mit Schmerz zu tun. Da geht man ans Limit. Aber es tut immerhin nicht so weh wie im Frühjahr, wenn man keine gute Form hat. Dann hat man noch mehr Schmerzen. Bei der Tour ist es mir bisher immer einigermaßen gelungen, eine gute Form zu haben. Da fährt man wenigstens mit dem Schmerz vorne mit.

          Ein Tour-Jahr kostet nach Ihrer Einschätzung zwei Lebensjahre Energie. Fühlen Sie sich demnach schon wie 40 oder 45?

          Ich habe das so gefühlt nach der Tour, daß es wirklich an die Substanz geht, daß ich zumindest im Winter eine Pause machen muß, um auch vom Kopf her zu entspannen.

          Sind Anstrengung und Anspannung vor der Tour diesmal noch größer als sonst, da Sie vermutlich die Enttäuschungen des vergangenen Jahres wettmachen wollen und dazu das letzte große Duell mit Lance Armstrong bevorsteht?

          Sie sind nicht größer. Ich versuche mich wie jedes Jahr perfekt vorzubereiten. Dieses Jahr bin ich eigentlich recht froh, denn es kam nicht viel dazwischen. Ich konnte im Prinzip das machen, was ich mir vorgenommen hatte. Als Sportsmann möchte ich den großen Lance schlagen, das ist ganz klar. Deswegen probiere ich dieses Jahr auch alles, um bei der Tour gut zu sein. Das ist noch mal eine Extramotivation.

          Wie empfinden Sie das Ballyhoo, das längst um diesen Zweikampf entbrannt ist?

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