https://www.faz.net/-gtl-921qn

WM-Silber für Kämna : „Ich war schockiert, als der Franzose kam“

  • Aktualisiert am

Benoit Cosnefroy (links) zieht noch an Lennard Kämna vorbei und holt Gold. Bild: dpa

Auf Lennard Kämna ist Verlass. Der 21 Jahre alte Radsportler beschert der deutschen Mannschaft die erste Medaille und wird Zweiter bei den U-23-Männern. Sogar Gold ist zum Greifen nah.

          2 Min.

          Die ganz große Freude wollte bei Lennard Kämna auf dem Festplassen von Bergen bei der Siegerehrung noch nicht aufkommen. Nach einer überragenden Vorstellung war für das deutsche Supertalent die Silbermedaille fast schon zu wenig. „Es war eine beinahe perfekte WM, schöner wäre es mit Gold gewesen“, sagte Kämna und ergänzte: „Ich bin einfach nicht vorbeigekommen. Ich kann mir nichts vorwerfen.“ Mit letzter Kraft hatte er im Zielsprint gegen den französischen Mitausreißer Benoit Cosnefroy in die Pedale getreten, doch es fehlte eine Radlänge. „Wenn es eine Zentimeter-Entscheidung gewesen wäre, würde ich jetzt hadern. So bin ich auch mit dem zweiten Platz glücklich.“ Immerhin erlöste Kämna das deutsche Radsport-Team mit dem ersten Podestplatz bei der WM im norwegischen Bergen.

          Zwischenzeitlich hatte es im Straßenrennen der U23-Männer über 191 Kilometer sogar nach einem Erfolg von Kämna ausgesehen. Zwölf Kilometer vor dem Ziel war der Youngster alleine ausgerissen. Später gesellte sich der Franzose hinzu, der im Sprint schließlich das größere Stehvermögen besaß. Dritter wurde der Däne Michael Carbel Svendgaard. „Ich war schockiert, als der Franzose von hinten kam“, räumte Kämna ein. Der 21-Jährige ist aus deutscher Sicht der große WM-Gewinner. Mit seinem Sunweb-Team hatte Kämna bereits zum Auftakt am Sonntag den Weltmeistertitel im Mannschaftszeitfahren der Profiteams geholt.

          „Wir haben alles auf eine Karte gesetzt und uns auf den letzten Anstieg konzentriert. Man kann enttäuscht sein, dass er nur Zweiter geworden ist. Aber wer es schafft, da ranzufahren, hat es auch verdient. Es war eine ganz starke Leistung von Lennard“, sagte U23-Bundestrainer Ralf Grabsch.

          Durch Kämnas Erfolg bleibt der Mannschaft des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR) eine medaillenlose WM erspart. Denn große Chancen auf eine Top-Platzierung gibt es in den Eliterennen der Männer und Frauen nicht mehr. So geht das Männer-Team nach dem krankheitsbedingten Aus von John Degenkolb, der sich zu weiteren Untersuchungen gar ins Krankenhaus begeben hat, ohne festen Kapitän ins anspruchsvolle 267,5-Kilometer-Rennen am Sonntag. Damit war wieder einmal auf Kämna Verlass. 2014 hatte der Youngster bereits Gold im Zeitfahren der Junioren geholt. Ein Jahr später wurde er Dritter im Kampf gegen die Uhr der U23-Männer, 2016 folgte der EM-Titel.

          Kämna gilt bereits seit langer Zeit als Versprechen für die Zukunft. Bei der Suche nach dem nächsten deutschen Rundfahrt-Spezialisten fällt immer wieder sein Name, zumal er auch gut über die Berge kommt. „Wir wollen irgendwann einmal mit einem deutschen Fahrer bei einer großen Rundfahrt vorne mitfahren“, sagt Sunweb-Teamchef Iwan Spekenbrink. Kämna könnte dieser Fahrer sein. In seinem ersten Profijahr hat er sich gleich etabliert. Jüngst belegte er im Zeitfahren bei der Spanien-Rundfahrt Platz acht. Zuvor hatte am Freitag Hannah Ludwig die Podestplätze im Straßenrennen der Juniorinnen als 15. klar verfehlt. Den Sieg holte sich die Italienerin Elena Pirrone. Auf die Plätze zwei und drei fuhren Emma Jörgensen aus Dänemark und Pirrones Teamkollegin Letizia Paternoster.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Deutsche Bank will jede fünfte Filiale schließen.

          Sparbemühungen : Deutsche Bank trimmt sich für Fusionen

          Die Deutsche Bank will jede fünfte deutsche Filiale schließen, um zu sparen. In der Branche wird jetzt immer lauter über Zusammenschlüsse diskutiert. Offen ist, wie die Aufseher das Vorhaben sehen.
          Finanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz bei einer Veranstaltung im August 2020 in Ahlen

          Allensbach-Umfrage : Die SPD kann nicht von Scholz profitieren

          Nur eine Minderheit glaubt, dass der Kanzlerkandidat der SPD die Unterstützung seiner Partei hat. Und das ist noch nicht das größte Problem der Sozialdemokraten, wie eine neue Umfrage zeigt.

          Spenden nach Ginsburgs Tod : Die Angst, die großzügig macht

          Kaum war Ruth Bader Ginsburg tot, flossen demokratischen Wahlkämpfern Spenden in Millionenhöhe zu – mehr denn je. Fällt Trumps Supreme-Court-Plan den Republikanern auf die Füße?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.