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Während Corona in Indien : Ein Fluglotse für alle Fälle

  • -Aktualisiert am

Tobias Feuerhake ist der Manager des U-21-Nationalteams im Hockey. Bild: Privat

Tobias Feuerhake arbeitet eigentlich für die Deutsche Flugsicherung. Aktuell aber begleitet er die deutsche U-21-Hockeynationalmannschaft als Manager bei der WM in Indien. Über spezielle Erlebnisse und eine besondere Packliste.

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          Wenn Tobias Feuerhake dieser Tage zum Geldautomaten muss, wird er von Polizisten begleitet. Nicht weil er kriminelle Absichten hegte, sondern organisatorische. Für einen 30-köpfigen deutschen Hockey-Tross. In Ostindien. In Corona-Zeiten. Die Vorbereitungen für den Aufenthalt der deutschen U-21-Nationalmannschaft bei den Weltmeisterschaften waren enorm, bisweilen abstrus. Und der knapp dreiwöchige Aufenthalt in Bhubaneswar hält täglich Herausforderungen und Überraschungen parat.

          Von denen Trainer und Spieler mitunter nicht viel mitbekommen, weil sie als Erstes Teammanager Feuerhake erreichen. Der 40-Jährige ist im wahren Berufsleben einer der Herren über den Frankfurter Luftraum, als Fluglotse bei der Deutschen Flugsicherung in Langen. Obwohl er diesen Sport nie so recht aktiv betrieben hat, treibt ihn seine Hockey-Leidenschaft an für einen Nebenjob, der viel Zeit und Idealismus benötigt und wenig Honorar verspricht.

          Feuerhake war einige Jahre lang Teammanager des Herrenteams des SC Frankfurt 1880. Seit drei Jahren steht er in dieser Funktion in Diensten des Deutschen Hockey-Bundes (DHB). Eine U-18-Europameisterschaft unter Corona-Bedingungen in Valencia im Frühjahr hat er schon vorbereitet und begleitet. Aber der Trip nach Indien mit der U 21 ist eine ganz andere Hausnummer. „Es könnte so leicht sein, wenn nicht gerade eine Pandemie herrschte“, sagt Feuerhake am Telefon aus Indien. Das deutsche Team ist in einem Viersternehotel untergebracht, darf aber das ihnen zugewiesene elfte Stockwerk quasi nicht verlassen.

          Energieriegel mit der Zange

          Zum Training und zu den Partien – nach drei Siegen gegen die Gruppengegner Pakistan, Argentinien und Ägypten steht an diesem Mittwoch das Viertelfinalmatch gegen Spanien an – geht es mit Polizeieskorte. Die FFP2-Masken (700 Stück befanden sich im Reisegepäck) zieht der Tross nur bei den Mahlzeiten und in den Doppelzimmern aus. 70 Liter Desinfektionsmittel hatte Feuerhake auf der ellenlangen Packliste vermerkt.

          Die Hygienemaßnahmen gehen so weit, dass die Energieriegel am Spielfeld für die Spieler aufgeschnitten und auf Tabletts gereicht werden. Mit einer kleinen Zange werden die Riegel dann den Spielern regelrecht in den Mund gesteckt, damit diese im Hockeystadion nichts außer ihren Hockeyschläger anzufassen brauchen. Ein mitgebrachter Luftfilter surrt in dem Raum, in dem die medizinische Abteilung wirkt. Wer sich während des Turniers mit dem Coronavirus infiziert, muss eine zweiwöchige Quarantäne in einem Krankenhauszimmer in Bhubaneswar verbringen – was eine abschreckende wie wirksam disziplinierende Wirkung auf den deutschen Tross habe, wie Feuerhake erzählt.

          Treffsicher: Nach drei Siegen unter anderem gegen Argentinien trifft Deutschland im Viertelfinale auf Spanien.
          Treffsicher: Nach drei Siegen unter anderem gegen Argentinien trifft Deutschland im Viertelfinale auf Spanien. : Bild: Bhubaneswar Foto

          Die ständigen Schnell- und PCR-Tests gehören schon längst zur Routine der Junioren-Auswahl. Regeln, wie Aufzüge einzig mit Angehörigen des Trosses zu benutzen, sind in Fleisch und Blut übergegangen. Schon in den Wochen vor dem Abflug investierte der Frankfurter Feuerhake viele Stunden in die Organisation der Reise, die mit einer Medaille, möglichst der goldenen für den Weltmeister, gekrönt werden soll.

          Visa, Versicherungen, Zertifikate, Kommunikation mit dem Hotel, dem internationalen und dem indischen Hockeyverband. Und natürlich die Planung des Gepäcks. Drei Physio-Liegen und vier Kisten à 30 Kilogramm Material benötigte allein die medizinische Abteilung um Teamarzt Robert Gorzolla. Der einstige U-21-Nationaltorhüter ist Orthopäde und Unfallchirurg in einem Hofheimer Krankenhaus und seit vielen Jahren Mannschaftsarzt beim SC Frankfurt 1880.

          Nun essen die Spieler seit Ankunft indische Kost aus der Hotelküche – „beim Schärfegrad wird Rücksicht auf uns genommen“, erzählt Feuerhake schmunzelnd. Aber der Teammanager sorgt auch dafür, dass vertraute Geschmackserlebnisse dabei sind. 80 Kilogramm Müsli, 40 Kilogramm eingeschweißtes Brot und nicht weniger als 1000 sogenannte Quetschies, hierzulande meist kleinen Kindern gereichte Obstbrei-Tüten, gehörten zur Ausrüstung.

          „Die Quetschies ziehen die Jungs gut weg“, sagt Feuerhake. So gut, dass nun zur Turnierhauptrunde anreisende Eltern von Spielern noch einen Koffer voll mitbringen. Feuerhake hat bei den Eltern auch 30 Gläser Pesto bestellt, um den Nudeln der Spieler zur Abwechselung keinen indischen, sondern italienischen Geschmack verpassen zu lassen. Wenn Feuerhake beispielsweise H-Milch ordern will, schickt er via Handy Bilder der Produkte an den vom indischen Hockeyverband zugeteilten einheimischen Betreuer. Dieser sei schon etwas verdutzt gewesen, als Feuerhake zu Beginn direkt 3000 Wasserflaschen bestellt hat.

          Und wie entgeht man dem Lagerkoller nach aktuell zwölf Tagen im elften Stock des Mannschaftshotels? Indem die Spieler jeden Morgen ein paar Minuten Fußball spielen dürfen in der Hoteleinfahrt. Indem zu ausgewählten Zeiten der Hotelpool einzig für die Deutschen reserviert wird – die Spieler aber tunlichst vermeiden sollen, dass Wasser an ihr Gesicht kommt. Spielkonsolen waren ebenfalls im Gepäck wie ein Tischtennisnetz, dazu Karten- und Gesellschaftsspiele.

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