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Ärger bei Darts-WM : TV-Sender setzt Experten nach Frauen-Kritik ab

  • Aktualisiert am

Anastassija Dobromyslowa war eine von zwei Frauen bei der Darts-WM. Bild: dpa

Erstmals spielen bei einer Darts-WM in London auch zwei Frauen mit. Gordon Shumway gefällt das nicht. Der Experte des TV-Senders Sport 1 sagt das auch in deutlichen Worten – und wird nun abgesetzt.

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          Sport1 wird Gordon Shumway nach seinen umstrittenen Aussagen über Darts-Spielerinnen nicht mehr als Experte und Ko-Kommentator bei der Darts-WM einsetzen. Dies teilte der TV-Sender am späten Mittwochabend mit. Der als Master Caller (Spielstandansager an der Scheibe) bei Profi-Turnieren in Deutschland in der Szene bekannt gewordene Dartskenner hatte über die Teilnahme von zwei Frauen beim Turnier in London gesagt: „Ich bin kein Freund von diesem Zirkus. Ich weiß nicht, was das soll, zwei Damen bei einem professionellen Darts-Turnier mit aufzunehmen.“ Shumway hatte dafür massive Kritik geerntet, wurde in Foren von vielen Dartsspielern, darunter auch Frauen, allerdings auch gestützt.

          Etwas missraten war zudem eine Aussage, dass Frauen eventuell bei entsprechender „Klamottenwahl“ eine Chance hätten, die Männer vom Darts abzulenken. Shumway warb freilich auch für eine eigene Frauen-WM, wie sie die in London gescheiterte Dobromyslowa gefordert hatte.

          Der 50-Jährige hatte sich wenige Minuten später live in der Übertragung für seine Aussagen entschuldigt, doch dem Sender genügte das offensichtlich nicht mehr. Sport1 wird nach eigenen Angaben bis zum Ende der WM „wechselnde Experten“ an der Seite von Kommentator Basti Schwele einsetzen.

          Dass sich freilich ausgerechnet Sport1 so vehement für einen politisch korrekten Umgang mit Frauen einsetzt, darf ein wenig verwundern: Über den Sender laufen schließlich nach Mitternacht sogenannte „Sport Clips“, bei denen leicht bekleidete Frauen gezeigt werden. Dass nun Shumway mit seinem Frauenbild dem des Senders nicht entsprechen soll, irritiert dabei. 

          Am Donnerstag nahm Werner von Moltke, Chef des Dartsverbands PDC Europe, an Shumways Stelle hinterm Mikrofon Platz und warb für seine Turniere vornehmlich auf deutschem Boden. Das widerspricht offenbar nicht dem journalistischen Selbstverständnis des „Sport Clips“-Senders Sport1.

          Die in England lebende und spielende Russin Anastassija Dobromyslowa war bei in London gegen Ryan Joyce ebenso in der ersten Runde ausgeschieden wie zuvor die Engländerin Lisa Ashton. Die 34 Jahre alte Dobromyslowa und die 48 Jahre alte Ashton spielten sehr gut, die Engländerin gewann bei ihrer 1:3-Niederlage gegen den Niederländer Jan Dekker dank brillanter Wurfserien sogar einen Satz. Die beiden Damen waren aber schlicht und ergreifend nicht gut genug, um über eine längere Distanz mit Spitzenspielern mitzuhalten. Ihre Teilnahme verdankten sie zwei Plätzen, die bei alleine Frauen vorbehaltenen Turnieren ausgespielt wurden.

          Kumpel der Darts-Größen: Gordon Shumway (l.) mit Raymond van Barneveld - der Pokal dürfte dem Niederländer gehören

          Diese Quotenplätze wird die PDC nur im kommenden Jahr noch einmal anbieten, wie Vermarkter Barry Hearn in einem Interview bei Sport1 just während Shumways letztem Einsatz am Mittwochnachmittag sagte. Anschließend müssten sich Frauen dann auf dem normalen Weg gegen Männer ihr WM-Ticket erspielen. Mit dieser Argumentation entsprach Hearn gewissermaßen der Kritik Shumways, zugleich legen die Aussagen die Vermutung nahe, dass es der PDC bei der Öffnung für Frauen nur um die öffentlichkeitswirksamen Diskussionen ging.

          Europameister James Wade gewann bei der WM derweil erwartungsgemäß sein Auftaktmatch. Der 35 Jahre alte Engländer schlug am späten Mittwochabend den Japaner Seigo Asada mit 3:2 und zog damit in die dritte Runde ein. Asada hatte am Tag zuvor überraschend den polnischen Geheimfavoriten Krzysztof Ratajski mit 3:2 bezwungen. Vor Wade waren mit dem Niederländer Raymond van Barneveld und Peter Wright aus Schottland zwei Mitfavoriten früh ausgeschieden. Für Deutschland sind Max Hopp und Gabriel Clemens noch im Turnier. Hopp trifft am Samstag auf den Weltranglistenersten Michael van Gerwen, Clemens erwartet am Freitag ein Aufeinandertreffen mit dem Schotten John Henderson.

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