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TV-Rechte : Kampf ums Boxen in der ARD

Die Quote stimmt: Arthur Abraham (links) und Robert Stieglitz Bild: imago sportfotodienst

Einzelne Rundfunkräte wollen Boxen aus dem ARD-Programm verbannen. Doch vor allem im Osten ist der Marktanteil hoch. Lassen sich allein mit guter Quote die Ausgaben in Millionenhöhe rechtfertigen?

          Verschwindet Boxen bald aus dem ARD-Programm? Politische Einflussnahme höchster Gremien der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt, zu deren Hauptaufgabe eigentlich nur die Aufsichtsfunktion über das verzweigte Sendergeflecht gehört, könnte dafür sorgen. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung wollen einzelne Rundfunkräte der neun Landesrundfunkanstalten der ARD das Auslaufen des Vertrages mit dem Boxveranstalter Sauerland zum Ende dieses Jahres dazu nutzen, die Kämpfe ganz aus dem Programm zu verbannen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Angeführt wird von den Kritikern, dass Boxen in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert würde, erhebliche Verletzungsrisiken für die Kämpfer berge und mehr als andere Sportarten im Verdacht stünde, von Absprachen begleitet zu werden. So spricht die Vorsitzende des WDR-Rundfunkrates, Ruth Hieronymi, ehemalige CDU-Europaabgeordnete und treibende Kraft hinter dem K.o.-Plan, offen von „Ausstieg“.

          Die Sache ist brisant. Denn für die eigentlichen Programmverantwortlichen innerhalb der ARD ist das Boxen mit den Weltmeistern aus dem Berliner Profiteam Sauerland ein Quotenrenner und ein ungemein wichtiger Bestandteil im Portfolio der Sportunterhaltung. Darüber hinaus, so heißt es aus internen Runden, würden durch das Boxen auch Informationsangebote im ARD-Programmumfeld am späten Samstagabend profitieren.

          So hätte keine andere Tagesthemen-Sendung in der Woche ein jüngeres Publikum. Auch beim Kirchenformat „Wort zum Sonntag“ stiegen an Boxabenden die Quoten. Niemand aus der Programmplanung der ARD wollte sich zu dem senderpolitisch heiklen Thema äußern, aber man ist dort im Gegensatz zu einigen einflussreichen Rundfunkräten offenbar der Meinung, dass der öffentlich-rechtliche Auftrag auch mit dem Boxen voll und ganz erfüllt werde.

          Marktanteile von bis zu 45 Prozent

          Was aus Sicht der Programmplaner besonders ins Gewicht fällt, ist die hohe Akzeptanz der Fernsehzuschauer in den östlichen Bundesländern. Dort lag der Marktanteil beim Samstagabend-Boxen im Jahr 2013 bei fast 23 Prozent. Üblicherweise liegt die ARD dort nur bei 10,4 Prozent. Wenn zum Beispiel Jürgen Brähmer um den WM-Titel kämpft, erreicht das Erste im heimatlichen Sendegebiet des Boxers in Mecklenburg-Vorpommern sogar Marktanteile um die 45 Prozent. Der Geschäftsführer des Sauerland-Boxstalls weist auf die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Ersten hin.

          Die Sauerland Event GmbH würde am liebsten demnächst einen Anschlussvertrag mit der ARD über das Jahr 2014 abschließen. „2013 erhielten wir in der Spitze Marktanteile von über 32 Prozent, die Einschaltquoten lagen bei 4,5 Millionen. Durchschnittlich erreichten wir vergangenes Jahr 3,3 Millionen Zuschauer und einen Marktanteil von 20 Prozent. Damit liegen wir deutlich über dem parallel laufenden ZDF-Sportstudio und vielen Sendungen im Privatfernsehen“, sagte Sauerland-Chef Freddy Ness der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Boxen als „wichtiges soziales Netzwerk“

          Wenn Arthur Abraham oder Marco Huck um den WM-Titel kämpfen, erreicht die ARD doppelt so hohe Marktanteile wie sonst zur gleichen Zeit. Es gibt an den Samstagen kein erfolgreicheres ARD-Spätprogramm. Für die Boxrechte zahlte die ARD zuletzt etwa 13 Millionen Euro im Jahr an Sauerland. Gegner wie die WDR-Rundfunkratsvorsitzende Ruth Hieronymi machen allerdings keinen Hehl daraus, dass sie das Boxen absetzen wollen.

          Die CDU-Politikerin Hieronymi hatte schon mit anderen Rundfunkräten dafür gesorgt, dass der bis 2015 mit Sauerland geschlossene Vertrag neu verhandelt und nachträglich um ein Jahr verkürzt wurde. Hier stellt sich die Frage, wie groß der Einfluss solcher Kontrollgremien auf Programminhalte sein darf. In dieser Woche hatte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe entschieden, dass der Staatsvertrag des ZDF geändert werden muss, weil die Politik im Fernsehrat des Senders über zu viel Macht verfügt.

          „Die jungen Leute brauchen Vorbilder“

          Es gibt unter den mächtigen ARD-Rundfunkräten aber auch andere Meinungen. Ute Schildt, Vorsitzende des NDR-Rundfunkrats und ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete aus Mecklenburg-Vorpommern, lässt manche Kritik an der Sportart zwar durchaus gelten. Auch sei die Quote nicht alles. Aber sie sieht auch eine „große gesellschaftliche Chance“, wenn sportlich anspruchsvolle Kämpfe weiterhin in der ARD stattfänden. „Ich war auch erst skeptisch bei diesem Thema, bis ich bei meinen Besuchen in verschiedenen Boxklubs in meinem Bundesland gesehen habe, wie engagierte Trainer junge Leute damit von der Straße geholt haben“, sagte Ute Schildt der F.A.S.

          „Ich bin für den Erhalt dieser wichtigen sozialen Netzwerke.“ Über das Boxen könnten Aggressionen umgeleitet werden in einen positiven sportlichen Wettkampf. Die gefährdeten Jugendlichen erhielten dadurch Anerkennung und Selbstbewusstsein. „Diese jungen Leute brauchen natürlich auch Vorbilder. Und die sehen sie im Fernsehen. Deshalb setze ich mich für den Erhalt des Boxens im ARD-Programm ein. Dazu stehe ich“, sagte die NDR-Rundfunkratsvorsitzende.

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