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Turnier in Deutschland 2019 : TV-Blackout bei Handball-WM ist vom Tisch

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Die Hoffnung, dass es von der Handball-WM 2019 TV-Bilder gibt, ist wieder deutlich gestiegen. Bild: Picture-Alliance

Nach den finanziellen Problemen des Vermarkters drohte im Handball wieder ein Chaos bei den TV-Rechten. Und das ausgerechnet vor der WM 2019 in Deutschland. Nun gibt es gute Nachrichten.

          Die Internationale Handball-Föderation (IHF) hat einen neuen Vermarkter für die weltweiten Medienrechte für die Weltmeisterschaften 2019 bis 2025 gewonnen. Das in Hamburg ansässige Unternehmen Lagardère Sports übernimmt ab sofort den Vertrieb der TV-Verträge unter anderen für die WM im kommenden Jahr in Deutschland und Dänemark. Diese einstimmige Entscheidung hat das IHF-Council getroffen, teilte der Weltverband am Montag mit. Damit ist das drohende Szenario eines TV-Blackouts vom Tisch. Der Vertrag mit dem bisherigen Vermarkter MP & Silva wurde aufgrund finanzieller Schwierigkeiten von der 2004 gegründeten Sportmedienagentur beendet. MP & Silva hatte den Zuschlag erst im März dieses Jahres erhalten, der Deal sollte der IHF für die kommenden vier Titelkämpfe etwa 173 Millionen Euro einbringen.

          Spielplan der Handball-WM 2019 in Deutschland und Dänemark

          Zuvor wurden Fans und Funktionäre aufgeschreckt, und die TV-Sender schlugen Alarm: Knapp fünf Monate vor der Handball-WM in Deutschland und Dänemark sorgte die unklare Lage bei der Vergabe der Fernsehrechte für große Unruhe. Für das Erste und Zweite war in der unklaren Situation klar: „Wir würden gerne die Handball-WM übertragen“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky der Deutschen Presse-Agentur vergangene Woche. Aber: „Wir hatten Gespräche mit der Agentur, die sind vorletzte Woche plötzlich abgebrochen worden“, berichtete der TV-Mann. „Die Situation ist völlig offen. Wir wissen nicht, mit wem wir jetzt reden müssen. Das kann ein Riesen-Wirrwarr werden.“ So weit soll es durch den Vertrag mit dem neuen Vermarkter nicht kommen.

          Der Deutsche Handball-Bund (DHB), der seit etwa drei Wochen von den Problemen bei MP & Silva wusste, ging daher zuletzt in die Offensive. Denn eine neue Ausschreibung der Vermarktungsrechte an den Weltmeisterschaften bis 2025 können die WM-Gastgeber nicht abwarten. „Wir haben den Weltverband IHF gebeten, eine schnelle Lösung für die WM 2019 zu finden“, sagte DHB-Präsident Andreas Michelmann. Die unbefriedigende Situation ist für den Verband umso ärgerlicher, ist er doch von den Auswirkungen unmittelbar betroffen. „Bei der WM-Planung stecken viele Schwierigkeiten im Detail. Dazu braucht man Zeit – und die wird knapp“, sagte DHB-Vorstandschef Mark Schober. So kann der genaue Turnier-Zeitplan, der großen Einfluss auf den Ticketverkauf hat, erst erstellt werden, wenn der TV-Partner feststeht.

          Dabei sollte bei der Heim-WM alles besser werden, nachdem die deutschen Fans die vergangenen Weltturniere nur im Pay-TV (2015) beziehungsweise im Internet (2017) verfolgen konnten. Auch bei der Frauen-WM im Vorjahr wurde die Übertragung der deutschen Spiele im Free-TV erst kurz vor Endrundenbeginn gesichert. In allen drei Fällen waren dafür Probleme mit der katarischen Agentur beIN Sports, die auf technischen Einschränkungen bestand, verantwortlich. Die Rechte bis 2025, die der IHF nach Schätzungen von Branchenkennern eine Garantiesumme von insgesamt 173 Millionen Schweizer Franken einbringen sollen, könnten zur Not kurzfristig gekauft werden. Doch vor allem bei der Produktion ist der Zeitdruck enorm. MP & Silva wollte die Bilder selbst produzieren, dafür müsste es aber längst gültige Verträge mit externen Anbietern geben.

          Ein neuerlicher TV-Blackout hätte die Sportart im Bemühen, sich als klare Nummer zwei hinter dem Fußball zu etablieren, zurückgeworfen. Der frühere Nationalspieler Stefan Kretzschmar sprach von „einem absoluten Super-Gau“, sollten die Endrundenspiele der DHB-Auswahl nicht live im Free-TV zu sehen sein. „Die Folgen für den Handball wären nicht absehbar“, warnte er. Ähnlich sieht es die aktuelle Spielergeneration. „Ich würde es eine Katastrophe finden, wenn die Leute nicht die Möglichkeit hätten, am Fernsehen mitzufiebern“, sagte Rückraumspieler Kai Häfner. „Ich hoffe, dass der Verband und alle Beteiligten das noch hinbekommen. Handball hat immer das Potential, die Leute zu begeistern.“ Nun gibt es immerhin wieder neue Hoffnung.

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