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Turnqualifikation für Tokio : Das Labyrinth auf dem Weg zu Olympia

  • -Aktualisiert am

Lukas Dauser turnt am Barren: Auch er will zu Olympia. Bild: Picture-Alliance

Die Qualifikation für Olympia gleicht beim Turnen einem Rätsel. Für manche ist das ein Vorteil.

          2 Min.

          Jedes Jahr kommen in der Lausitz an einem November-Wochenende Tausende zusammen, um hochklassiges Turnen zu schauen. So auch in diesem, beim 44. Turnier der Meister in Cottbus. Das hat allerdings eine ganz besondere Bedeutung: Zum ersten Mal geht es auch im Weltcup um die Olympiaqualifikation. Der Weg nach Tokio mutet an wie jenes Geduldsspiel, bei dem eine kleine Kugel durch ein Labyrinth ins Ziel rollen muss. Der direkteste Weg funktioniert eigentlich nie. Manchmal endet die Kugel in einer Sackgasse und man muss von vorn anfangen. Und nicht selten gibt es viele verschiedene Wege, das Ziel zu erreichen. So ähnlich ist es auch mit der Olympiaqualifikation.

          Nehmen wir Ray Zapata: Der Spanier, der 2015 WM-Bronze am Boden gewonnen hatte, präsentierte sich in hervorragender Verfassung, zeigte sich bei höchsten Schwierigkeitsgraden in bester Haltung und wurde in Cottbus Zweiter am Boden. Dafür bekommt er ein Preisgeld und, viel wichtiger, 25 Punkte. Die höchsten drei dieser Punktzahlen werden nach Ende der Weltcupserie addiert. Falls Ray dann ganz oben in der Rangliste steht, darf er nach Tokio.

          „Ich habe keine Ahnung, wie viele Punkte ich jetzt insgesamt habe“, sagt der 26 Jahre alte Spanier nach seinem Wettkampf: „Ich weiß nur, dass ich noch zwei Weltcups gewinnen muss, dann wäre ich uneinholbar vorne.“ Psychologisch sei das schwierig, weshalb Ray momentan nicht nur mit dem Verbandstrainer Benjamin Bango seine Salti übt, sondern auch einen Sportpsychologen hinzugezogen hat. Früher sei er zu einem Wettkampf gefahren und habe „gehofft, dass es läuft“, jetzt habe er konstant immer nur ein Wort im Kopf: „Gold, Gold, Gold.“ Ray Zapata hatte zuerst auf einen anderen Weg durchs Labyrinth gesetzt: Die Qualifikation über das Bodenfinale bei der Weltmeisterschaft in Stuttgart. Doch war er für das spanische Team nicht gut genug und musste zu Hause bleiben. Sackgasse sozusagen.

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          Nun also der Versuch über die Weltcupserie an den einzelnen Geräten. Ray, der mit vollem Namen Raderley Miguel Zapata Santana heißt und in der Dominikanischen Republik geboren wurde, wanderte als Zehnjähriger mit seinen Eltern von Santo Domingo auf die Kanareninsel Lanzarote aus. Als Siebzehnjähriger wechselte er nach Barcelona, um bei Doppel-Olympiasieger Gervasio Deferr zu trainieren. Vier Jahre später folgte der Umzug ins Zentrum der spanischen Hauptstadt, wo die Mitglieder der Nationalmannschaft das ganze Jahr über gemeinsam trainieren.

          Das Kuriose an Zapatas aktuellem Versuch, das Labyrinth zu bewältigen, ist folgendes: Sollte es gelingen, ist der olympische Startplatz an seinen Namen gebunden. Die Entscheidung fällt im März 2020, wenn die Weltcupserie im qatarischen Doha ihre letzte Station hat. „Das wäre großartig, denn es wäre mein Platz und ich hänge nicht davon ab, ob irgendein Trainer mich in letzter Sekunde gut findet oder nicht.“

          So geht es seinen Teamkollegen, denen in Stuttgart die Mannschaftsqualifikation gelungen war. Welche vier Turner letztlich für das Tokio-Team nominiert werden, obliegt wie überall dem nationalen Verband. Ray Zapata wäre der fünfte Spanier, aber nicht Teil der spanischen Mannschaft.

          Eine Verkomplizierung

          „Das ist alles sehr komplex“, bestätigt Trainer Bango. Der Qualifikationsmodus würde in der Tat die gesamte Olympiavorbereitung verkomplizieren und auch er wisse nicht, wie viele Punkte Bodenspezialist Zapata momentan hat. Das liegt daran, dass die Weltcup-Punkte von Konkurrenten, die sich zuletzt bei der WM in Stuttgart qualifiziert haben, neu verteilt werden sollen. Nur ist noch unklar, nach welchem Schlüssel. „Uns liegt dazu bislang kein offizielles Dokument vor“, erklärt Bango. „Man hat hier zuerst etwas entschieden und danach versucht, die Regeln dafür zu schreiben“, so umschreibt es ein Mitglied des Technischen Komitees des Weltverbandes, das lieber ungenannt bleibt.

          In Cottbus musste Zapata nur dem bislang unbekannten 19 Jahre alten Japaner Kazuki Minami den Vortritt lassen. Auch er kann theoretisch sein persönliches Ticket für die Spiele im eigenen Lande gewinnen. Und falls dieser Versuch in einer Sackgasse endet, gibt es 2020 noch zwei weitere Optionen durch das Labyrinth, die zum Ziel führen.

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