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Fabian Hambüchen ist wieder da : Plötzlich Hoffnung für Rio

  • -Aktualisiert am

Fliegender Turnmeister: Fabian Hambüchen. Bild: dpa

Die Schulter hält, die Form steigt: Turner Fabian Hambüchen hat nach seinem 40. deutschen Meistertitel die Olympischen Spielen von Rio wieder im Blick.

          Es reicht sogar wieder für eine Zugabe: Fabian Hambüchen gewann bei seinem ersten Wettkampf in diesem Jahr am Boden und am Reck. Im Frühjahr hatte er aufgrund anhaltender Schulterprobleme Wettkampf um Wettkampf absagen müssen. Nach den deutschen Meisterschaften am Wochenende in Hamburg ist klar: Fabian Hambüchen ist wieder da.

          Die Entscheidungen an den Geräten am Sonntag hatte Cheftrainer Andreas Hirsch als „Zugabe“ definiert, denn es sind die Ergebnisse des Mehrkampfs, die bei dieser ersten Olympiaqualifikation zählen. Den hatte am Samstag souverän Andreas Toba vom TK Hannover gewonnen. Nach seiner letzten Übung nahm Trainer Adrian Catanoiu Toba in Empfang, und die beiden verharrten lange in einer engen Umarmung. Das sei „sehr bewegend“, sagte der zweisprachige 25-Jährige, der demnächst im rumänischen Temeschwar seinen Bachelor in Sportwissenschaft abschließen wird, über seinen ersten nationalen Titel überhaupt. Kurioser Zufall: Vater Marius, einst Ringespezialist und Olympiateilnehmer für Rumänien und Deutschland, hatte vor 22 Jahren seinen einzigen Mehrkampftitel auch in Hamburg gewonnen.

          Andreas ist ein klassischer Mehrkämpfer, als solcher qualifizierte er sich schon 2012 für Olympia, 2013 wurde er Siebter im Mehrkampffinale der Europameisterschaft. Mit seinem souveränen Sieg, mit fast zwei Punkten Vorsprung vor dem Silbermedaillengewinner von London Marcel Nguyen sollte sein Olympiastartplatz sicher sein.

          Fabian Hambüchen hingegen wird in seiner Karriere wohl keine Mehrkämpfe mehr bestreiten. Am Samstag startete er an Boden, Sprung und Reck. „Super zufrieden“, sagte Hambüchen dazu, ohne wirklich super zufrieden auszusehen. Während Andreas Toba den Wettkampf Revue passieren ließ, blickte Fabian Hambüchen mit ernster Miene auf den Zettel mit den Ergebnissen, der vor ihm auf dem Tisch lag. An den Ringen, wo er ebenso wie am Barren aufgrund der lädierten Schulter nicht starten kann, hatte er für Andreas Toba das Gerät präpariert. Das habe er offenbar gut gemacht, schließlich habe Toba hier seine zweithöchste Note erhalten - das Lachen wirkte ein wenig bitter-ironisch. Fabian Hambüchen ist ehrgeizig, eigentlich will er immer gewinnen, aber er weiß auch, dass es darum im Moment nicht geht. Im Moment geht es um die Qualifikation für seine vierten Olympischen Spiele. Der Wettkampf sei ein „großer Schritt“ gewesen, schätzte er ein.

          Hambüchen mit neuem Selbstvertrauen: „Solange die Schulter hält, muss ich Vollgas geben.“

          In der Tat hat der Routinier in Hamburg alles richtig gemacht: Am Boden zeigte er eine neue Kombination, beim Jurtschenko-Sprung eine halbe Drehung mehr als in den vergangenen Jahren. „Wir brauchen ihn“, sagte der neue Meister Toba und schaute zu Fabian rüber. Er selbst habe zuletzt öfters den Kontakt gesucht: „Ich weiß, er hat eine schwierige Zeit gehabt.“ Hambüchen fasste die jüngste Vergangenheit nüchtern zusammen: fast drei Monate Pause, zuletzt hartes, intensives und möglichst ökonomisches Training, in den letzten drei Wochen vier Kilo abgenommen.

          „Solange die Schulter hält, muss ich Vollgas geben“

          Seine beste Vorstellung gab Hambüchen mal wieder an der Reckstange. Am Samstag hatte er zwar Probleme in der Ausführung, zeigte aber eine Übung mit der Schwierigkeit von 6,9 Punkten. Am Sonntag war die Übung deutlich einfacher, aber nachdem Andreas Bretschneider beim Versuch einer Weltneuheit, einem Cassina mit zusätzlicher Schraube, stürzte, spielte Hambüchen seine ganze Erfahrung aus. Es war sein vierzigster deutscher Meistertitel. Andreas Hirsch erklärte nach dem Mehrkampf, er sei froh, dass Fabian „das, was gerade geht, in die Waagschale geworfen“ habe. Nun müsse man in den nächsten Wochen beim „Prozedere der Nominierung“ sehen, „wie wir auch allen gerecht werden“.

          Hier wird es interessant: Die Zielstellung der deutschen Männer für Rio ist der Gewinn einer Medaille. Folglich lautet das erste Nominierungskriterium in einem komplexen Rechenspiel: „Dem DOSB werden zur Nominierung Turner vorgeschlagen, die eine Medaillenleistung für die OS 2016 nachgewiesen haben.“ Es folgt der Nachweis einer potentiellen Finalleistung, also einer Plazierung unter den besten acht. Nun hat sich in den vergangenen vier Jahren international einiges getan: Neben den etablierten Nationen Japan, China, den Vereinigten Staaten und Russland waren auch Briten, Brasilianer und Schweizer zuletzt nicht mehr zu besiegen. Die deutschen Turner, 2010 noch Europameister, turnen in Rio als Team nicht um die Medaillen mit, selbst der Einzug ins Finale ist keineswegs sicher. Ein Turner, der im Mehrkampf eine Medaille gewinnt, ist nicht in Sicht. Das heißt, Andreas Hirsch muss zur Erfüllung der Zielvorgabe auf die Entscheidungen an den einzelnen Geräten setzen. Und damit auf Fabian Hambüchen, dem neben Andreas Bretschneider nach allen Berechnungen der Einzug ins olympische Reckfinale zugetraut wird. Hier war er 2007 Weltmeister, gewann 2008 Bronze und 2012 Silber bei den Olympischen Spielen. Danach hatte er mal keck gesagt, es sei ja klar, welche Medaille noch fehle. Am Wochenende sagte er erstmal nur: „Was soll ich machen? Solange die Schulter hält, muss ich Vollgas geben.“

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