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Folgen des Missbrauchsskandals : Schmutz und Schutz im amerikanischen Turnen

  • -Aktualisiert am

Das große Nachbeben: Die Turnerin Alexander Raisman (hinten) verklagt USA Gymnastics und das NOK der Vereinigten Staaten. Bild: Imago

Die Folgen des Missbrauchsskandals um Arzt Larry Nassar rütteln an den Grundfesten des amerikanischen Turnsports. Selbst die neue Institution SafeSport wird kritisch beobachtet.

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          Die Beschwerdebriefe aus dem Kunstturnzentrum in Tallahassee klangen besorgt. Und sie waren detailliert genug, um im Büro des amerikanischen Turnverbandes alle Warnlichter angehen zu lassen. Ein Trainer, der sich um Mädchen im Alter von elf Jahren kümmerte, hatte begonnen, sie sexuell zu belästigen und in der Umkleidekabine heimlich Videos aufzunehmen. Weshalb die Organisation gebeten wurde, sich um den Fall zu kümmern. Sieben Jahre lang passierte nichts, ehe sich Eltern ans FBI wandten und William McCabe 2006 in Savannah von einem Gericht zu 30 Jahren Haft verurteilt wurde.

          Seitdem mahlen die Mühlen der Justiz, um in derselben Stadt die Frage nach der Mitverantwortung von Funktionären zu beantworten, die – so die Aktenlage – in derselben Zeit erstaunlich desinteressiert auf Hinweise über das Treiben von insgesamt 54 Trainern reagierten. Dass die E-Mails und Briefe, die einen Stoß von mehr als 5000 Seiten ausmachen und im Rahmen der Beweisaufnahme in einem zivilrechtlichen Verfahren zusammengetragen wurden, überhaupt ans Tageslicht kamen, ist nicht das Verdienst von USA Gymnastics. Im Gegenteil. Der Verband bemühte sich nach Kräften, eine Publikation der Unterlagen zu verhindern. Doch ein Berufungsgericht in Georgia machte das im vergangenen Jahr zunichte.

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