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Turn-WM in Stuttgart : Die Rekord-Gala der Simone Biles

  • -Aktualisiert am

Das Maß der Dinge: Simone Biles in Stuttgart Bild: EPA

Wieder sind die amerikanischen Turnerinnen nicht zu schlagen. Das Team um Superstar Biles, die mit gerade einmal 22 Jahren einen Rekord aufstellt, gewinnt bei der Weltmeisterschaft völlig überlegen. Doch es gibt auch eine Überraschung.

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          Sie hat es wieder getan, die Super-Biles. Am ersten Medaillen-Tag, dem Tag der Mannschafts-Entscheidung bei den Turn-Weltmeisterschaften in Stuttgart, fing das Publikum wieder an zu kreischen, als Simone Biles die erste Bahn ihrer Boden-Übung mit dem Biles beschloss. Dies ist das Element, von dem alle reden, und das seit Samstag nach ihrem Namen benannt ist: ein Doppelsalto mit dreifacher Schraube.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Spätestens jetzt war klar, wer das Turngeschäft der Frauen auch in diesem Jahr klar beherrscht: Die Amerikanerinnen mit ihren 172,330 Punkten. Sie gewannen den Weltmeistertitel zum fünften Mal nacheinander. Auch die zweitplazierte Mannschaft war keine große Überraschung: Russland, allerdings klar distanziert mit 166,529 Punkten. Die Bronzemedaillengewinnerinnen schon: Der Jubel der Italienerinnen (164,796) war überwältigend. Es ist ihre erste WM-Medaille seit den Titelkämpfen 1950 in Basel, also seit 69 Jahren. Die deutschen Turnerinnen hatten mit dem neunten Platz in der Qualifikation das Team-Finale knapp verpasst – nur einen Hauch hinter den Bronze-Gewinnerinnen aus Italien.

          Düster waren hingegen die Mienen der Chinesinnen, die auf dem vierten Platz eine Medaille verpassten. Sie waren die Verliererinnen dieses Nervenkampfs, der geprägt war von vielen Stürzen an Stufenbarren und Schwebebalken. Auch eine Amerikanerin, Sunisa Lee, musste von diesem heiklen Gerät absteigen, das keine Fehler verzeiht. Simone Biles allerdings turnte ungerührt ihr Programm. Sie lieferte die Bestleistung nicht nur am Boden, sondern auch im Sprung, und am Schwebebalken, obwohl sie den zweiten Biles von Stuttgart, Doppelsalto mit Doppelschraube beim Abgang, diesmal wegließ. Man muss sich auch noch etwas aufsparen für die Einzel-Finals.

          Das Weltmeister-Team: Die Turnerinnen aus den Vereinigten Staaten siegen in Stuttgart.

          Angeblich will die vierfache Olympiasiegerin Simone Biles in Stuttgart alle verfügbaren Goldmedaillen gewinnen, also nach der mit der Mannschaft noch fünf weitere. Dagegen spricht ihr vierter Rang am Dienstag an ihrem schwächeren Gerät, dem Stufenbarren. Schon jetzt hat sich die 22 Jahre alte Biles zur erfolgreichste WM-Turnerin der Geschichte aufgeschwungen. Mit summa summarum 21 Medaillen hat sie die Russin Svetlana Chorkina, die 20 Medaillen gewonnen hat, überholt. Mit ihrem 15. Titel konnte sie nur noch sich selbst überholen. Noch drei Medaillen mehr, und sie ist auch an Witali Scherbo vorbei, der bisher einsame Spitze ist.

          „Um ehrlich zu sein“, sagte Biles am Rande der WM in Stuttgart, „weiß ich nie, dass ich einen Rekord breche, bis jemand mir das sagt, weil ich nie ein Ergebnis aufbewahre.“ Eigentlich versuche sie, solchen – für Amerikas Sportjournalisten besonders typischen – Berechnungen keine Aufmerksamkeit zu schenken. „Ich will nur meine Arbeit machen.“ Nun kann sie vor dem Spiegel schon mal prüfen, wie ihr die Goldmedaillen von Stuttgart grundsätzlich so stehen. Sie sind von schwäbischen Tüftlern entwickelte Wunderwerke, die magisch leuchten.

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