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Ironman Hawaii : Die Frau, die dem Feuer davonläuft

Am Ziel in Hawaii: Sie weiß, was Schmerzen sind Bild: AP

Turia Pitt wurde 2011 bei einem Ultramarathon von einem Buschfeuer eingeschlossen. Sie erlitt schwere Verbrennungen, verbrachte zwei Jahre im Krankenhaus. Nun hat sie den Ironman Hawaii absolviert.

          Triathletin Turia Pitt weiß, was Schmerzen sind. Und das nicht, weil sie den Ironman in Hawaii überstanden hat. In gut 14:30 Stunden absolvierte die 29 Jahre alte Australierin die Strapazen aus 3,8 Kilometern Schwimmen, 180 Kilometern Radfahren und einem Marathonlauf. Sie twitterte ihr Zielfoto auf dem Alii Drive in Kona und quittierte ihre Leistung mit nur einem Wort: „Done“. Die internationale Triathlon-Szene dagegen überschlug sich vor Begeisterung über die Leistung der jungen Frau, auch wenn ihre Zielzeit für „Eisenfrauen“ nicht überragend ist.

          Doch viele in der Szene kennen ihre Geschichte, und die ist wahrlich außergewöhnlich. Turia Pitt wurde im September 2011 bei einem Ultramarathon in Westaustralien von einem Buschfeuer eingeschlossen. Sie versuchte sich zu schützen, doch vergeblich, eine Flammenwalze rauschte über sie hinweg. Das Feuer verbrannte mehr als 60 Prozent ihrer Hautfläche. Doch die Flammen konnten ihren Lebenswillen nicht auslöschen.

          Turia Pitt, bis dahin eine blonde Schönheit, die ein glückliches Leben führte, ihr Studium mit Bestnote abgeschlossen hatte und einen Job als Ingenieurin in einer Diamantenmine anstrebte, rang mit dem Tod. 864 Tage verbrachte sie im Krankenhaus, die ersten beiden Monate lag sie im Koma. 200 Operationen und Transplantationen waren nötig. Vier Finger ihrer linken Hand und der rechte Daumen mussten amputiert werden. Als sie nach Monaten zum ersten Mal ihr Spiegelbild sah, brach sie in Tränen aus. Doch ihr Lebensmut brach nicht.

          Und ihr Freund Michael Hoskin, mit dem die aus Tahiti stammende Polynesierin zum Zeitpunkt des Unglücks seit zwei Jahren zusammen war, stand zu ihr. Er unterstütze sie auf dem Weg zurück ins Leben – und auch beim Training. Ein Arzt hatte der Sportlerin gesagt, sie werde nie mehr laufen können. Das reizte ihren Ehrgeiz. Ihren Rückweg begann sie mit zehn Schritten am Tag.

          Dem Feuer entkommen: Turia Pitt

          Turia Pitt geht offensiv mit ihrem Schicksal um. Sie verdeckt ihr vom Feuer gezeichnetes Gesicht nicht in der Öffentlichkeit. Sie schrieb ein Buch über ihr Leben und unterstützt eine Hilfsorganisation, die sich für Verbrennungsopfer einsetzt. Sie zierte sogar das Cover einer australischen Frauenzeitschrift. Sie ist eine Kämpferin, die auch für ihr Recht streitet. Die Sportlerin verklagte die Organisatoren des Unglücks-Rennens von 2011, das ihr Leben veränderte, und erstritt in einer außergerichtlichen Einigung eine Entschädigung.

          Aus den zehn Schritten zurück ins Leben wurde die Idee, wieder Marathon zu laufen und dann sogar, einen Triathlon zu versuchen. 2015 engagierte Turia Pitt den ehemaligen Triathleten Bruce Thomas als Trainer. Im Mai 2016 startete sie beim „Ironman Australia“ und kam schon in 13:24:42 Stunden ins Ziel. Nun der „Ritterschlag“ auf Big Island.

          Das Schwimmen ist für sie nicht so einfach, da ihr die Finger der linken Hand als „Paddel“ fehlen. Beim Radfahren und Laufen in der Hitze von Hawaii muss sie sich häufiger als andere mit Wasser überschütten, da ihre Thermoregulation nicht richtig funktioniert. Alles kein wirkliches Problem auf dem Weg zum Ziel. „Wenn du einen Ironman schaffst, schaffst du alles“, sagt sie. Die meisten anderen meinen: Wer ihr Schicksal meistert, meistert auch einen Ironman.

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