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Schlüsselstellen auf Hawaii : Wo die Sieger des Ironman gemacht werden

Die malerische Umgebung täuscht: Der Ironman auf Hawaii ist für die Athleten eine große Quälerei. Bild: Picture-Alliance

Nirgendwo sind die Bedingungen bei einem Triathlon brutaler als auf Hawaii. Die Hitze. Die Luftfeuchtigkeit. Der Mumuku-Wind. FAZ.NET zeigt die Schlüsselstellen, an denen sich der Ironman entscheidet.

  • -Aktualisiert am

          Ein Ironman-Wettkampf ist ein langer Tag. Ein harter Tag, vor allem beim legendären Ironman auf Hawaii. Nirgendwo sind die Bedingungen brutaler. Die Hitze. Die Luftfeuchtigkeit. Der Mumuku-Wind, der auf der 180 Kilometer langen Radstrecke über die heißen Lavafelder fegt. Nicht einmal die besten Langstrecken-Triathleten der Welt können abschätzen, wie lange sie unterwegs sein werden, auch an diesem Samstag (Start 18.35 Uhr MESZ/ zunächst im ZDF-Livestream, ab Mitternacht im ZDF) nicht, wenn es auf Big Island zum 40. Mal um den WM-Titel geht. Weniger als acht Stunden für 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen sind für die besten Profis längst kein Problem mehr – überall sonst auf der Welt.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Aber hier, auf Hawaii, hat es noch keiner geschafft. Die Hitze hat alle Hoffnungen, die Schallmauer von acht Stunden zu durchbrechen, eingedampft und der Wind hat sie vertrieben. Am Samstag werden es ein paar der fittesten Athleten der Welt wieder versuchen. Nachdem der hohe Favorit Jan Frodeno wegen eines Ermüdungsbruches der Hüfte seine Teilnahme absagen musste, sind es vorneweg drei Profis, denen Chancen auf einen Sieg eingeräumt werden. Zwei Deutsche sind darunter: Titelverteidiger Patrick Lange und Sebastian Kienle, außerdem Lionel Sanders, ein Kanadier. Vielleicht kommt als Vierter noch der Spanier Javier Gomez hinzu.

          Animation: FAZ.NET-Multimedia

          Die Annahme, dass ein Ironman eine stupide Ausdauerleistung sei, ist falsch. Es gibt bei einem solchen Rennen taktische Pläne, Gruppenformationen, Angriffs- und Verteidigungsstrategien, Zermürbungstaktiken, psychologische Spielchen. Wer einen Ironman auf diesem Niveau gewinnen will, muss mehr können als schnell schwimmen, Radfahren und laufen. Er muss den richtigen Plan haben, muss an seinen persönlichen Schlüsselstellen präsent sein, darf keinen Fehler machen. Am Beispiel von Sebastian Kienle, der ein durchschnittlicher Schwimmer, ein überragender Radfahrer und ein sehr guter Läufer ist, gibt es drei dieser Schlüsselstellen.

          1. Der Schwimmstart

          Beim Ironman Hawaii sind die Profiathleten am Start unter sich. Die Männer gehen eine halbe Stunde vor dem großen Feld der Amateure ins Rennen, und so lange dieser Tag auch wird, so sind doch die ersten Minuten von außerordentlicher Bedeutung. Kienle hat die höchsten Laktat- und Pulswerte des gesamten Rennens schon eine Minute nach Beginn. Der Start ist ein Sprint maximaler Intensität, weil es taktisch extrem wichtig ist, in die erste Gruppe der Schwimmer zu kommen und nicht gleich den Anschluss zu verlieren. Die Positionskämpfe kann man sich vorstellen wie bei einem Formel-1-Start. Der Kampf um einen aussichtsreichen Platz im Feld ist hart, wird aber in der Regel halbwegs fair ausgetragen, weil die Athleten kein Interesse an Kollisionen und Zeitverlusten haben.

          2. Die Abfahrt von Hawi

          Das Örtchen Hawi mit seinen tausend Einwohnern liegt im Norden der Insel 160 Meter über dem Meeresspiegel, die Steigung hinauf ist hart. Hundert Kilometer sind oben am Wendepunkt der Radstrecke gefahren. Der Anstieg ist aber nicht die Schlüsselstelle, das ist die Abfahrt. Hier beginnen in der Regel die Angriffe der stärksten Radfahrer, zu denen Kienle, der ehemalige australische Radprofi Cameron Wurf und Sanders gehören. In halsbrecherischer Manier stürzen sie sich auf ihren schwer zu steuernden Zeitfahrmaschinen bei meist starken Seitenwinden mit Tempo 80 zurück an die Pazifikküste, reißen die entscheidenden Löcher und verabschieden sich vom Feld – wenn ihre Taktik aufgeht, und das tut sie meist. Für starke Läufer wie Patrick Lange und Javier Gomez heißt es auf der Abfahrt von Hawi und dem Rückweg nach Kona: Nerven bewahren und nicht zu viel Zeit verlieren.

          3. Das Energy Lab

          Die legendäre Laufpassage im letzten Teil des Rennens führt vom Queen Ka'ahumanu Highway in Richtung Meer zu einem Forschungslaboratorium und wieder zurück, die fünf Kilometer sind buchstäblich die heißeste Phase des Rennens. Die Luft steht, die Sonne brennt. Es gibt dort keine Zuschauer, keine Anfeuerung, nichts. Nur Leiden und Einsamkeit. Es ist eine der wenigen und auch die letzte Gelegenheit, entgegenkommende Gegner zu sehen und die Zeitabstände einzuschätzen. Für den Führenden heißt die Frage: Reicht es? Für die Verfolger: Kann ich es noch schaffen? Vom Ausgang des Energy Labs sind es noch rund zehn Kilometer bis zum Ziel auf dem Alii Drive in Kona. Dort weiß dann jeder Athlet, inwieweit seine Rechnung aufgegangen ist oder nicht.

          Fertigmachen zum Schwimmen: 3,8 Kilometer geht es. Bilderstrecke

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