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Triathlon : Timo Bracht genießt den Geruch des Sieges

Süßer Lohn für den Sieger Timo Bracht Bild: REUTERS

Triathlet Timo Bracht hat den Ironman Germany mit Streckenrekord gewonnen. Die Favoriten scheiterten: Normann Stadler gab auf, Faris Al-Sultan wurde Sechster. Bei den Frauen gewann nach einem dramatischen Endspurt auf dem Frankfurter Römerberg Nicole Leder.

          Den Geruch des Sieges hat Timo Bracht schon vor einem Jahr wahrgenommen. „Ich konnte lange am Sieg schnuppern“, erinnerte er sich. „Und das hat sehr gut gerochen.“ 2006 musste Bracht noch dem Neuseeländer Cameron Brown den Vortritt lassen. Doch weil in diesem Jahr einer der laufstärksten Langstreckentriathleten verletzungsbedingt passen musste, war der Weg für Bracht frei.

          „Immer kämpfend und erlebnishungrig.“ Brachts Lebensmotto lässt sich prima auf das Ironman-Rennen von Frankfurt übertragen, denn in der sechsjährigen Geschichte war es das mitreißendste, spannendste und kapriolenreichste. Überraschende Führungspersönlichkeiten, faszinierende Wechselkämpfe: Am Ende blieb es Timo Bracht vorenthalten, den Sieg nicht nur zu schnuppern, sondern entspannt zu genießen. Nach 8:09:15 Stunden, die zugleich Streckenrekord bedeuteten, überquerte der 31 Jahre alte Odenwälder Ausdauerprofi aus Eberbach als neuer Europameister den Zielstrich auf dem Frankfurter Römerberg. Der Reutlinger Michael Göhner (8:11:50) sowie Frank Vytrisal (8:13:34) aus Darmstadt vermochten Bracht nicht mehr ernsthaft zu gefährden.

          „Normann und ich sind rumgeeiert“

          „Man darf nicht nur träumen, man muss an sich glauben. Manchmal ist es besser, Zweiter zu werden, um daraus Kraft zu schöpfen“, sagte Bracht, der vor dem Rennen seines Lebens fest damit gerechnet hatte, es im Kampf um Platz eins mit den beiden Hawaii-Siegern Normann Stadler und Faris Al-Sultan zu tun zu bekommen. Doch Stadler stieg auf dem Rad aus, und auch der Sechstplazierte Al-Sultan (8:23:16) sprach später „von einem Tag, an dem einfach nichts ging. „Normann und ich sind rumgeeiert. Das war Not gegen Elend. Aber ich wollte auf keinen Fall aussteigen.“

          Süßer Lohn für den Sieger Timo Bracht Bilderstrecke

          Für Bracht wird sich der Sieg beim zweitwichtigsten Ironman der Welt doppelt auszahlen. Er streicht nicht nur eine Prämie von 16.000 Dollar ein, sondern wird im kommenden Winter außerplanmäßig in den Urlaub fahren. „Ich habe gewettet und verloren“, sagte der Frankfurter Cheforganisator Kurt Denk. Er wird Bracht mit Frau und Kindern zum Tiefschneefahren nach Zürs einladen.

          500.000 Zuschauer entlang der Strecke

          Es passte zu diesem außergewöhnlichen Ironman, untermalt mit Feuerwerk und Kanonenschlägen schon im Morgengrauen, dass mit dem späteren Viertplazierten Jan Raphael nach 3,8 Kilometer Schwimmen keiner der Favoriten dem 19,5 Grad warmen Langener Waldsee entstieg. Und obwohl die Abstände zu den vermeintlichen Favoriten nicht sonderlich groß waren, durfte der Hannoveraner Raphael länger als vielleicht erhofft das Gefühl auskosten, das Feld der mehr als 2300 Triathleten, angespornt von bis zu 500.000 Zuschauern entlang der Strecke, auch auf dem Rad anzuführen.

          Und wie! Für die erste, neunzig Kilometer lange Schleife durch die Wetterau, legte Raphael eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 41,5 Kilometern pro Stunde vor. Al-Sultan vermochte ihn nicht einzuholen, Stadler und Bracht auch nicht. Eine ähnliche Alleinfahrt deutete sich bei den Frauen an, doch Nina Eggert, die viermalige Zweite von Frankfurt, die später Dritte wurde, musste nach 93 Kilometern die heraneilenden Wenke Kujala und Vorjahressiegerin Andrea Brede passieren lassen.

          Gewiefter Taktiker

          Dann der nächste Knalleffekt. Stadler stieg vom Rad, beendete unter stechenden Schmerzen das Rennen bei Kilometer 150. Der Hawaii-Champion stellte kurz hinter Friedberg seine Rennmaschine an den Straßenrand, griff sich an den Rücken und sagte resigniert: „Ich wäre gerne auf dem Römerberg als Erster angekommen. Aber wenn man einer Gruppe von Leuten hinterherfährt, die dort nicht hingehören, macht es keinen Sinn.“ Aus, vorbei. Wieder musste sich Stadler in Frankfurt geschlagen geben. 2004 war es ein Defekt am Rad, der ihn zur Aufgabe zwang. Im Vorjahr stürzte er zweimal, kämpfte sich aber durch und wurde Elfter. Nur 2005 schien die Beziehung zwischen Frankfurt und dem triumphierenden Stadler zu stimmen.

          Anders Timo Bracht. Der Kämpfer aus dem Odenwald präsentierte sich als gewiefter Taktiker. Im Vertrauen auf seine Laufstärke ließ er zunächst den 40 Jahre alten Darmstädter Berufsschullehrer Vytrisal gewähren, der als Erster nach der Radhatz durch die Wetterau auf den abschließenden Marathon ging. 2:15 Minuten betrug Vytrisals Vorsprung, doch Bracht kam stetig näher. Nach 5:54 Stunden Renndauer passierte er den abklatschenden Hessen. Gut möglich, dass der 31 Jahre alte Familienvater Bracht, seit drei Jahren erst Triathlonprofi, dabei von seiner eigenwilligen Ausrüstungsstrategie profitierte. Was kaum jemand weiß: Bracht vertraut auf lange weiße Stützstrümpfe. „Die sehen zwar nicht gut aus“, sagt er. „Aber sie helfen.“ Angenehmer Nebeneffekt dieser extravaganten Laufsocken: Sie kühlen Brachts Waden, der so entspannter laufen kann.

          „Heute haben die Frauen Geschichte geschrieben“

          Laufen, das ist auch die Paradedisziplin von Nicole Leder. Die Darmstädterin, nach ihrem Sieg beim Ironman Malaysia schon früh für den Klassiker auf Hawaii qualifiziert, lieferte sich mit Titelverteidigerin Andrea Brede ein packendes, faszinierendes Laufduell. Von Kilometer zehn an machten die beiden Frauen im bislang spannendsten Ironman-Rennen in Deutschland gemeinsame Sache.

          Erst wenige Meter vor dem Ziel zog die Ehefrau von Lothar Leder an Andrea Brede vorbei und bejubelte nach 9:04:11 Stunden den größten Erfolg ihrer Karriere. „Alles hatte auf das Duell Normann gegen Faris gewartet. Doch heute waren es die Frauen, die ein bisschen Geschichte geschrieben haben“, sagte Nicole Leder. Welch ein Finish, welch ein Finale an diesem Ironman-Tag der Extraklasse.

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