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Triathlon : Frodenos Reich

  • -Aktualisiert am

„Fast schon eine Grenzerfahrung“, aber die brauche er eben: Triathlet Jan Frodeno. Bild: dpa

Kann er nicht langsamer? Triathlet Jan Frodeno sieht sich vorab nie als Sieger – in Gran Canaria war er es doch wieder, obwohl er das Rennen fast schon als „Grenzerfahrung“ erlebte.

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          Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Und so fragte der Reporter des Online-Magazins „Pushing Limits“ den Triathleten Jan Frodeno vor der Challenge Gran Canaria, ob man ihn mit einer großzügigen Spende für seine Stiftung „Fun(d)“ bewegen könne, im Wettkampf mal ein bisschen langsamer zu machen. Wegen der Spannung. Und damit auch mal ein anderer gewinnt.

          Es war eine Frage im Spaß, aber mit ernstem Kern. Denn Mittel- und Langstreckentriathlons sind seit langem Frodenos Reich. Wenn man von Hawaii 2017 absieht, als er wegen einer Rückenverletzung beim Marathonlauf nur noch humpeln konnte und lange Pausen einlegen musste, hat der mittlerweile 39-Jährige zuletzt vor fünf Jahren ein Rennen verloren, da wurde er Zweiter beim Ironman Lanzarote.

          Auf die Spendenofferte an seine Stiftung, mit der er soziale Projekte in seiner Wahlheimat Girona in Katalonien unterstützt, hatte Frodeno mit einem Schmunzeln geantwortet, dass man ihn prinzipiell nicht kaufen könne, dass seine Siegesserie aber auch kein Naturgesetz sei. Er gehe mit Respekt vor der Strecke und den Gegnern ins Rennen auf Gran Canaria und sehe sich vorab nie als sicherer Sieger. Einen Tag später war er es dann doch wieder. Triathlon ist, wenn alle schwimmen, radeln und laufen – und am Ende Frodeno gewinnt.

          Auch Patrick Lange, der den Ironman Hawaii 2017 und auch 2018 gewann, als Frodeno verletzt fehlte, konnte auf Gran Canaria dem Meister nicht folgen, bekam am Ende aber immerhin ein Lob von ihm. Der Konkurrent habe in der langen Zwangspause, die mit der Pandemie einherging, auf der Mittelstrecke „einen Sprung gemacht“, sagte er. Und tatsächlich musste sich Lange zwar mit Rang vier hinter Frodeno, dem Spanier Pablo Dapena Gonzalez und dem Australier Nick Kastelein begnügen, aber immerhin hatte er beim Laufen zwischenzeitlich ordentlich Druck gemacht.

          Im Stile eines Champions habe er attackiert, fand Frodeno nach einem harten Rennen, das auch ihn ans Limit geführt hatte. In Gefahr freilich war der dreifache Hawaii-Champion in keiner Phase. Sein Vorsprung vor dem Zweiten Gonzalez betrug am Ende 1:09 Minuten. Lange fehlten weitere 35 Sekunden auf den Sieger. Er war beim Laufen, seiner Spezialdisziplin, zwischenzeitlich bis auf Rang zwei vorgestürmt, hatte sich dabei aber offenbar übernommen und fiel auf den letzten Kilometern wieder hinter Gonzalez und Kastelein zurück.

          Die Standortbestimmung, die er im direkten Vergleich mit Frodeno angestrebt hatte, fiel zwiespältig aus. Zum einen konnte er den deutschen Konkurrenten nicht wirklich gefährden, zum anderen war er auch nicht zu weit weg, um in Richtung Hawaii – das Rennen soll am 5. Oktober stattfinden – nicht an eine Chance glauben zu können. Frodeno gab zu Protokoll, er freue sich auf die Ironman-WM in Kona, auf weitere Kräftemessen mit Lange. Vielleicht geht es dort, auch ohne Spende, ein wenig spannender zu.

          „Fast schon eine Grenzerfahrung“

          Die Challenge Gran Canaria war ein Wettkampf über die halbe Ironman-Distanz, 1,9 Kilometer Schwimmen im Meer, 90 Kilometer Radfahren, 21,1 Kilometer Laufen. Es war heiß, bis zu 30 Grad, der Kurs war schwierig. Nach dem Schwimmen ging es auf eine technisch anspruchsvolle Radstrecke mit 1400 Höhenmetern. Auch die verwinkelte Laufstrecke mit vielen Wendepunkten war nicht das Terrain, das Frodeno mit seiner Körpergröße von 1,94 Metern entgegenkommt. Es war eher ein Kurs für Lange. Frodeno mag auf dem Rad im Wettkampf lange, gerade Zeitfahrstrecken und beim Laufen einen gleichmäßigen Rhythmus.

          Dass er sich überhaupt kurzfristig auf Gran Canaria eingeschrieben hatte, lag am internationalen Rennkalender, der wegen Corona immer noch nur wenige Gelegenheiten bietet, sich mit der Konkurrenz zu messen. Außerdem, sagte Frodeno, habe er die Bedingungen als besondere Herausforderung gesehen – den Kurs als härtesten Gegner, auch ihn besiegte er. Mit größter Mühe allerdings. „Es war extrem hart“, sagte Frodeno erschöpft im Ziel. „Fast schon eine Grenzerfahrung.“ Ein Härtetest eben, ein bisschen zu hart womöglich? „Nein, warum?“, fragte er. „Es ist wichtig, solche Rennen zu haben, solche Erfahrungen zu machen, und es ist ja auch gut gegangen.“ Noch am Abend flog er zurück nach Girona. „Ich war am Limit“, sagte er zum Abschied. „Es ist ein Tag zum Genießen, aber erst in 24 oder 48 Stunden.“

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