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Triathlon : Legenden in Roth

Abschied in Roth: Nicole Leder Bild: dpa

Die kleine fränkische Kreisstadt war das Eldorado des Ironman in Europa. Bis ihr Frankfurt den Rang ablief. Doch noch immer hat das Spektakel in Roth einen guten Ruf. Diesen Sonntag starten hier die Legenden.

          Diesmal haben sie es besser gemacht. Anders als noch im Vorjahr, als die beiden wichtigsten deutschen Langstreckenrennen am selben Tag stattfanden, liegt jetzt eine Woche dazwischen. Immerhin. Triathleten können sowieso nicht binnen sieben Tagen zweimal 3,8 Kilometer schwimmen, 180 Kilometer Rad fahren und zum Schluss noch einen Marathon laufen. Doch medial war das schon ein Desaster. 2012 richtete sich der Fokus auf Frankfurt. Am Main fand schließlich die Europameisterschaft auf der prestigeträchtigen Ironmandistanz statt.

          Ironman machen sie auch in Roth, wo schon vor 25 Jahren alles seinen Anfang nahm. Detlef Kühnel, der erste Deutsche, der beim Klassiker auf Hawaii startete, machte die kleine fränkische Kreisstadt zum Eldorado des Ironman in Europa. Bis 2001. Dann vergab die World Triathlon Corporation (WTC) die Lizenz nach Frankfurt. An der Attraktivität und Einmaligkeit des Rother Rennens änderte dies aber nichts. In schöner Regelmäßigkeit wurde das Spektakel zwischen Rhein-Main-Donau-Kanal, Solarer Berg und Rother Festplatz von Athleten wie Außenstehenden mit Lob überhäuft. „Triathlon in Roth ist wie Tennis in Wimbledon“, hieß es zur Hochzeit in den neunziger Jahren in dieser Zeitung, als Männer wie Lothar Leder und Jürgen Zäck (jeweils fünf Siege) die Schlagzeilen bestimmten. Gut für Roth, gut vor allem für Leder: Der Darmstädter war 1996 der erste Triathlet der Welt, der die klassische Ironmandistanz unter acht Stunden in 7:57:02 Stunden absolvierte. Wenn er jetzt nach Roth zurückkehrt, wird er von dieser Zeit nur träumen können.

          Leder hat abseits des Triathlons beruflich schon lange mit Sportgeschäften Fuß gefasst. Seine Frau Nicole, stolze Mutter, wird ihre Karriere in Roth beenden. 2003 glückte ihr gemeinsam mit Lothar ein historischer Doppelsieg. 2013 nun soll Schluss sein mit dem professionellen Leistungssport. Knapp 2300 Starter, so viele wie nie zuvor, werden neben den Profis auf historischen Ironmanwegen um nationale Titel schwimmen, radeln und laufen. Auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten für die Ausrichtung der deutschen Langstreckenmeisterschaften brauchte die Deutsche Triathlon-Union nicht lange zu überlegen. In Roth, wo sonst, muss es der Meisterkurs sein.

          Weltbestzeit auf der Langdistanz

          Das fränkische Triathlongeschäft ist seit Jahren fest in der Hand der Familie Walchshöfer. Sohn Felix firmiert als Rennchef und treibende Kraft der global umspannenden „Challenge“-Serie, die die umtriebigen Rother nach dem Lizenzverlust 2001 ins Leben gerufen haben. Mutter Alice ist die große integrative Persönlichkeit im Hintergrund. Dass die WTC, die mit dem geschützten Markennamen Ironman prächtig wuchern kann, sich von Roth nach Frankfurt umorientiert hat, wurmt die Franken. Doch sie geben sich seitdem kämpferisch und kreativ. 2011 lockten sie mit Andreas Raelert und Chrissie Wellington zwei der ganz Großen nach Roth - und wurden nicht enttäuscht. Der Rostocker stellte eine neue Weltbestzeit auf der Langdistanz auf (7:41:33 Stunden), und auch die Britin stieß nach 8:18:13 Stunden in kaum für möglich gehaltene Dimensionen vor.

          2013 wollen die Rother zum „Rennen der Legenden“ machen. Leder, Zäck und Andreas Niedrig gemeinsam in einem Rennen. 1998 haben diese drei Herren ein Stück Rother Triathlongeschichte geschrieben. Es war das Rennen eins nach Thomas Hellriegels Coup im Pazifik. Der Badener siegte als erster Deutscher beim Ironman Hawaii in Kona, und die Rother waren mächtig stolz, dass der „Hell on Wheels“ im folgenden Sommer ebenso bei ihnen startete wie Zäck und Leder, die 1997 auf Hawaii die Plätze zwei und drei belegten. In Roth glückte Zäck Triumph Nummer drei, gefolgt von Leder und dem Überraschungsdritten Niedrig. Mit den Startnummern 28, 29 und 30 darf sich das Trio an diesem Sonntag der Ovationen sicher sein. Roth ist und bleibt eben das Rennen mit dem ganz besonderen Flair.

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