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Ironman in Frankfurt : Hitze, Pannen und ein Kollaps

Jubelte im Ziel über den Sieg beim Ironman in Frankfurt: Jan Frodeno Bild: EPA

Titelverteidiger Frodeno gewinnt die Triathlon-EM in Frankfurt, Kienle bremst eine Scherbe, Lange ein Defekt. Die führende Amerikanerin Sarah True bricht kurz vor dem Ziel zusammen.

          Das größte Lob kam vom Unterlegenen. „Jan ist nicht nur ein Gewinner“, sagte Sebastian Kienle. „Er ist ein Champion.“ Ein wahrer König der Triathleten, der nach seinem dritten Europameisterschaftserfolg erschöpft zu Boden sank, sich auf dem prallgefüllten Frankfurter Römerberg neben die Fotografen in den Schatten setzte und lange brauchte, um wieder halbwegs zu Kräften zu kommen. „Es war ein wirklich harter Kampf“, sagte Ironman Frodeno später. „Ich habe so viel Drama in meiner Karriere erlebt, das heute ist eines meiner schönsten Rennen.“

          Hitze, Sonne, Herausforderungen für Körper und Geist. Man hätte fast darauf setzen können, dass der schnellste Profi auch bei diesen grenzwertigen Bedingungen unter acht Stunden bleiben würde. Tatsächlich überquerte Frodeno nach 7:56:02 Stunden die Ziellinie, und als nur kurze Zeit später Kienle nach 8:00:01 Stunden Zweiter wurde, erwies der Kraichgauer dem Sieger seine Reverenz. „Heute war ein Last-Man-Standing-Rennen mit einem Haufen Hochs und Tiefs. Aber das ist es, was unseren Sport ausmacht“, sagte Kienle. „Heute war es das Rennen gegen Jan und gegen mich und die Klimaerwärmung. Ich hätte in meinem Kopf Eier kochen können.“

          Renndirektor Pascal Morillon war der Erste, der Frodeno mit Eiswürfeln kühlte. Als Frodeno wieder halbwegs stehen konnte, suchte er die Nähe zu seiner Frau und seinen beiden kleinen Kindern, die zum ersten Mal überhaupt bei einem Ironmanrennen ihres Papas dabei gewesen sind.

          Hitze, Hitze, Hitze

           

          Es war der 14. Sieg eines Deutschen bei der 18. Auflage: Frankfurt ist seit 2002 ein gutes Pflaster für die einheimischen Langstreckenspezialisten. Nicht so an diesem heißen Sonntag für Patrick Lange. Der zweimalige Hawaii-Weltmeister erlebte an diesem grenzwertigen Renntag einen bösen Einbruch. Eine Radpanne warf ihn derart weit zurück, dass er am Ende, zudem noch seit Tagen von Durchfall geplagt, als Elfter nach 8:47:49 Stunden die Ziellinie auf dem Römerberg überquerte. Sarah True kam dort überhaupt nicht an. 1000 Meter vor ihrem möglichen Coup brach die von der Hitze geplagte Amerikanerin zusammen und wurde von Sanitätern von der Strecke genommen. Ihre Landsfrau Skye Moench holte sich nach 9:15:31 Stunden den Titel.

          Titelverteidiger Frodeno lag auch bei diesem ganz speziellen Hitzerennen von Beginn an vorn. Schon beim 3,8 Kilometer langen Schwimmen konnte ihm niemand das Wasser reichen. Frodeno, der einstige Rettungsschwimmer vom Kap der Guten Hoffnung, kraulte ruhig, zielstrebig – und in seiner eigenen Klasse. Niemand aus dem Feld der deutschen Weltmeister konnte ihm folgen. Besonders frustrierend wurde es später für Lange, als er bei Kilometer 108 wegen einer Panne wertvolle Zeit verlor. Die Hoffnung des für den DSW Darmstadt startenden 32-Jährigen, endlich sein Frankfurter Heimrennen für sich zu entscheiden, war dahin. Lange musste bei der Reparatur des Reifens selbst Hand anlegen, und insgesamt waren es sieben Minuten, die er verlor.

          Wie verrückt dieses Rennen an diesem heißen Sonntag war, zeigt das Malheur, das auch Frodeno passierte. Als Führender war er bei Kilometer 40 in einer Rechtskurve zu schnell. Frodeno kam von der Straße ab, überquerte eine Verkehrsinsel und fuhr dann durchs Feld. Dort verlor er seine beiden Trinkflaschen. Ein Verlust, der deshalb zunächst schwer wog, weil sich Frodeno wie die anderen Spitzenathleten auch auf seine eigene Ernährung verlässt. Ein Missgeschick, das später aber behoben wurde.

          Drei Weltmeister, drei ganz persönliche Geschichten an diesem in vielerlei Hinsicht heißen Juni-Sonntag: Auch Kienle, der dritte Hawaii-Champion im Bunde der deutschen Ironman-Dominatoren, hatte auf der insgesamt 185 Kilometer langen Radstrecke Probleme. Gegen Ende seines Ritts hatte Kienle mit einem sogenannten Schleicher an seinem Hinterrad zu tun. Der Reifen verlor Luft – doch es reichte, um den zweiten von drei Akten zu Ende zu bringen. Gemeinsam mit Frodeno kam Kienle in die Wechselzone, in der sich Kienle behandeln ließ. Nach dem Schwimmen war ihm eine Scherbe in die Ferse des rechten Fußes geraten, die er sich entfernen ließ.

          Frodeno, der mit einem Vorsprung von 28 Sekunden als Erster aus dem Wechselzelt gelaufen kam, zeigte zuvor Größe. Er ging noch einmal zurück zu Kienle und schaute, wie es ihm ging. Bei Kilometer 17 ging Kienle in Führung. Er überholte Frodeno, hielt mit dem ihm freundschaftlich verbundenen Rivalen ein kurzes Pläuschchen – und konnte sich danach aber nicht entscheidend absetzen. Im Gegenteil: Die Weltmeister der Jahre 2014 (Kienle), 2015 und 2016 (Frodeno) liefen längere Zeit Seite an Seite. Dann, nach zwei weiteren Kilometern, ging Frodeno wieder an Kienle vorbei. Er baute seinen Vorsprung kontinuierlich aus, überrundete auf dem vier Mal zu absolvierenden Laufkurs ebenso wie Kienle den geschlagenen Lange – und nahm als Erster im Zielkanal die Ovationen des Publikums entgegen.

          Patrick Lange? Er musste unbedingt finishen – auch als Weltmeister. Der Hawaii-Champion braucht zwingend ein Ironman-Rennen, um automatisch wieder für den nächsten Start bei der WM in Kona berechtigt zu sein. Aufgeben, das ist keine Option. Schon gar nicht für einen Doppelweltmeister und deutschen Sportler des Jahres. „Heute war einfach nicht mein Tag. Aber ich bin schon ein bisschen stolz, das Ziel erreicht zu haben.“

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