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Triathlon-Comeback : Ironman-light ohne Stars in Frankfurt

Vor drei Jahren Zweiter: Ironman Patrik Nilsson genießt den Zieleinlauf auf dem prall gefüllten Römerberg. 2021 werden dort weniger Zuschauer sein. Bild: Jana Mai

Der Triathlon ist zurück in Deutschland. Zum ersten Mal seit 2019 geht bei der EM über dem Langener Waldsee „wieder die Sonne auf“. Zwei Deutsche haben in Frankfurt Siegambitionen.

          3 Min.

          Oliver Schiek konnte sein Glück kaum fassen. Am Sonntag findet tatsächlich wieder ein Ironman statt. Es wird die Europameisterschaft auf der Langdistanz sein. Schauplatz ist Frankfurt – wie auch schon in all den anderen Jahren zuvor. Der Triathlon ist zurück in Deutschland. „So langsam fange ich an, es wirklich zu glauben“, sagte Schiek am Donnerstag, als es galt, traditionell Einblicke in das bevorstehende Rennen zu geben.

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          Ralf Weitbrecht
          Sportredakteur.

          Nicht nur für Schiek, den verantwortlichen Ironman-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz, wird es ein ganz besonderes Erlebnis sein, wenn am Sonntag früh um 6.25 Uhr der Startschuss fällt und die Profis und danach die Altersklassenathleten ihren langen Arbeitstag mit 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen in Angriff nehmen. Es sind auch und vor allem die Triathleten, die auf diesen Moment hingefiebert und hintrainiert haben. Seit Juli 2019 wird erstmals wieder ein Ironman ausgetragen. „Wir sind extrem froh“, sagte Schiek, der sich bescheiden zeigte, „denn ich habe am wenigsten zu diesem Event beigetragen.“

          Es ist die eingespielte Mannschaft von Renndirektor Pascal Morillon, die seit Jahr und Tag die Voraussetzungen dafür schafft, dass Athletinnen und Athleten eine möglichst perfekte Wettkampfbühne geboten bekommen. Wie sonst auch mit im Boot dabei ist die Polizei, die mit viel Herzblut und mehreren Hundert Beamten für den Tag der Tage präpariert ist. „Wir sind auf alles, was passieren kann, vorbereitet“, sagte der verantwortliche Einsatzleiter Erik Hessenmüller, der sicher ist: „Auch der Ironman 2021 wird ein voller Erfolg.“

          Die Stars sind nicht dabei

          Um an alte erfolgreiche Frankfurter Tage anzuknüpfen, braucht es illustre Namen. Wer in die Startliste für Sonntag schaut und nach Jan Frodeno, Patrick Lange oder Sebastian Kienle sucht, wird enttäuscht sein. Die Stars der Szene sind nicht dabei. Abgesagt. Oder anderweitig engagiert. So wie der einstige Hawaii-Sieger Kienle, der wie schon in vergangenen Jahren seine Rennmaschine mit dem Mikrofon tauscht. Kienles Expertise ist gefragt, der Hessische Rundfunk (HR) macht sie sich für seine Zuschauer zunutze. Der HR überträgt das Europameisterschaftsrennen abermals live und tagfüllend von 6.15 Uhr bis 15.30 Uhr.

          Experte Kienle wird ausgiebig Zeit und Gelegenheiten haben, um auf die hervorstechendsten Starter bei diesem Ironman-light-Rennen ohne Stars und ohne Profifrauen zu sprechen zu kommen. Zwei von ihnen sind Deutsche: Maurice Clavel und Franz Löschke. Clavel, der in Freiburg lebende 33 Jahre alte Profi, hat in diesem Jahr schon ein Triathlonrennen absolviert. Bei der Challenge St. Pölten wurde er Dritter auf der Mitteldistanz. In Frankfurt geht es über die volle Ironman-Strecke, und Clavel ist fest überzeugt: „Am Sonntag gibt es einen deutschen Sieg.“ Also er oder Löschke?

          Clavel sagte, dass er sich gut fühle. „Ich bin ready.“ Gleichwohl schränkte er ein: „Der Rennmotor ist eingerostet. Noch im Mai, Juni habe ich gedacht: Das verschlimmert sich alles noch, da geht wegen Corona nichts, und ich bin im luftleeren Raum.“ Tatsache ist: Die Frankfurter Ironman-Macher um Morillon und Co. gehen es an und wollen den Athleten endlich wieder eine Plattform bieten. Clavels Versprechen für den Sonntagnachmittag, wenn es vor einer Minikulisse auf dem Römerberg in den Zielkanal geht: „Wenn ich unter die ersten drei kommen, zerreiße ich meinen Einteiler.“

          Derartiges wird Markus Frank nicht tun. Der zumeist in feines Tuch gehüllte Stadtrat, noch für den Sport in der Stadt zuständig, dürfte sich am Sonntag ungleich legerer geben. Schon jetzt freut sich Frank auf den „ganz besonderen Moment, wenn die Sonne über dem Langener Waldsee aufgeht“.

          Überhaupt: Frank hat es in all den Jahren seines sportpolitischen Wirkens nie versäumt, sich als Promoter der „Sportstadt Frankfurt“ zu empfehlen – so auch natürlich am Donnerstag in den Räumlichkeiten des Hauptsponsors Mainova, der dem Ironman seit nun schon fünf Jahren die Treue hält. Frank ist sicher, dass vom Ironman „ein Zeichen in die Region und in die Welt hinausgeht. Der Ironman ist ein ganz großes Flagship von internationaler Relevanz“, sagte er stolz. „Schön, dass endlich wieder gestartet wird.“

          Für Franz Löschke, den zweiten deutschen Profi mit Siegambitionen, was der Schwede Patrik Nilsson und der Brite David McNamee verhindern wollen, ist das Rennen in Frankfurt etwas ganz Spezielles. „Als im vergangenen Jahr der Ironman ausgefallen ist, haben meine Freundin und ich einen ganz besonderen Ironman gemacht: Wir haben einen wunderbaren Sohn gezeugt.“

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