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Triathlon : Brown gewinnt Ironman in Frankfurt - Zäck unter Verdacht

  • -Aktualisiert am

Am Ziel: Cameron Brown Bild: REUTERS

Cameron Brown hat den Ironman in Frankfurt gewonnen. Bei den Frauen siegte die Krefelderin Andrea Brede. Außerdem gibt es im Triathlon offenbar einen neuen spektakulären Dopingfall: Betroffen scheint Altmeister Jürgen Zäck. FAZ.NET-Spezial.

          Er war dreimal Zweiter, jetzt hat es für den großen Coup gereicht: Der Neuseeländer Cameron Brown hat den Frankfurter Ironman-Triathlon in der glänzenden Zeit von 8:13:49 Stunden vor dem Deutschen Timo Bracht gewonnen. Es war ein spektakuläres Rennen über die klassische Distanz von 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Die 2200 Starter hatten nicht nur gegen die Strecke und die Hitze anzukämpfen, sondern unterwegs auf dem Rad auch gegen ein formidables Unwetter. Favorit Normann Stadler stürzte dabei zweimal schwer, schleppte sich aber dennoch abgeschlagen ins Ziel. Bracht hatte auf der Laufstrecke die Führung übernommen und mußte Brown erst am Ende passieren lassen. Der Neuseeländer, der 20.000 Dollar Siegprämie gewann, darf sich nun mit dem etwas sperrigen Titel eines internationalen Europameisters schmücken.

          Zäck und die Ironie des Schicksals

          Europäischer Europameister, wenn man so will, wurde der Odenwälder Bracht (3:53 Minuten Rückstand): „Es war ein grandioses Rennen“, sagte er. „Von Brown gejagt zu werden ist, wie wenn der Teufel hinter dir her ist.“ Bei Kilometer 35 fiel die Entscheidung. Bracht verspürte einen Krampf im Oberschenkel und „war froh, überhaupt weiterlaufen zu können“. Dritter wurde, auch dies eine außergewöhnliche Leistung, der 39 Jahre alte Frank Vytrisal, ein Berufsschullehrer aus Darmstadt (7:04 Minuten Rückstand auf Brown). Bei den Frauen feierte Andrea Brede aus Goslar den größten Erfolg ihrer Karriere. Die 29 Jahre alte Sportstudentin überholte die lange führende Dänin Lisbeth Kristensen auf der Laufstrecke und kam nach 9:16:17 Stunden als erste auf dem Römerberg an.

          Bei den Frauen triumphierte Andrea Brede aus Krefeld

          Überschattet wurde der Ironman von der Nachricht eines spektakulären Dopingfalls: Klaus Müller-Ott, der Präsident der Deutschen Triathlon-Union, bestätigte in Frankfurt eine positive A-Probe „aus unserem Verbandsbereich“. Einen Namen wollte er nicht nennen, ehe die B-Probe Mitte der Woche geöffnet ist, aber in der Szene wurde er dennoch gehandelt: Es soll sich um Jürgen Zäck handeln, der seit bald zwanzig Jahren einer der renommiertesten deutschen Triathleten und achtmaliger Ironman-Sieger ist. Er hatte für Frankfurt abgesagt, seine Karriere beendet und dies mit einer Verletzung begründet. Ironie des Schicksals: In der gerade gegründeten Deutschen Triathlon-Stiftung war der Mann aus Vallendar für die Rolle des Talentscouts vorgesehen.

          Alle Favoriten in Sichtweite

          Normann Stadler war am Morgen als zehnter Profi aus dem Wasser gestiegen, 45 Sekunden hinter Stephan Vuckovic, dem Silbermedaillengewinner von Sydney über die Kurzstrecke, der sich in Frankfurt zum dritten Mal über die Ironman-Distanz versuchte. Thomas Hellriegel, Cameron Brown, Lothar Leder, Uwe Widmann, Timo Bracht und Frank Vytrisal - alle Favoriten waren in Sichtweite, hatten die 3,8 Kilometer lange Schwimmstrecke in einer Zeit zwischen 50 und 51 Minuten hinter sich gebracht, und das ohne Neoprenanzüge, die wegen der hohen Wassertemperatur im Langener Waldsee nicht erlaubt worden waren.

          Für die schwachen Schwimmer, die den Anzug nicht als Kälteschutz, sondern als Auftriebshilfe benutzen, war dies eine schlechte Nachricht, auch für den ehemaligen Radprofi Kai Hundertmarck, der im Wasser fast zwölf Minuten verlor und es mit diesem Rückstand nicht mehr schaffte, auf dem Rad zur Spitze vorzufahren. Dort fuhr Titelverteidiger Stadler, der Hawaii-Sieger von 2005, zunächst ein einsames Rennen. Mehr als acht Minuten betrug sein Vorsprung auf die Verfolger, alles deutete auf eine große Stadler-Show hin, doch dann wurde der Mannheimer langsamer. Er litt unter den Folgen der beiden Stürze.

          Viele Stürze im Gewitterregen

          Für eine Dreiviertelstunde war die Triathlonwelt in einem Unwetter untergegangen, in der Wetterau setzte ein Starkregen die Straßen unter Wasser, Schlamm von den Äckern lief über die Straße, und es erwischte viele Fahrer, die ihre filigranen Rennmaschinen nicht mehr unter Kontrolle hatten. Auch Cameron Brown stürzte, knallte auf die Hüfte, fuhr aber weiter.

          Am schlimmsten erwischte es Stadler. Er erlitt eine starke Rippenprellung, eine Verletzung, die auch dem härtesten Ironman die Luft nimmt. Stadler wurde langsamer, und als es zum Wechsel kam, als er sein Rad in Frankfurt abstellte, war der Vorsprung auf dreieinhalb Minuten geschrumpft. Außenseiter Bracht, 2004 schon einmal Achter auf Hawaii, kam näher und näher, verfolgt von Brown, der als bester Läufer der Langstreckenszene gilt und acht Minuten nach Stadler die Laufschuhe angezogen hatte. Dahinter tröpfelten die restlichen Favoriten in der Wechselzone ein, von Leder bis Vuckovic, von Widmann bis Hellriegel, ihr Rückstand freilich war schon zu groß. Das Rennen, zu dem am Morgen 2200 Athleten gestartet waren, hatte sich auf einen Dreikampf reduziert. Stadler, Bracht oder Brown - das war die Frage.

          Es dauerte nicht einmal eine Stunde, dann war Stadler geschlagen. Bracht zog bei Kilometer 14 in hohem Tempo an ihm vorbei, würdigte den Konkurrenten keines Blickes und ließ ihn stehen wie einen Freizeitsportler. Stadler war demoralisiert und lief schweren Schrittes weiter - einem bitteren Ende entgegen. Einer nach dem anderen zog an ihm vorbei. Stadler hielt sich die schmerzende Rippe, ließ sich behandeln, wurde immer langsamer. Kilometer um Kilometer schleppte er sich dahin, ein Bild des Jammers, eines, das den Ironman-Mythos verdeutlichte: nicht aufgeben, immer weitermachen, bis ins Ziel, wo auch Stadler, obwohl schwer geschlagen, wie ein Sieger gefeiert wurde.

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