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Kollaps bei großer Hitze : Triathlon am Limit

Abkühlung war herzlich Willkommen beim Ironman in Frankfurt. Bild: Reuters

Einen Kilometer vor dem Ziel kollabierte Sarah True. Es war richtig und wichtig, dass umsichtige Sanitäter die führende Frau aus dem Rennen nahmen. Hätte man den Ironman vielleicht gar nicht erst starten dürfen bei der Hitze?

          Grenzerlebnis Ironman. Selten traf diese Einschätzung so auf einen Langstreckentriathlon wie an diesem heißen Sonntag zu. Die Bedingungen in Frankfurt waren grenzwertig. Nicht nur für die Profis, die Wärme und Hitze durch ihre vielen Renn- und Trainingslageraufenthalte in warmen Ländern und Regionen gewohnt sind. Sondern auch und vor allem für die vielen namenlosen Helden dieses Sports, der seit Jahren in den meisten Parametern nur eine Richtung kennt: Es geht stetig nach oben.

          Die Marke Ironman hat längst den Globus umspannt. Es ist schick, zumindest einmal in seinem Leben hintereinander 3,8 Kilometer zu schwimmen, 180 Kilometer mit dem Rad zu fahren und zum großen Finale eines langen Tages auch noch 42,195 Kilometer zu laufen. Man kann das machen – muss es aber nicht. Schon gar nicht, wenn das Wetter wie bei der Europameisterschaft in Frankfurt heftige Kapriolen schlägt, die Sonne ohne Unterlass vom Himmel brennt und Temperaturen um die 40 Grad im Schatten Körper und Geist in Grenzbereiche führen.

          Es war richtig und wichtig, dass umsichtige Sanitäter die führende Frau aus dem Rennen genommen haben. Einen Kilometer vor dem Ziel torkelte Sarah True wie benebelt auf dem Asphalt am Mainufer, nahm um sich herum niemanden mehr wahr und kollabierte. Sofortige medizinische Hilfe war zwingend notwendig. Der Ehrgeiz der Amerikanerin, bei ihrem zweiten Ironmanstart in Frankfurt unbedingt gewinnen zu wollen, trieb sie bei diesen Witterungsbedingungen in gesundheitsgefährdende Grenzbereiche. Ein paar Stunden nach ihrem Kollaps, als sich die Sieger im Römer der Presse stellten, saß auch Sarah True auf dem Podium. „Mir geht es besser“, sagte die 37-Jährige – und die Erleichterung bei den Organisatoren war groß.

          Hätte man etwas anders machen können? Hätte man das Rennen vielleicht gar nicht erst starten dürfen? Oliver Schiek sieht es pragmatisch. Nach Rücksprache mit Ärzten, Feuerwehr, Polizei und den Athleten selbst gab es für den neuen Ironman-Geschäftsführer, der für die Rennen in Deutschland, Frankreich und den Beneluxländern verantwortlich ist, keinen Zweifel am Start. „Es stimmt, dass es heute hart gewesen ist“, sagte er. Doch irregulär? „Nein.“ Im Feld der 3000 angemeldeten Triathleten gab es eine erfreulich hohe Anzahl Einsichtiger, die kurzentschlossen die Reißleine gezogen haben und gar nicht erst gestartet sind. 300 blieben dem Rennen fern – eine gute Entscheidung dieser Altersklassenathleten.

          Gut war auch, dass zusätzlich zu den 4000 freiwilligen Helfern insgesamt 450 medizinische Fachkräfte im Einsatz waren. Michael Sroka, der Kreisverbandsarzt des Roten Kreuzes und beim Ironman in Frankfurt verantwortlicher Rennarzt, war mit seiner Crew umsichtig im Einsatz. Er hatte live am Fernseher mitverfolgt, dass Sarah True vor dem Kollaps stand, und von der Leitzentrale am Paulsplatz aus einen Soforteinsatz anberaumt. So konnte sogar bei den Profis Schlimmeres vermieden werden – am Tag, als der Ironman in Frankfurt zu einem Grenzerlebnis wurde.

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