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Triathlet Marius Lau : „Ich war in der Form meines bisherigen Lebens“

  • -Aktualisiert am

Auf der Laufstrecke des Frankfurter Ironman: Marius Lau am Mainufer Bild: Frank Rumpenhorst

Der Ironman in Frankfurt fällt in diesem Jahr wegen Corona aus – und damit auch das Debüt von Marius Lau. Er plant trotzdem für ein Leben als Profi, weil er hat, was andere Triathleten nicht haben.

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          Durch die Stadt strampelt er mit einem alten grünen, zu kleinem Fahrrad, das schon bessere Tage erlebt hat. Der Anblick der Muskeln, welche die Pedale antreiben, verrät aber: Der macht das öfter. Und wie! In den vergangenen zehn Jahren sind nur wenige Tage vergangen, an denen Marius Lau nicht auf dem Rad trainiert hat. Oder im Schwimmbad. Oder in Laufschuhen. Das grüne Fahrrad ist nur für kurze Stadtfahrten in Frankfurt – weil es für böse Buben, die auf Diebesbeute aus sind, nicht attraktiv ist. Ganz anders als das Rennrad, das Mountainbike und die Zeitfahrmaschine daheim.

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          Lau ist ein starkes Beispiel von Vereinstreue von der Pike bis zum Profi. Ein Beispiel, welch sportliche Kraft entfaltet werden kann, wenn der feste Wille und unverbrüchliche Antrieb eines jungen Athleten auf ein befruchtendes Vereinsumfeld mit guten Trainern trifft. Vor zehn Jahren, als Vierzehnjähriger, nahm er als Anfänger erstmals an einem Jugendtraining der rasant wachsenden Triathlonabteilung der Frankfurter Eintracht teil. Und bis heute kann Lau von sich behaupten, „noch keine einzige Trainingseinheit wegen ,null Bock‘ verpasst zu haben“. Sein Aufstieg vom spät gestarteten Jugendlichen zum Profi basiert auf Konstanz, Kontinuität, Konsequenz.

          Die Klammern um seine bisherige Laufbahn bilden jenes erste Eintracht-Training, bei dem er im Wasser die Kraultechnik noch gar nicht beherrschte – „ich konnte nur ein bisschen Brustschwimmen“ –, und der Ironman Frankfurt 2020. Bei den Europameisterschaften in seiner Heimatstadt wollte er am 28. Juni an den Start gehen mit dem Ziel eines Top-10-Rangs. Ja, sagt Newcomer Lau, er hätte das draufgehabt. Bei seiner Premiere über 3,8 Kilometer Schwimmen (im Langener Waldsee), 180 Kilometer Radfahren (durch Wetterau und Main-Kinzig-Kreis) und einen Marathon (am Frankfurter Mainufer).

          Nun ist der Ironman Frankfurt pandemiebedingt abgesagt worden. Aber weil Lau sich seinen Langdistanz-Erstling nur im heimischen Frankfurt vorstellen kann, hat er das Ziel nun auf Sommer 2021 verschoben. Die Phase des Haderns und Grollens über sein persönliches Pech hat er kurz gehalten. Obwohl sein kluger Plan, der seit anderthalb Jahren auf dieses Datum im Sommer 2020 zielte, so nachhaltig durchkreuzt worden ist.

          In der Form seines Lebens

          Das Training über den Winter sei „bombastisch gut gelaufen“, erzählt er. Bei zwei kleinen Cross-Duathlons sprangen Siege heraus, bei der traditionellen Winterlaufveranstaltung in Rodgau im Februar stellte Lau trotz widriger Bedingungen in 31:50 Minuten eine neue Bestzeit über zehn Kilometer auf. „Ich war in der Form meines bisherigen Lebens“, sagt der Frankfurter. Zumal mit dem erfolgreichen Abschluss seines Bachelorstudiums in Maschinenbau im März noch drei Monate purer, ungestörter Ironman-Vorbereitung vor ihm lagen. Es sollte ein Vorgeschmack werden auf das Profileben, das der 25-Jährige anstrebt. Er will es wissen – jetzt. Er will wissen, was in ihm steckt und wie weit er es bringen kann. Lau will diese „Chance, die sich einmal im Leben bietet“, wie er sagt, nutzen. „Ich möchte mir diesen Lebenstraum erfüllen.“

          Eine Profilizenz ist im Triathlon recht schnell gelöst, darum geht es Lau nicht allein. Die Kunst ist, so erfolgreich auf und so clever abseits der Rennstrecke zu sein, um seinen Lebensunterhalt über Preis-, Antritts- und Sponsorengelder bestreiten zu können. Er will sich nicht mit Anlauf wissentlich zermürben. Beispielsweise mit einem 30-Stunden-Job, der ihn finanziell über Wasser hält, zusätzlich zu den 18 bis 25 Wochenstunden Training. Diese Umfänge könne er nun aber zunächst gut vereinbaren mit dem Master-Studium in Maschinenbau an der Frankfurt School of Applied Sciences.

          „Ich mache es einfach“

          Marius Lau geht, weil er einen Plan B hat, diese ultimative Verbissenheit ab, die Athleten nicht selten in eine Sackgasse führen. Wenn es nicht klappt mit einer Profi-Laufbahn mit Rennen und Trainingslagern rund um den Globus? „Dann mache ich als Amateur weiter. Das Training fällt mir ja nicht schwer, es macht mir vielmehr Spaß – und den Spaß werde ich auch nicht verlieren“, sagt Lau. Er gleite bei langen Einheiten in eine Art meditativen Zustand ab. „Ich denke auch bei Regen und acht Grad nicht mehr darüber nach, warum ich jetzt aufs Rad steige. Ich mache es einfach. Und wenn man drei Stunden später unter der Dusche steht, ergibt das ein Gefühl nahe der vollkommenen Zufriedenheit.“

          Lau ist in den zehn Jahren seit dem ersten Training bei der Eintracht Schritt für Schritt vorangekommen. Sein erstes Ziel damals war: kraulen lernen. Viermal pro Woche ist er mit der Bahn von seinem Elternhaus in Frankfurt-Goldstein durch die Stadt zu den Eintracht-Trainingsstätten in Kalbach oder Bergen-Enkheim gefahren. Dann erarbeitete er sich das nächste Ziel, die Aufnahme in den Hessenkader. Er startete in der Zweitliga-Mannschaft der Eintracht und sammelte bei der TuS Griesheim auch Bundesligaeinsätze. Ein Erweckungserlebnis war die Halbdistanz bei der Challenge Almere Amsterdam 2015, als er in der Amateurkonkurrenz trotz eines geliehenen Zeitfahrrades auf Rang zwei ankam.

          Das Ziel, Profi zu werden, war geboren. Beim Frankfurt City Triathlon 2018 wurde er Zweiter auf der olympischen Distanz. Schon mit Profilizenz sprang im vergangenen Jahr bei einer Mitteldistanz an der Costa Brava der Sieg und bei der Challenge Davos Rang acht heraus. Laus Vorteil: Er ist in Schwimmen, Radfahren und Laufen gut. „Ich muss vor keiner der drei Disziplinen Angst haben“, sagt er. Und wenn die Absage des Ironman Frankfurt irgendetwas Gutes habe, dann das eine Jahr mehr Zeit. „Ein Jahr, in dem ich noch mehr Lebenskilometer sammeln kann. Ein Jahr mehr, in dem ich mich voll reinhauen kann“, sagt Lau. „Das schadet nicht.“

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