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Triathlet zu Fleischkonsum : „Das finde ich unmöglich“

  • Aktualisiert am

Kräftezehrend: Triathlet Jan Frodeno bei der Ironman-EM in Frankfurt 2019 Bild: Reuters

Jan Frodeno äußert sich in einem Interview zur Frage, was Fleischkonsum für den Körper bedeuten kann. Dabei übt er auch deutliche Kritik an Fabrikant Clemens Tönnies.

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          Triathlon-Star Jan Frodeno hat für einen bewussteren  Umgang der Menschen mit Nahrungsmitteln plädiert. Zugleich kritisierte der 38 Jahre alte Ironman-Weltmeister im Interview mit „Focus online“ (Freitag) Fleischfabrikant Clemens Tönnies. „Dass dieser Mann zuletzt auch noch Geld von der Politik gefordert hat, um seine absolut widerliche Maschinerie am Leben zu erhalten, finde ich unmöglich“, sagte Frodeno. „Ich denke, dass sich die Menschen wieder mehr für das Essen und somit auch das Fleisch interessieren müssen.“

          In Tönnies' Unternehmen waren massenhaft Coronavirus-Infektionen aufgetreten. Der zurückgetretene Aufsichtsratsvorsitzende des Fußball-Bundesligaklubs FC Schalke 04 musste daraufhin seinen Schlachtbetrieb in Rheda-Wiedenbrück vorübergehend schließen. Im Zuge dessen hat eine grundsätzliche Diskussion um die Bedingungen in der Fleischindustrie begonnen.

          „Mit dem Wohl der Tiere beschäftigen“

          „Das Problem ist, dass wir im Supermarkt nur ein abgepacktes Stück Fleisch kaufen. Aber wir müssen uns alle mehr mit diesem Prozess auseinandersetzen“, sagte der in Spanien lebende Frodeno. Fleisch essen sei okay. „Wenn man sich nur von Gemüse ernährt, kann man die Welt auch nicht retten. Aber wir sollten uns mit dem Wohl der Tiere beschäftigen“, meinte er. Er würde sich mehr Interesse der Menschen und mehr Transparenz der Konzerne erhoffen.

          Er selbst isst seit 2016 kein Fleisch mehr. Auslöser war Tischtennis-Stars Dimitrij Ovtcharov, der positiv auf Nandrolon getestet wurde und nachweisen konnte, dass es eine Verunreinigung im Fleisch gegeben hatte. „In der heutigen Welt weiß aber jeder, dass dir keiner im Ausdauersport so eine Nachricht abnimmt, wenn du positiv getestet wirst und sagst, dass es am Fleisch lag“, meinte Frodeno.

          Der Verzicht auf Fleisch habe bei ihm sofort positive Effekte gebracht. Seine Verdauung sei besser, sein Magen robuster geworden, Er brauche jetzt auch weniger Schlaf. „Da fahre ich sehr gut mit Gemüse und Fisch“, sagte der Olympiasieger von 2008.

          Tönnies bleibt Schalke treu

          Tönnies derweil will nach seinem Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke 04 dem Fußballverein dennoch treu bleiben. „Ich werde Schalke nicht den Rücken kehren, werde weiter zu Spielen gehen. Ich kann doch nicht einfach die schönsten 26 Jahre meines Lebens, die ich dort hatte, abhaken“, sagte der 64-Jährige dem in Bielefeld erscheinenden Westfalen-Blatt (Samstag). Schalke liege ihm „natürlich unglaublich am Herzen. Und das bleibt auch so.“

          Spekulationen, das Land Nordrhein-Westfalen habe vor dem Hintergrund des massiven Corona-Ausbruchs in seinem Fleischkonzern seinen Rücktritt bei Schalke zur Bedingung für eine Landesbürgschaft für den Verein gemacht, wies Tönnies zurück: „Das ist eine Geschichte, die ich noch nicht gehört habe.“ Die von seinem Konzern dem Klub zur Verfügung gestellte Kreditlinie über 25 Millionen Euro sei „lange ausgelaufen. Jegliches Engagement wäre immer von privater Seite“, erklärte Tönnies.

          Auch zu Spielen des Bundesliga-Aufsteigers Arminia Bielefeld werde er weiter gehen, auch wenn die Arminen nach dem Corona-Ausbruch die Zusammenarbeit mit Tönnies beendet haben. „Es passt leider hinein in eine völlig überhitzte Stimmung, geprägt von Hetze und Unsachlichkeit. Ich habe ein sehr ehrliches Entschuldigungsschreiben von Arminia Bielefeld bekommen“, sagte Tönnies. Er hätte sich gewünscht, „dass das, was dort bedauert wird, vorher gegriffen hätte. Dann wäre das so nie passiert. Aber auch hier werde ich weiter zum Fußball gehen.“

          Der Zweitliga-Meister hatte Ende Juni mitgeteilt, „aufgrund der aktuellen Ereignisse die werbliche Partnerschaft mit dem Unternehmen Tönnies nicht fortzusetzen.“ Der Vertrag lief am 30. Juni aus.

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