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 Jan Frodeno beim Ironman : Acht Stunden in der Dampfsauna

Lüftung aus, volles Tempo: Jan Frodeno simuliert im Fitnessstudio die Schweißorgie, die ihn auf Hawaii erwartet. Bild: Felix Rüdiger

Triathlet Jan Frodeno geht als Favorit in die Ironman-Weltmeisterschaft. Das magische Rennen auf Hawaii absorbiert alles Denken, alle Kraft. Und das Leiden beginnt schon lange vor dem Startschuss.

          Ein Fitnessstudio in Girona, einem Küstenstädtchen in Katalonien. Hier, anderthalb Autostunden von Barcelona entfernt, lebt und trainiert Jan Frodeno das halbe Jahr lang, die andere Hälfte ist er in Australien. Meer und Berge, schönes Wetter, gutes Essen - man kann man es aushalten in Girona, besser jedenfalls als in Saarbrücken, wo sich der Triathlon-Olympiasieger von 2008 viele Jahre geschunden hatte. Das findet zumindest seine Frau, die australische Triathletin Emma Snowsill. Sie war Weltmeisterin und Olympiasiegerin, ehe sie im vergangenen Jahr ihre Karriere beendete.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Am kommenden Samstag will Frodeno, der überragende Langstrecken-Triathlet dieses Jahres, den Ironman auf Hawaii gewinnen, er geht als Europameister und als Favorit in dieses legendäre Rennen. Um Hawaii, um Big Island, um Kona dreht sich bei Frodeno alles seit Wochen.

          Achtstündige Schweißorgie

          Kann man die Bedingungen Hawaiis in Europa simulieren? Die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit - dieses süß-salzige Gemisch aus Hitze und Schwüle, diese pazifische Dampfsauna? Kann man nicht. Auch nicht in Girona. Aber was man kann: Man kann sich an einem heißen Tag im Fitnessstudio aufs Laufband stellen. Uhr an, Kopfhörer auf, Laufband an. Viermal 4000 Meter einprogrammieren, sechs Prozent Steigung, Lüftung und Ventilatoren ausschalten, volles Tempo. Man kann, wie Frodeno das tut, ein „Sweatfest“, wie die Amerikaner sagen, veranstalten, eine Schweißorgie, wie sie beim Ironman auf Hawaii üblich ist, acht Stunden lang, vom Sonnenaufgang bis zur Mittagszeit.

          Frodeno schaut auf eine glänzende Saison zurück. Anfang Juli gewann er in Frankfurt mit Streckenrekord vor Hawaii-Sieger Sebastian Kienle die Ironman-Europameisterschaft, und auch bei der 70,3-WM über die halbe Distanz holte er den Titel und ließ Kienle hinter sich. Kona könnte für ihn nun die Krönung werden, nicht nur dieses Jahres, sondern seiner ganzen eindrucksvollen Karriere. Holt er sich den prestigeträchtigen und lukrativen Titel, dann wäre er der erste Triathlet in der Geschichte dieser Sportart, der Olympiasieger über die Kurzdistanz (1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Rad, zehn Kilometer Laufen) wurde, Weltmeister über die Mittelstrecke (1,9/90/21) und Hawaii-Sieger (3,8/180/42). Er wäre eine Triathlon-Legende - und niemand wäre in Sicht, der dieses Triple in absehbarer Zeit wiederholen könnte.

          Auf Hawaii wird abgerechnet

          Das Rennen auf Hawaii ist erst die vierte Langstrecke, die sich der 34-Jährige zumutet, im vergangenen Jahr war er bei seiner Premiere auf Big Island bemerkenswerter Dritter, trotz einer vierminütigen Zeitstrafe und eines Platten auf der Radstrecke. Frodeno hat, wie alle Hawaii-Debütanten vor ihm, Lehrgeld bezahlt. Auch wenn es sich anhört wie eine überstrapazierte Floskel, so ist es doch wahr: Hawaii ist härter als jede andere Langstrecke im weltweiten Terminkalender. Das liegt an der Streckenführung, der Hitze, dem Wind, und es liegt ganz einfach daran, dass in Kona alle am Start sind, die Rang und Namen haben, dass es für jeden der Saisonhöhepunkt ist.

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