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Siegertypen: Jan Frodeno : Ein Jahr wie aus dem Bilderbuch

Ein Leben für die Qual: Im Fitnessstudio simuliert er die Bedingungen von Hawaii Bild: Felix Rüdiger

Europameister, Weltmeister, Hawaii-Champion: Jan Frodeno gelingt 2015 einfach alles. Olympiasieger war er auch schon, nun könnte er als erster Triathlet Sportler des Jahres werden.

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          Zwei, drei federnde Schritte nur, dann ist auch diese Bühne im Sturm erobert. Die nächste Ehrung, die nächste Lobpreisung. Jan Frodeno erlebt die intensivsten Wochen seines Lebens. Heute noch das große Szene-Treffen mit den „Triathlon Awards des Jahres“ in Langen, morgen schon der sportlich-festliche Gala-Abend bei der Wahl zum Sportler des Jahres in Baden-Baden. Auch im Kurhaus an der Oos zählt Frodeno zu den großen Favoriten.

          Er weiß, dass es in der langen Geschichte der Sportler-Wahl noch kein Triathlet bis ganz nach oben geschafft hat. In Vorfreude auf das, was bei der 69. Proklamation aber nun aller Wahrscheinlichkeit nach doch zum ersten Mal passiert und einen weiteren Meilenstein in seinem facettenreichen Sportlerleben markieren dürfte, huscht ihm schon in der prallgefüllten Stadthalle von Langen ein breites Grinsen über das Gesicht.

          Der König von Kona: Triathlet Frodeno

          „Einfach genial“, sagt er - und meint damit das zu Ende gehende Jahr 2015, das es mit dem 34 Jahre alten Ausnahme-Athleten besonders gut gemeint hat. Sieg bei der Ironman-Europameisterschaft am 5. Juli in Frankfurt. Sieg bei der Ironman-Halbdistanzweltmeisterschaft am 30. August in Zell am See. Und dann dies: Hawaii. Kailua-Kona. Eine Bucht auf Big Island. Ein Zielstrich auf dem Alii Drive. Und ein Frodeno, der das noch lange nach seinem Triumph „surreal“ findet, was er da am 10. Oktober (Ortszeit) vollbracht hat.

          „Es ist wie auf Wolke neun oder sieben. Oder fünfunddreißig. Keine Ahnung.“

          Auch und gerade wegen Hawaii, wegen dieses famosen Start-Ziel-Sieges in der Keimzelle des Ironman, wird Frodeno auf andere Weise zum Weltenbummler. Termin folgt auf Termin. Eine Einladung jagt die nächste. Hier ein Fernsehauftritt, dort ein Interview mit einem Sponsor. Und - nicht zu vergessen - die vielen Stunden, die der Hawaii-Champion und Ironman-Weltmeister nach dem Coup von Kona in der Luft verbringt.

          „Das musst du dir einmal vorstellen. Im November bin ich fünfzehnmal zu Emma geflogen. Fünfzehnmal nach Australien und zurück. Kaum zu glauben. Mein Meilenkonto quillt über.“

          Traumziel: Frodeno gewinnt den Ironman Hawaii

          Australien, Noosa. Die Sonnenscheinküste von Down Under. Das Malibu Australiens. Hier wohnt Emma, geborene Snowsill. Sie ist Frodenos Frau - und Wesensverwandte. Dreimalige Triathlon-Weltmeisterin und Olympiasiegerin von Peking. Jene Spiele, bei denen auch Frodeno Gold holte. 2010, beim Laureus Award, haben sie sich kennen- und lieben gelernt - und 2013 geheiratet. Sie weiß, was im Kopf eines Triathleten vorgeht, wenn die Qualen besonders groß werden. Wenn man nicht weiß, ob man beim Klassiker auf Hawaii heil und unbeschadet aus dem gefürchteten Energy Lab herauskommt und - den greifbaren Sieg vor Augen - Kurs auf Kona nimmt.

          Frodeno hat die Fron in diesem Herbst gemeistert und sich seinen zweiten Lebenstraum verwirklicht. Triumph auf Hawaii. 8:14:40 Stunden für 3,86 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen. Der erste Coup, das war der Olympiasieg 2008 im Reich der Mitte. Dazwischen liegen nicht nur sieben Jahre Training und Wettkampf, sondern auch die Wandlung des Triathleten Jan Frodeno.

          Der erste ganz große Coup: Olympiasieger 2008

          „Früher bin ich egozentrisch gewesen. Als ich ins Ziel gekommen war, habe ich gedacht: Mann, was bin ich geil. Heute ist es für mich ein Glücksgefühl und eine Riesenehre, mich in die Siegerliste eintragen zu dürfen. Ich habe kapiert, dass ich das alles ohne meine Familie und ohne meine Freunde nicht auf die Reihe kriegen würde.“

          Familie und Freunde. Für Frodenos Weg an die Spitze seines Sports sind sie unabdingbar. Auf Felix Rüdiger, seinen Freund und Manager, kann sich Frodeno ebenso verlassen wie auf Dan Lorang, seinen im Saarland bei seinem Heimatverein LAZ Saarbrücken wirkenden Freund und Trainer, der auch als Bundestrainer der Deutschen Triathlon-Union für die Kurzstreckenelite zuständig ist. Und natürlich auf Emma.

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