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Trennung von Lange? : Eiertanz des Schwimmverbands

Wie lange bleibt Dirk Lange noch Bundestrainer der Schwimmer? Bild: dpa

Bleibt Lange bis Olympia 2012 Bundestrainer der Schwimmer? Präsidentin Thiel bestätigt „Abstimmungsgespräche“. In der Causa Steffen sind alle Gespräche geführt.

          2 Min.

          Der Schwimm-Weltcup beginnt mit einem Eiertanz. Lutz Buschkow, der Sportdirektor des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), hat am Freitag eine klare Antwort auf die Frage verweigert, ob Bundestrainer Dirk Lange bei den Olympischen Spielen in London noch im Amt sein werde.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Es gibt in Deutschland nicht einen einzigen Trainer, der sagen kann, dass er in London dabei ist“, behauptete er am Rande einer Pressekonferenz in Berlin. Der bei solchen Gelegenheiten üblicherweise anwesende Lange fehlte.

          Auch das warf selbstverständlich Fragen auf, die Buschkow so beantwortete: „Dirk Lange hat einen gültigen Vertrag und er trägt Verantwortung.“ Die Deutsche Presseagentur (dpa) berichtet, dass die Trennung des Verbandes von Lange bevorstehe und bis Dezember vollzogen sein könnte.

          Lange selbst teilte mit: „Ich habe Leistung gebracht. Wenn man mich nicht mehr haben will, muss man dem juristischen Weg folgen, der auch im Hochleistungssport gilt. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Auch von Athletenseite gab es mir gegenüber keine entsprechenden Aussagen.“ Er gab sich überrascht davon, dass der Verband Gespräche mit ihm bestätigt hat. Ihm lägen keine schriftlichen Informationen vor.

          „Die Auseinandersetzung wird offensichtlich gewünscht. Das ist neu für mich, gerade vor einem wichtigen internationalen Wettkampf.“ Auf die Frage, wie Lange unter dem Eindruck seiner Entmachtung in Berlin die Mannschaft führen solle, erwiderte Buschkow: „Was Sie denken, ist Ihre Sache.“

          Sportdirektor Lutz Buschkow verweigert eine klare Antwort

          Der 48 Jahre alte Lange und der vier Jahre ältere Buschkow, der vom Wasserspringen kommt, rangeln schon lange darum, wer das Sagen hat. Lange war einer der profiliertesten deutschen Trainer und betreute in Hamburg unter anderem die mehrmalige Weltmeisterin Sandra Völker, bevor er 2004 für vier Jahre nach Südafrika ging. Bei seiner Rückkehr schien ausgemacht, dass der ausgesprochen ehrgeizige und eigenwillige Hamburger auch Cheftrainer im Verband werden würde - wem schließlich sollte er sich unterordnen?

          Wenn der DSV einen Cheftrainer bestellt hätte, sagte Lange, als er 2008 sein Amt antrat, wäre er als Disziplintrainer nicht zu haben gewesen. Buschkow wurde zum Leistungssportdirektor befördert und hatte in dieser Funktion im vergangenen Jahr Lange mitzuteilen, dass aus dessen Aufstieg nichts werde. Damit war auch eine Vertragsverlängerung Langes für einen neuen olympischen Zyklus unwahrscheinlich geworden.

          „Abstimmungsgespräche“ werden bestätigt

          Das Verhältnis zwischen Buschkow und Lange gilt als zerrüttet; der eine stellt nicht selten in der Öffentlichkeit den anderen bloß, wie bei der Weltmeisterschaft in Schanghai, als Buschkow von der Heimreise der Olympiasiegerin Britta Steffen wusste, Lange aber nicht davor bewahrte, in der Öffentlichkeit so zu tun, als sei sie noch im Mannschaftsquartier. Der unerfreulichen Kooperation will der Verband neun Monate vor den Olympischen Spielen offenbar ein Ende machen. Doch dafür, Lange seinen bis Ende 2012 geschlossenen Vertrag auszuzahlen, haben die Schwimmer eigentlich kein Geld.

          Bis London 2012 könnten Paul Biedermanns Trainer Frank Embacher aus Halle an der Saale oder der Essener Trainer Henning Lambertz Langes Funktion übernehmen. Die Agentur dpa zitiert DSV-Präsidentin Christa Thiel mit den Worten: „Wenn es soweit ist, dass wir etwas zu verkünden haben, werden wir es alle wissen lassen. Gespräche werden vertraulich geführt.“ Die Juristin aus Wiesbaden bestätigte wie Buschkow, dass „Abstimmungsgespräche“ stattfinden.

          Bilderstrecke

          In der Causa Britta Steffen ist die Abstimmung derweil beendet. Die Olympiasiegerin, die vorzeitig von der Weltmeisterschaft abgereist war, wird an diesem Samstag eine Gruppe Jugendlicher begrüßen, die von ihrer Abwesenheit in Schanghai sehr enttäuscht gewesen sein sollen und wird sich als Schirmherrin für ein Projekt der Schwimmjugend engagieren.

          Auch ihr Lebensgefährte Paul Biedermann, der beim Weltcup in Moskau die 200 Meter auf der Kurzbahn in 1:43,15 Minuten absolvierte und dabei auch den 14-maligen Olympiasieger Michael Phelps hinter sich ließ, präsentierte sich entspannt und selbstbewusst. Die Berichte über den Abschied des Bundestrainers wollte er nicht kommentieren. „Wir sind hier, um schnell zu schwimmen“, sagte er. „Zu den Wettbewerben in Deutschland gehört seit Jahren, dass irgendjemand durch den Kakao gezogen wird.“

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