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Trendsport Klettern : Ein Boom mit Nebenwirkung

Überdachte Erlebniswelt: In deutschland gibt es 370 Kletterhallen Bild: Daniel Pilar

Ob in der Halle oder in der Natur: Klettern wird zum Trend, dessen Ende nicht abzusehen ist. Tourismusregionen und Sportartikelhersteller profitieren. Doch manche warnen vor einem „Ausverkauf der Berge“.

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          Sie müssen schon wieder anbauen. „Es ächzt überall, die Grenzen sind seit Jahren erreicht“, sagt Mark Eisele. Der Zweiundvierzigjährige ist Betreiber der Kletterhalle in München-Thalkirchen, der größten ihrer Art in Europa. Rund 170.000 Leute kommen Jahr für Jahr dorthin, um auf einer Kletterfläche von rund 4500 Quadratmetern den direkten Weg nach oben zu suchen. Und es werden immer mehr. „Eine Ende dieses Booms ist nicht abzusehen“, sagt Eisele.

          Michael Wittershagen

          Zuständig für den Sport in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der einstige Gebirgssport ist durch die überdachten Erlebniswelten längst auch in den Städten zu einem Trend geworden. Und auch in der Natur klettern die Deutschen wieder, sie wandern, und manche rasen auf einem Mountainbike die Berge hinunter. Der Deutsche Alpenverein (DAV) spürt diese Entwicklung ganz besonders. Rund 830.000 Mitglieder zählt der DAV derzeit, noch vor zehn Jahren waren es gerade einmal 600.000. „Die Leute kommen in Krisenzeiten verstärkt zu uns“, sagt Thomas Bucher vom DAV. „Wenn man so will, dann sind wir ein echter Krisengewinner.“

          Es gibt weitere Profiteure dieser Entwicklung. Tourismusregionen oder Sportartikelhersteller. Tausende kommen immer wieder an die Berge, um etwa die großflächig angelegten Klettersteige zu bezwingen - und natürlich brauchen sie Herbergen und Verpflegung. Es ist eine Massenbewegung, und viele rüsten sich in einer Weise aus, dass man schon von einer Professionalisierung im Privaten sprechen kann. Die Outdoor-Branche ist kaum von der Finanzkrise betroffen. Im Gegenteil: Sie verzeichnet noch immer Zuwächse.

          Demnächst auch am Osterfelderkopf: Ein „Skywalk” wie über dem Grand Canyon

          Angst vor dem Abenteuerland

          Der Boom aber ist mit erheblichen Nebenwirkungen verbunden. Die Wildnis dürfe nicht zu einem Abenteuerland verkommen, sagt etwa der deutsche Spitzenkletterer Stefan Glowacz. Der Vierundvierzigjährige gehört zu jenen, die gegen den „Ausverkauf der Berge“ protestieren. Etwa am Osterfelderkopf bei Garmisch-Partenkirchen. Dort soll ein sogenannter „Skywalk“ entstehen, eine dreizehn Meter lange Metallkonstruktion, auf deren meterdickem Glas die Besucher auf rund 2000 Metern die Aussicht genießen sollen. „Das ist nichts weiter als eine Jahrmarktattraktion“, sagt Glowacz. „Dabei hat die Bergwelt wahrlich schon genug Probleme.“

          Einige aber haben noch höhere Ziele, wollen hinauf auf die größten Gipfel der Erde. Verschiedene Agenturen versprechen genau das - vorausgesetzt, der Kunde zahlt entsprechend dafür. Die Philosophie unter den Naturfreunden hat sich verändert. Längst geht es nicht mehr nur um das Gefühl von Freiheit, der Konsum ist ein entscheidender Faktor geworden. Auch deshalb sind die rund 370 Kletterhallen in der Republik so beliebt. Dort gibt es weder Kälte noch Stürme, und vielleicht wird Betreiber Eisele genau deshalb vor ganz besondere Herausforderungen gestellt. Gerade erst hat er seine Mitarbeiter zu einer Barista-Fortbildung geschickt. „Die Leute erwarten nicht mehr nur eine interessante Route“, sagt er. „Sie wollen danach auch noch einen guten Cappuccino trinken.“

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