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Trauer ohne Ende : Kobe! Kobe! Kobe!

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Gedenken an Gianna und Kobe Bryant und die anderen Opfer des Hubschrauberabsturzes: Spieler der San Francisco 49ers Bild: Reuters

Der Unfalltod des Basketball-Idols Kobe Bryant nimmt Amerika enorm mit – und die Trauer wächst immer noch. Auch beim Super Bowl wird seiner gedacht. Der Tod von Bryant bringt dabei Firmen in Verlegenheit.

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          So viele wollen und können nicht so einfach loslassen. Tausende haben die lange Pilgerfahrt nach Downtown Los Angeles unternommen, um vor der großen Sporthalle an der South Figueroa Street Blumen niederzulegen. Oft sind es Rosen in Gold und Lila, den Farben der Basketballmannschaft der Los Angeles Lakers, die hier ihre Heimspiele austrägt. Das ist die Arena, die man schon als „das Haus, das Kobe gebaut hat“, bezeichnet hatte, als er noch spielte. Der Ort, wo er nur wenige Monate nach der Eröffnung im Jahr 2000 den ersten seiner fünf Meisterschaftserfolge errungen hatte.

          Wo er in den Rang einer der beeindruckenden Leitfiguren des amerikanischen Profisports aufstieg, mehr als einmal unglaubliche Leistungen ablieferte. An einem Abend im Januar 2006 schenkte er den Toronto Raptors 81 Punkte ein. Die Halle, in der seit seinem Rücktritt 2016 zwei Symbole seines Schaffens unter der Decke hängen - die Banner mit den Rückennummern 8 und 24, die er im Laufe seiner zwanzigjährigen Profikarriere getragen hat. Die Bühne, auf der er zur Persönlichkeit mit Mononym wurde. Dessen Vorname genügt, und jeder weiß – wie bei Elvis –, von wem die Rede ist.

          Kein Wunder, dass die Losung der Menschen vor der Arena in diesen Tagen ein simples Stakkato ist: „Kobe! Kobe! Kobe!“ Es gab kein Programm, dass das Ritual hätte unterbrechen können. Erst am Freitag trugen die Lakers wieder ein Heimspiel aus und artikulierten mit einer hoch emotionalen Würdigung mit Videobildern und einer Ansprache von LeBron James die angeschlagene Stimmung: „Wir feiern hier das Blut, den Schweiß, die Tränen, den kaputten Körper, das Aufstehen, die zahllosen Stunden und die Entschlossenheit, so großartig zu sein, wie man nur sein kann“, sagte er, der sich eine neue Tätowierung auf seinen linken Oberschenkel hatte stechen lassen. Sie zeigt – in Anspielung auf den Spitznamen, den sich Kobe selbst gegeben hatte – eine schwarze Giftschlange und den Spruch „Mamba for life“. Vor dem Spiel hatte der Sänger Usher „Amazing Grace“ vorgetragen, 24,2 Sekunden wurde geschwiegen. 24 Sekunden mit Bezug auf Bryants Rückennummer, seine Tochter Gianna, mit ihrem Vater verunglückt, trug die Nummer 2. Am Spielfeldrand blieben zwei Stühle frei, über die ihre Trikots gelegt waren. Das Spiel verloren die Lakers gegen Portland 119:127. Am Abend darauf siegten die Lakers in Sacramento 129:113.

          Los Angeles ist offensichtlich noch nicht in der Lage, sich von einem Basketballhelden zu verabschieden, der vor einer Woche beim Absturz eines Sikorsky-Helikopters vom Typ S-76B zusammen mit dem Piloten und sieben anderen Passagieren in den Bergen nordwestlich der Stadt ums Leben kam. Im Gegenteil. Es scheint, als ob das Ausmaß der Bekundungen noch größer werden wird. NFL-Geschäftsführer Roger Goodell hatte schon zuvor angekündigt, dass man Bryant auch beim Super Bowl in Miami ehren will, einem Fernsehereignis, bei dem mehr als 100 Millionen Amerikaner vor den Bildschirmen sitzen. Beim Aufwärmen stellten sich die Spieler in Gedenken an Kobe und Gianna Bryant, die anderen sieben anderen Opfer des Hubschrauberabsturzes und den früheren Football-Profi Chris Doleman, der am vergangenen Dienstag gestorben war, an der 24-Yard-Linie auf.

          Richard Sherman erschien vor der Partie in einem Bryant-Trikot an der Arena und trug im Vorprogramm des übertragenden Senders Fox ein Gedicht zu Ehren Bryants vor. Es trug den Titel „Dear Football“ (Lieber Football). Bryant hatte 2015 das Ende seiner Karriere mit dem Gedicht „Dear Basketball“angekündigt. „Wir lieben dich, Kobe. Wir lieben dich, Gianna“, beendete der 31 Jahre alte Sherman sein Gedicht. „In ewiger Liebe, Richard.“

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