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Trainerwechsel im Handball : Sittengemälde mit Schrammen

Gelegenheit macht Diebe: Uwe Schwenker (rechts) ergriff die Gelegenheit zur Verpflichtung von Alfred Gislason – zu Lasten von Christian Prokop (links). Die drei sind für dieses Bild montiert worden. Bild: Montage Dirk Steinhauer

Der DHB wollte Alfred Gislason – unbedingt. Grund genug, die Skrupel über den Haufen zu werfen und Christian Prokop zu entlassen. Brechen jetzt wirklich die goldenen Zeiten für den deutschen Handball an?

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          War das noch Handball, oder doch schon eine Herzblattgeschichte? Da ist man seit einiger Zeit liiert und alles in allem ganz zufrieden, bis auf einmal die alte Jugendliebe wieder auftaucht, verführerisch wie eh und je, und obendrein ungebunden – noch. So in etwa müssen sich die Verantwortlichen des Deutschen Handballbundes (DHB) gefühlt haben, als sie in dieser Woche mit Alfred Gislason ins Gespräch kamen. Sie wussten: Diese Gelegenheit, sie kommt vielleicht nie wieder, Gislason stand wohl unmittelbar vor dem Ja-Wort beim russischen Verband, aber – die bislang unerfüllte Liebe beruht ja auf Gegenseitigkeit – als der DHB mit Herzklopfen seine Nummer wählte, signalisierte er ganz kokett: Wenn Ihr mich wollt, gehöre ich Euch.

          Das war Grund genug für die Entscheider, sämtliche Skrupel über den Haufen zu werfen und nur noch an das zu denken, was dann wohl möglich ist. Einen „situationsbedingten Strategiewechsel“ nannte Vizepräsident Uwe Schwenker die Entscheidung, sich von Christian Prokop zu trennen und den Bund mit Gislason einzugehen. Und wenn man diesen Fahrensmann des Welthandballs am Freitag da sitzen sah, mit seiner Kantigkeit, seiner Verdrängung, auch seiner Autorität – dann konnte man sich vorstellen, welche Macht dieser Gedanke in den Köpfen entwickelte.

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