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Trainer Andreas Behm : Fern der kalten Schulter

Wegweiser: Auf Andreas Behm hört der beste Hürdensprinter der Welt Bild: Getty Images

Der junge Leichtathletik-Coach Andreas Behm trainiert in Amerika Weltklasse-Athleten, in Deutschland ist er fast unbekannt. Mit einem Thema allerdings mag er sich nicht beschäftigen: Doping.

          Ausgerechnet die Deutschen ließen ihn abblitzen: den jungen blonden Mann, der im dunkelblauen Dress der amerikanischen Nationalmannschaft im Aufwärm-Areal der Leichtathleten herumschlenderte, mal an der Laufbahn auftauchte, mal an der Weitsprung-Grube, der bei den Hürden stand, sich an den Startblöcken umsah und Sportlerinnen und Sportler bei ihren Übungen auf dem Rasen beobachtete. Er stellte sich höflich den Trainern vor, meist in deren Muttersprache. Nach kurzer Zeit war er mit Briten und Franzosen im Gespräch, scherzte mit Kubanern und Jamaikanern, tauschte sich aus mit Russen und Chinesen.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Andreas Behm heißt der junge Mann. Bei den Olympischen Spielen von Peking vor fünf Jahren, erzählt er, habe er die Arena neben dem Vogelnest, in der sich die Leichtathleten auf ihre Wettkämpfe vorbereiteten, zu seinem Zuhause gemacht. Sein Job war es, die amerikanische Sprinterin Muna Lee zu betreuen, die als Fünfte des Sprint-Finales und Vierte des Endlaufs über 200 Meter fast eine Medaille gewonnen hätte.

          Seine Mission ging weit darüber hinaus: so viel zu lernen wie möglich. Mit Trainern aus aller Herren Ländern hat Behm Kontakte geknüpft, und viele halten bis heute, zwei Weltmeisterschaften und eine Olympiade später. Bloß seine deutschen Landsleute wollten sich keine Sekunde lang darüber wundern, dass sie jemand akzentfrei auf Deutsch ansprach. Fragen wollten sie schon gar nicht beantworten. „Ich habe zweimal versucht, mit ihnen ins Gespräch zu kommen“, erinnert er sich. „Sie haben mir die kalte Schulter gezeigt.“

          Behms erster Job: Die amerikanische Sprinterin Muna Lee betreuen

          Andreas Behm ist geboren in Frankfurt am Main. Seine Mutter ist eine amerikanische Computerexpertin, sein Vater hat als Rundfunkkorrespondent aus Madrid, London und Brüssel berichtet. Kein Wunder, dass er fünf Sprachen spricht und sich als Europäer fühlt. Dabei ist er längst in College Station in Texas, anderthalb Stunden nordwestlich von Houston, heimisch geworden.

          Behm findet mehr und mehr Anerkennung

          Vielleicht würden die deutschen Trainer ihn nun gern einmal ansprechen. Behm trainiert seit Jahren den besten Hürdensprinter der Welt, Aries Merritt. Vier Wochen nach seinem Olympiasieg von London lief Merritt in Brüssel über die 110 Meter Hürden 12,80 Sekunden: Weltrekord. Und Behm findet mehr und mehr Anerkennung.

          Vor kurzem hat der erste deutsche Athlet vierzehn Tage bei Behm in Texas beendet. Gregor Traber aus Tübingen, zweimal deutscher Hallenmeister, trainierte auf den großzügigen Anlagen der Texas A & M Universität gemeinsam mit Merritt und Wayne Davis. Der 21 Jahre alte Davis ist der kommende Mann im Hürdensprint. Er hält den Jugend- und den Junioren-Weltrekord sowie den amerikanischen High-School-Rekord. Seine Bestzeit steht bei 13,08 Sekunden.

          „Man muss ein bisschen verrückt sein“

          Mit 33 Jahren habe er, findet Behm, immer noch viel zu lernen. Doch dem Collegesport ist er allmählich entwachsen; einem System, dessen Regeln es verbieten, dass der College-Athlet Davis gemeinsam mit dem Profi Merritt trainiert, obwohl sie dieselben Anlagen benutzen und vom selben Trainer betreut werden. Ein System, in dem Behm seit acht Jahren für das Leichtathletik-Team der reichen Universität Texas A & M arbeitet und offiziell keinen Cent dafür bekommt.

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