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Traber-Derby : Stiller Triumphator Robin Bakker

  • -Aktualisiert am

Handküsse für das Publikum: Derby-Sieger Robin Bakker und Wild West Diamant. Bild: Heiko Lingk

Nicht Heinz Wewering, Lichtgestalt des Sulkysports, sondern Robin Bakker gewinnt das 125. Deutsche Traber-Derby. Seinen Erfolg hat er auch Wewerings Hengst Keytothehill zu verdanken.

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          Im Winner-Circle der Mariendorfer Trabrennbahn – jenem Ort, an dem die Siegerehrungen stattfinden – blieb es am Sonntag ruhiger als sonst üblich. Gemessen am Stellenwert des Ereignisses war es im Publikum geradezu beängstigend still, den Zuschauern steckte der Schreck offenbar noch in den Knochen. Denn wenige Minuten zuvor war ihr Idol gescheitert: Heinz Wewering, der große Favorit des 125. Deutschen Traber-Derbys und zugleich die Lichtgestalt des gesamten europäischen Sulkysports, hatte seine Mission nicht erfüllen können. Wewerings Hengst, der von allen Experten als unschlagbar eingestufte Keytothehill, hatte einfach nicht mitgespielt und den Dienst verweigert. Als das mit 225.555 Euro dotierte Rennen gestartet wurde, verfiel der Traber in Galopp und wurde nach dem Regelwerk sofort disqualifiziert.

          Im Winner-Circle stand daher nicht der Mann, dem das aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen auf 5000 Anwesende beschränkte Berliner Publikum so sehr den Sieg gegönnt hätte; nicht die mittlerweile siebzigjährige Symbolfigur des deutschen Trabersports. Sondern ein Sulkyfahrer, der nur etwa halb so alt ist wie sein berühmter Gegenspieler: der Holländer Robin Bakker. Doch dass der in dem kleinen Ort Deurze im Norden der Niederlande lebende Sportler wesentlich jünger ist als Wewering, deutet nicht auf mangelnde Erfahrung hin. Ganz im Gegenteil: Die Erfolgsbilanz des 37-Jährigen ist sensationell. Zwischen den Jahren 2013 und 2020 hat Robin Bakker sechsmal das Derby gewonnen – eine Erfolgsserie, die zuvor noch keinem Trabrennfahrer gelang. Er ist auf den Triumph in dem seit 1895 ausgetragenen Klassiker regelrecht abonniert.

          Sicherlich – der Hengst Wild West Diamant, den Bakker am Sonntag als Sieger über die Ziellinie steuerte, hatte auch davor schon viel Können bewiesen. Und er gewann das Derby sogar in Rennrekordzeit. Noch nie war ein Pferd so schnell wie Wild West Diamant. Doch trotzdem war es kaum zu fassen, dass Bakker seinen zehn Gegnern im Finale einmal mehr eine Ohrfeige verpasste. Es scheint fast keine Rolle mehr zu spielen, mit welchem Traber er antritt. Denn immer, wenn es ums Ganze geht, ist Bakker urplötzlich da – völlig egal, ob er im Sulky eines chancenreichen Favoriten oder eines krassen Außenseiters sitzt. „Am Ende gewinnt sowieso Bakker“ – das ist das Credo, das sich durchgesetzt hat. Seine Fans nennen ihn daher auch „Mr. Derby“. So war es auch dieses Mal. Im gesamten Verlauf des fünf Renntage umfassenden Berliner Meetings hatte sich der Holländer kaum bemerkbar gemacht. Doch im allerwichtigsten Moment beherrschte er die Szenerie in unnachahmlicher Manier.

          Angesichts desTriumphes hätte Bakker seinem Jubel lautstark Luft machen können. Doch er blieb bescheiden wie immer. Nur bei der Zieldurchfahrt war seine Freude unübersehbar, denn da hatte Bakker dem Publikum Handküsse zugeworfen. Unmittelbar danach gab sich der Trabrennfahrer wieder so, als hätte er in dem ganzen Geschehen nur eine Nebenrolle gespielt. „Wild West Diamant ist ein faszinierendes Pferd und wurde von seinem Trainer Paul Hagoort auf den Punkt genau topfit präsentiert“, sagte Bakker bei der Ehrung und ergänzte: „Ich bin ja eigentlich nur mitgefahren.“ Doch wie groß Bakkers Anteil in Wirklichkeit ist, weiß keiner besser als Hagoort, der seinem Partner schon seit Jahren die besten Pferde anvertraut. Gelegenheit, dies zu sagen, bekam Hagoort aber nicht. Denn der Meistertrainer musste sich die Zeremonie aus der Entfernung anschauen: Das aufgrund der Corona-Bestimmungen massiv eingesetzte Sicherheitspersonal hatte ihn nicht erkannt und ihm den Zutritt zum Winner-Circle verweigert.

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