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Trabrennen : Der Wolf fängt den Hasen beim Derby in Berlin

  • -Aktualisiert am

Panschow und sein Hengst Nu Pagadi bei der Zieldurchfahrt Bild: Heiko Lingk

Ausgerechnet das wichtigste deutsche Trabrennen, das Derby in Berlin, fehlte bislang in Thomas Panschows Titelsammlung. Mit dem Hengst Nu Pagadi gelang dem 41-Jährigen nun der erste Derbysieg.

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          Thomas Panschow ist kein Sportler, der sich um Interviews reißt. Als der Trabrennfahrer mit der Stute Galea vor zwei Wochen ein hoch dotiertes Zuchtrennen in München gewann, beschränkte er sein Statement gegenüber dem Bayrischen Rundfunk auf einen einzigen trockenen Satz: „Der Rennverlauf war optimal.“

          Auch am Sonntag in Berlin beim 113. Deutschen Traber-Derby, als Panschow vor 20.000 Zuschauern den Siegerpokal entgegennahm, ging der stets um Sachlichkeit bemühte Sulkyfahrer nur wenig aus sich heraus. „Ich habe nicht lange überlegt, als ich eine Runde vor dem Ziel aus dem Mittelfeld heraus mit meinem Hengst Nu Pagadi angriff. Es war eine spontane Entscheidung, denn ich hatte großes Vertrauen in mein Pferd.“, fasste Panschow die Erfolgstaktik nüchtern zusammen. Doch seine Mimik besaß eine ganz andere Sprache. Denn dem 41-Jährigen standen die Tränen deutlich in den Augen.

          Das Derby fehlte in Panschows Titelsammlung

          Nicht ohne Grund: Denn das mit insgesamt 350.000 Euro dotierte Derby, das wichtigste deutsche Trabrennen, hatte Panschow trotz seiner ansonsten makellosen Bilanz noch nie gewonnen. Über 17.000 Starts hat der Profi aus Marl mit seinen Pferden bisher absolviert und dabei rund 7.000 Mal einen der ersten drei Plätze belegt. Zwölf Millionen Euro Preisgeld kamen so zusammen. In Italien und Frankreich trug sich Panschow mehrfach in die Siegerlisten bedeutender Gruppe-Eins-Rennen ein. Seitdem gilt der Sulkysportler neben seinem Konkurrenten Heinz Wewering als der deutsche Fahrer mit der größten internationalen Routine. Doch beim Derby in Berlin blieb der Erfolg regelmäßig aus.

          Mal scheiterte Panschow am schlechten Startplatz, mal lief sein Pferd weit unter Normalform. Das beste Beispiel: Mit dem Hengst Pablo As verdiente Panschow für die Besitzerin Marion Jauß und den Züchter Alwin Schockemöhle 650.000 Euro Rennprämie. Doch beim Derby blieb dem Gespann nur der zweite Platz. Am Sonntag aber nutzte Panschow seine Chance mit dem Favoriten Nu Pagadi, dessen Name an eine russische Zeichentrickserie über einen Wolf und einen Hasen angelehnt ist, eiskalt aus.

          „Die Stimmung auf den Tribünen war gewaltig“

          Mit seinem eiskalten Überraschungsangriff 1200 Meter vor dem Ziel hatte keiner der Gegner gerechnet. In der Zeichentrickserie zieht der Wolf meist den kürzeren. Doch beim Derby 2008 ließ sich Panschow die Beute von dem zweitplazierten Niederländer Arnold Mollema und dessen Hengst Yardley Rich nicht mehr abjagen. Panschow bescherte zugleich Willi Rode, dem Trainer seines Trabers Nu Pagadi, einen besonderen Erfolg. Denn normalerweise steuert Rode, dem schon 6.945 Sulkysiege und zwei Erfolge beim Derby gelangen, seine Pferde selber. Doch den muskulösen Traber Nu Pagadi hatte der Trainer von Anfang an Panschow anvertraut. Willi Rode: „Nicht selber zu fahren, war für mich eine völlig ungewöhnliche Situation. Doch es war die beste Entscheidung, denn der Thomas hat alles goldrichtig gemacht!“

          Hochzufrieden war auch Ulrich Mommert, der Vorsitzende des Berliner Trabrennvereins. Mit der 113. Auflage hat das Derby, der Klassiker aller Sulkyrennen, seinen herausragenden Stellenwert im deutschen Trabrennsport weiter untermauert. Entgegen dem allgemeinen negativen Trend konnte der Gesamtumsatz an den Wettkassen während der Derbywoche mit zwei Millionen Euro sogar leicht gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden. Für den Vereinsboss war das von Thomas Panschow gewonnene Rennen sogar das schönste Derbyfinale aller Zeiten. „Die Stimmung auf den Tribünen war gewaltig.“, zieht der 67-jährige Industrielle aus der Automobil-Zulieferbranche sein persönliches Resümee und ergänzt: „Besonders froh sind wir darüber, dass das Derby endlich einmal wieder in der ARD-Tagesschau und den Tagesthemen übertragen wurde.“

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