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Tour-Sieger Contador : Geheimnisvolle Erfolge

  • -Aktualisiert am

Wieder ein spanischer Sieger: Wie machen die das nur? Bild: REUTERS

Für die Spanier ist Tour-Sieger Alberto Contador ein Radsport-Grande. Sie haben kein Interesse, in seiner Vergangenheit zu stöbern - obwohl es zweifelhafte Punkte gibt.

          3 Min.

          Vermutlich wird es in den nächsten Tagen prächtige Empfänge für Alberto Contador in der Heimat geben, Spanien ist ja inzwischen sehr geübt in solchen Dingen. Einerseits wegen Contador, der schon zweimal die Tour de France gewonnen hatte, ehe er nun an diesem Sonntag zum dritten Mal ganz oben stehen wird auf dem Podium in Paris.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Obwohl er am Samstag, beim 52 Kilometer langen Zeitfahren zwischen Bordeaux und Pauillac, noch einmal härter als gedacht kämpfen musste. Contador saß unruhig auf dem Rad, er wirkte ein bisschen verkrampft. Trotzdem hielt er Andy Schleck, der großen Behauptungswillen offenbarte, auf Distanz. Contador geht mit einem Vorsprung von 39 Sekunden vor dem Luxemburger auf die letzte Etappe.

          Wie machen das die Spanier: Erst Nadal, dann Fußball, nun Contador

          Der spanische Radsport wird den Sonntag bestimmt als ein geschichtsträchtiges Datum ansehen, und Contador reiht sich damit in diesem Jahr in eine besondere spanische Heldengalerie ein. Es ist wirklich bemerkenswert, wie dieses Land eine Höchstleistung nach der anderen produziert, durch den Tennisprofi Rafael Nadal, durch seine Fußball-Nationalmannschaft und jetzt wieder durch den Sportfreund Contador.

          Zum Schluss musste er noch mal kämpfen: Alberto Contador beim Einzelzeitfahren
          Zum Schluss musste er noch mal kämpfen: Alberto Contador beim Einzelzeitfahren : Bild: REUTERS

          Da wird der Konkurrenz in den anderen Nationen ganz schwindlig, und sie fragt sich: Wie machen die das nur? Das hatte auch der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy wissen wollen, als er Contador neulich auf dem Tourmalet begegnete. Aber natürlich hatte der Radprofi gar keine Zeit, um dem Staatsmann ausführlich Rede und Antwort zu stehen, Contador hatte ganz andere Sachen im Kopf.

          Begabung, intensive Arbeit und kenntnisreiche Begleiter

          In ruhigeren Zeiten würde er Sarkozy bestimmt erzählen, dass das alles viel mit Begabung, mit intensiver Arbeit und mit kenntnisreichen Begleitern zu tun hat. Daran mangelt es Contador keineswegs, er kann sogar - Monsieur Sarkozy wird das vielleicht nicht gefallen - auf französisches Knowhow setzen im Team Astana. Diese Mannschaft wird nämlich, nachdem der Belgier Johan Bruyneel und sein treuer Partner Lance Armstrong gegangen waren, von Yvon Sanquer geleitet. Der Franzose hat einschlägige Erfahrungen mit dem Radsport: Er stand einst in Diensten des Teams Festina, das 1998 für einen der größten Dopingskandale bei der Frankreich-Rundfahrt gesorgt hatte.

          Sanquer ist, was selbstredend nicht verwundert, sehr angetan von dem Rennfahrer Contador, er schätzt ihn als einen seriösen Arbeiter, der seinen Beruf mit großer Ernsthaftigkeit betreibt, der über beträchtliche Fähigkeiten verfügt, in den Bergen und beim Zeitfahren. Und er kann sich, wie sein Angriff nach dem Kettenschaden von Schleck belegt, sehr schnell auf sich verändernde Situationen einstellen. Im Handumdrehen hatte der 27 Jahre alte Spanier dem zwei Jahre jüngeren Luxemburger damit das Gelbe Trikot entrissen.

          Schleck wird seine Qualitäten im Zeitfahren verbessern müssen

          Mancher hatte das Verhalten Contadors zwar als linke Tour gegeißelt, und auch der geschlagene Schleck war zunächst wenig erfreut über diese Attacke aus dem Hinterhalt, aber er verzieh dem Spanier schnell. Schließlich sind die Herren befreundet, was einem Mann wie Schleck offenbar einiges wert ist. Er wird trotzdem ein gefährlicher Herausforderer für Contador bleiben. Schleck hat bereits angekündigt, im kommenden Jahr eine neue Offensive bei der Tour starten zu wollen. Sein Talent ist dafür allemal ausreichend, allerdings wird Schleck seine Qualitäten im Zeitfahren verbessern müssen.

          Vermutlich werden Contador und Schleck im Jahr 2011 unter neuen Vorzeichen aufeinandertreffen - beiden Profis steht der Sinn nach einem Standortwechsel. Andy Schleck wird sich, mitsamt seinem Bruder Fränk sowie deutschen Fahrern wie Linus Gerdemann, wohl einem neuen luxemburgischen Rennstall anschließen. Contador wird, pikante Fügung, mit Schlecks bisheriger Equipe, dem Team Saxo-Bank um den Dänen Bjarne Riis, in Verbindung gebracht.

          Für die Spanier ist Contador ein Radsport-Grande

          Ein amerikanischer Fahrradhersteller soll den Deal ermöglichen. Es würde eine teure Angelegenheit sein, schließlich soll Contador, der im geschäftlichen Bereich von seinem Bruder Fran tatkräftig unterstützt wird, ein Jahresgehalt von fünf Millionen Euro verlangen. Aber der drahtige Madrilene kann die Preise ja diktieren, er ist der auffälligste Vertreter des Pelotons, ohne jedoch wirklich die Rolle des Patrons einzunehmen, wie sie einst der nun tief gefallene Texaner Armstrong verkörpert hatte.

          Dafür ist der Spanier zu introvertiert, es mangelt ihm an Ausstrahlung. Aber das stört seine Landsleute keineswegs, für sie ist Contador schlichtweg ein Radsport-Grande. Und Spanien hat auch kein Interesse daran, in der Vergangenheit Contadors zu stöbern, obwohl es da mehrere zweifelhafte Punkte gibt. Zum Beispiel die Beziehung zu Manolo Saiz, der Contador in das Profigeschäft eingeführt hatte. Saiz galt als einer der mächtigsten Männer im Radsport, allerdings war er auch in die Dopingaffäre um Eufemiano Fuentes verwickelt.

          Contador musste sich einer riskanten Operation unterziehen

          Zu Fuentes soll es auch Contador gezogen haben, in der Kundenkartei des umstrittenen spanischen Mediziners tauchte jedenfalls das Kürzel AC auf. Aber Contador weist konsequent den Vorwurf des unlauteren Wettbewerbs zurück, er kann sich dabei einer breiten Unterstützung in Spanien sicher sein. Dort dominiert der Stolz auf einen Sportler, der aus ärmlichen Verhältnissen zu einem Star aufgestiegen ist, der außerdem - wie Armstrong - ein schweres Leiden überstanden hat.

          Vor sechs Jahren war Contador bei der Asturien-Rundfahrt gestürzt, die Ärzte stellten danach eine Gefäßerweiterung im Gehirn fest. Der Rennfahrer musste sich einer riskanten Operation unterziehen.

          Jetzt steht Contador wieder glänzend da. Wie 2007, als er erstmals bei der Tour gesiegt hatte. Wie 2009, als er sich - ein Jahr nach dem Tour-Triumph seines Landsmannes Carlos Sastre - ein zweites Mal in Gelb in Paris präsentiert hatte. Und man darf weiter rätseln über das Geheimnis solcher Erfolge.

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