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Tour de Suisse : Probelauf für die einzig wahre Rundfahrt

  • -Aktualisiert am

Andy Schleck bei der Tour de Suisse: Mal gucken, was die anderen drauf haben Bild: REUTERS

Alberto Contador und Andy Schleck sind die beiden Favoriten für die Tour de France. Während aber Contadors Auftritt beim Giro ein Manifest der Stärke war, testet Schleck sich und andere derzeit bei der Tour de Suisse.

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          Im Radsport gibt es die Tour de France – und danach lange nichts mehr. Dann kommt der Giro d’Italia, der Jahr für Jahr mit immer aberwitzigeren Streckenprofilen versucht, im Vergleich mit dem französischen Marktführer eigene Größe und Großartigkeit zu demonstrieren. Dann kommt die Spanien-Rundfahrt, die so spät im Jahr liegt, dass sie immer nur noch die Spanier interessiert. Und dann gibt es die kleineren europäischen Rundfahrten mit der Tour de Suisse an der Spitze, der Dauphiné Libéré in Frankreich, der Luxemburg-Tour, ja sogar durch Bayern wird noch ein paar Tage geradelt – und alle diese Mehrtagesfahrten im Frühjahr verbindet eines: Sie sind für die Besten nur harte Trainingstage für den einzigen Termin, der wirklich zählt – die mit 3,2 Millionen Euro Preisgeld dotierte Tour de France, die in diesem Jahr am 2. Juli mit einer 191 Kilometer langen Etappe in der Vendée im Nordwesten des Landes startet.

          Was vorher kommt, sind Testfahrten, nicht mehr. Die Favoriten beäugen sich. Wie ist die Form der Konkurrenten? Wer ist auf Kurs? Wer deckt die Karten auf, wer nicht? Für die Tour de France gibt es zwei Favoriten: den spanischen Titelverteidiger Alberto Contador und den Zweiten des vergangenen Jahres, den Luxemburger Andy Schleck. Beide sind sich im Frühjahr aus dem Weg gegangen. Contador, dessen Doping-Verfahren der Internationale Sportgerichtshof (Cas) bis nach der Tour de France zurückgestellt hat, ist die schwere Italien-Rundfahrt gefahren – und hat sie überlegen gewonnen.

          Schleck verfolgt eine andere, defensivere Taktik

          Sein Auftritt beim Giro war ein Manifest der Stärke, eine deutliche Ansage, dass er auf dem Niveau des vergangenen Jahres fährt, trotz aller Wirren um seine positive Probe auf Clenbuterol, die er mit dem Verzehr von verunreinigtem Fleisch zu erklären versucht. Während Contador beim Giro seine Trümpfe auf den Tisch gelegt hat, verfolgt Schleck eine andere, defensivere Taktik. Bei der Tour de Suisse liegt er nach vier Etappen mit 6:10 Minuten Rückstand auf den Führenden, den Italiener Damiano Cunego (Team Lampre), nur auf Rang zwanzig. Schleck nutzt die Tour de Suisse tagtäglich als Test, arbeitet als Helfer für seinen Bruder Fränk oder für seinen Kollegen vom Leopard-Team, Jakob Fuglsang. Er testet sich und die Konkurrenz, und wenn er die Probeläufe abgeschlossen sind, dann rollt er nur noch dahin.

          Franck (r.) und Andy Schleck: Tour als Tour-Test
          Franck (r.) und Andy Schleck: Tour als Tour-Test : Bild: REUTERS

          Auffällig auch, wie die Brüder Schleck zum Beispiel beim schweren Anstieg hinauf nach Crans-Montana auf der zweiten Etappe gemeinschaftliche Aktionen probten, wie sie abwechselnd angriffen und die Konkurrenz kontrollierten, ohne am Ende ernsthaft um den Etappensieg zu kämpfen. Sie ließen dem Bergspezialisten Juan Mauricio Soler den Vortritt, aber jedem Beobachter war klar: Der Kolumbianer war nur ein Sieger von Schlecks Gnaden. „Ich hätte die Beine gehabt, um in Crans zu siegen“, sagte Fränk, der in der Schweiz im vergangenen Jahr noch gewonnen hatte, diesmal aber wie sein Bruder nur mit Blick auf Frankreich fährt.

          Keine Gegner in Sicht, nicht für die Tour de France

          Worum es den Luxemburgern bei der Tour de Suisse geht, erklärte Leopard-Teamchef Kim Andersen nach der zweiten Etappe ganz offen: „Das war eine gute Gelegenheit, um die Kapitäne der anderen Teams mal zu testen und zu sehen, in welcher Form die Anwärter auf den Gesamtsieg sind.“ Ergebnis: Keine Gegner in Sicht, nicht für die Tour de France. Der Gegner, den es zu schlagen gilt, Contador, schaute die Etappe im Fernsehen an – und musste feststellen, dass die Schlecks nicht nur individuell stark, sondern auch immer besser aufeinander eingespielt sind. Im Finale der Tour de France im vergangenen Jahr hatte Fränk noch verletzungsbedingt gefehlt, diesmal könnte er die entscheidende Figur im Kampf um den Sieg werden, er ist der Joker, den Bruder Andy im Ärmel hat, der stärkste Helfer im Feld, womöglich sogar ein Siegkandidat.

          Und die Deutschen? Linus Gerdemann, der die Luxemburg-Rundfahrt gewann, ist in der Schweiz im Team Leopard wieder in die zweite Reihe gerückt und übt sich in der Helferrolle für die Schlecks. John Degenkolb (HTC-Highroad) gewann bei der Dauphiné zwei Etappen, wird bei der Tour de France aber nicht am Start sein. „Dafür bin ich noch zu jung. Es wäre nicht gut, mich jetzt schon dort an den Start zu schicken“, sagt der spurtstarke 22 Jahre alte Neuprofi aus Erfurt. Tony Martin (HTC-Columbia), im Frühjahr Sieger bei Paris–Nizza und die deutsche Hoffnung auf eine gute Plazierung im Gesamtklassement der Tour de France, gewann bei der Dauphiné das Zeitfahren in Grenoble, das auf gleicher Strecke auch bei der Frankreich-Rundfahrt im Programm steht. „In den Bergen“, sagt er, „muss ich noch an meiner Form arbeiten.“ Was kein Grund zur Sorge sei. Martin ließ es bei der Dauphiné ruhiger angehen als vergangenes Jahr, als er die Tour de Suisse als Vorbereitung „am Anschlag“ bestritt und mit 27 Sekunden Rückstand auf Fränk Schleck Sechster wurde – ein erstklassiges Ergebnis, das er sich diesmal für die Tour de France aufheben will.

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