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Tour de France : Schumacher verblüfft nicht nur die Konkurrenten

  • -Aktualisiert am

Jubel in Gelb: Stefan Schumacher verblüfft viele Bild: REUTERS

Stefan Schumacher hat das erste Einzelzeitfahren der Tour de France gewonnen und das Gelbe Trikot erobert. Damit ist der 26 Jahre alte deutsche Radprofi der nächste Führende der Tour, der trotz der Schatten der eigenen Vergangenheit durch Frankreich fährt.

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          Eigentlich hatte Fabian Cancellara als unbezwingbar gegolten im Zeitfahren, er war bisher die beherrschende Figur in dieser Disziplin des Radsports. Doch in Cholet, auf der vierten Etappe der Tour de France, fand der Schweizer seine Meister – in erster Linie in einem Radprofi aus Nürtingen.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Es war eine erstaunliche Begebenheit, als Stefan Schumacher die Ziellinie passierte und einen deutlichen Vorsprung vor dem bis zu diesem Zeitpunkt führenden Cancellara hatte. Niemand konnte Schumacher noch überflügeln, der Schwabe errang mit seiner flotten Fahrt den ersten deutschen Etappensieg bei der 95. Tour. Mehr noch: Schumacher übernahm auch das Gelbe Trikot von dem Franzosen Romain Feillu. Einen Deutschen in Gelb hatte es auch im Vorjahr gegeben; damals hatte dies Linus Gerdemann geschafft, der diesmal nach einem schweren Sturz bei der Tour fehlt.

          Natürlich spricht Schumacher davon, sich einen Traum erfüllt zu haben

          Schumacher gewann das Zeitfahren über 29,5 Kilometer rund um Cholet vor dem Luxemburger Kim Kirchen vom Team Columbia und dem Schotten David Millar, die jeweils 18 Sekunden langsamer als der Deutsche waren. Cancellara wurde von Schumacher gar um 33 Sekunden übertrumpft.

          Der Luxemburger Kim Kirchen wurde Zweiter hinter Schumacher
          Der Luxemburger Kim Kirchen wurde Zweiter hinter Schumacher : Bild: REUTERS

          „Es ist unfaßbar“, sagte der neue Führende der Tour, „ein außergewöhnlicher Moment.“ Und natürlich sprach er auch davon, sich einen Traum erfüllt zu haben. Er will sein Trikot mindestens an diesem Mittwoch verteidigen.

          Seinem Team könnte Schumachers Sieg neue Perspektiven eröffnen

          Man konnte nachvollziehen, dass die Genugtuung im Lager von Gerolsteiner generell sehr groß war – schließlich kämpft der deutsche Rennstall auch um den Verbleib im Profiradsport. Unmittelbar vor der Tour de France hatte Teamchef Hans-Michael Holczer einräumen müssen, noch keinen neuen Hauptsponsor für das kommende Jahr gefunden zu haben. Der bisherige Geldgeber zieht sich nach dieser Saison zurück.

          Der Erfolg von Schumacher in Cholet dürfte Holczer nun ein wenig zuversichtlicher in die Zukunft blicken lassen; möglicherweise läßt sich dadurch doch ein Finanzier überzeugen, bei Holczers Mannschaft einzusteigen, die allgemein eine große Reputation genießt. Schumacher sagte am Dienstag, dass es mit diesem Team weitergehen müsse. „Ich glaube fest daran.“ Er hat allerdings schon Gespräche mit anderen Teams geführt.

          Auffällige Blutwerte, Spuren von Amphetaminen - Schumachers Vergangenheit

          Schumacher hatte schon mehrmals Aufsehen erregt, zuletzt im vergangenen Herbst bei der Straßen-Weltmeisterschaft in Stuttgart. Er wurde damals auf heimischem Terrain Dritter. Unmittelbar nach der WM wurde bekannt, dass bei Schumacher vor dem Championat auffällige Blutwerte festgestellt worden waren – der Schwabe geriet unter Verdacht. Er erklärte die Unregelmäßigkeit mit einer Durchfallerkrankung und betonte, dass er sich nichts zuschulden habe kommen lassen. Gleichwohl entbrannte eine Diskussion darüber, ob Schumacher bei der WM überhaupt hätte dabei sein dürfen.

          Später verursachte er einen Autounfall unter Alkoholeinfluß, wobei in seinem Körper auch Spuren von Amphetaminen entdeckt wurden. Der Nürtinger behauptete, dafür keine Erklärung zu haben. Er betonte auch in Cholet: „Ich habe keine Drogen genommen.“ Gleichwohl hatte der Rennfahrer durch diesen Vorfall auch den Unmut von Holczer erregt; Schumacher wurde daraufhin dazu vergattert, dem Nachwuchsteam von Gerolsteiner eine „Spende“ zukommen zu lassen.

          Der Astana-Manager fragte, warum Schumacher starten durfte

          Vor dieser Tour hatte der Belgier Johan Bruyneel eine Debatte über die Teilnahme von Schumacher angezettelt. Der Manager des Teams Astana, das wegen seiner Dopingverstrickungen in der Vergangenheit ebenso wie der Belgier Tom Boonen nach seinem Kokainkonsum nicht zur Tour zugelassen worden war, fragte, warum denn Schumacher starten dürfe. Das konnte als Kritik am Tour-Veranstalter verstanden werden.

          Schumacher ist also ein Profi mit wechselvoller Vita, in Cholet kam jetzt ein äußerst bemerkenswertes Kapitel dazu. Es ist gewissermaßen die gelbe Episode in seiner Laufbahn. Schumacher hat damit gewiß nicht nur seine Konkurrenten im Peloton sehr verblüfft.

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