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Tour de France : Schumacher übernimmt mit Zeitfahrsieg das Gelbe Trikot

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Jubel in Gelb: Stefan Schumacher verblüfft viele Bild: REUTERS

Stefan Schumacher hat das erste Einzelzeitfahren der Tour de France gewonnen und das Gelbe Trikot erobert. Freilich muss auch Schumacher wie so viele Radprofis nicht nur gegen die Uhr, sondern auch gegen die Schatten der eigenen Vergangenheit anradeln.

          Stefan Schumacher hat im ersten Tour-Zeitfahren die Weltelite geschockt und das Gelbe Trikot erobert. Der WM-Dritte aus Nürtingen fuhr am Dienstag auf der 4. Etappe über 29,5 Kilometer rund um Cholet in 35:44 Minuten eine Fabelzeit und verwies den Luxemburger Kim Kirchen (+18 Sekunden) auf den zweiten Rang.

          In der Gesamtwertung der 95. Tour de France führt Gerolsteiner- Profi Schumacher nun mit zwölf Sekunden vor Kirchen und dem Schotten David Millar sowie 21 Sekunden vor dem Tour-Favoriten Cadel Evans aus Australien. „Ein Traum - ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Ich bin beim Zuschauen im Mannschaftsbus verrückt geworden“, sagte der 26 Jahre alte Schumacher. Letzter deutscher Radprofi in Gelb war im Vorjahr Linus Gerdemann, der diesmal verletzt fehlt.

          Im Vorjahr sorgte Schumacher für negative Schlagzeilen

          „Wenn ich mir eine Strecke hätte aussuchen können, dann die. Die Distanz und das Profil waren ideal für mich. Es ging heute viel über die Kraft, dass Rennen lief optimal für mich, ich habe in keiner Kurve Zeit liegen gelassen“, sagte Schumacher, der seinem Mechaniker wegen eines kurzfristig ohne Absprache ausgetauschten Lenkers „keinen Stunk“ versprach: „Ich hatte von Anfang an gespürt, dass ich einen guten Tag hatte - mit dem Lenker war es doch nicht so schlimm.“ Zweitbester der 16 deutschen Tour-Teilnehmer war der Berliner Jens Voigt (36:19). Der favorisierte Doppel-Weltmeister Fabian Cancellara (Schweiz) wurde mit einem Rückstand von 33 Sekunden nur Fünfter.

          Größter Erfolg seiner Karriere: Stefan Schumacher fährt zum Sieg im Einzelzeitfahren und ins Gelbe Trikot

          Vor neun Monaten hatte Schumacher, der 2006 beim Giro das Rosa Trikot getragen hatte, noch ganz andere Schlagzeilen produziert: Im Anschluss an seine WM-Bronzemedaille hatte er im Oktober 2007 nach einem Autounfall mit Sachschaden Fahrerflucht begangen. Im Alkoholtest bei der Polizei war er nicht nur in einem Fall positiv: Bei Schumacher wurden auch Spuren eines Amphetamins festgestellt, Sanktionen vom Weltverband oder von seinem Team blieben aber aus, weil die Kontrolle außerhalb des Wettkampfes und nicht von einem Sportverband vorgenommen worden war. Vorher war er mit außergewöhnlichen Blutwerten aufgefallen, die er mit einer heftigen Durchfallerkrankung erklärt hatte.

          Fothen und Lang enttäuschen

          „Das ist die Tour - da läuft's eigentlich immer bei mir. Nach meinen enttäuschenden Leistungen bei den deutschen Meisterschaften wollte ich eigentlich zeigen, dass ich noch lebe. Das war heute ein schöner Parcours, ein bisschen wellig mit viel Wind“, meinte Cancellaras Teamkollege Voigt über seine Leistungen, die für die nächsten Tage einiges versprechen. Die übrigen starken deutschen Zeitfahrer wie Sebastian Lang und Markus Fothen enttäuschten.

          Vor 14 Tagen bei den deutschen Zeitfahr-Titelkämpfen in Luckau in Brandenburg war der WM-Fünfte Lang auf Rang vier ebenfalls unter seinen Möglichkeiten geblieben. Auch in Cholet war er in 37:13 mit seiner Vorstellung nicht recht zufrieden und von seinem Tour- Topergebnis von 2006 weit entfernt. Vor zwei Jahren fuhr Lang beim ersten Zeitfahren auf den dritten Platz und wurde nur von Sergej Gontschar und Floyd Landis bezwungen, die später wegen auffälliger Blutwerte bzw. Dopings aus ihren Teams flogen.

          Seinen Team-Kollegen Fothen, 2003 U23-Weltmeister im Zeitfahren, erwischte es am schlimmsten. Er büßte bereits am vierten Tourtag seine Chancen im Gesamtklassement ein. Ein Reifendefekt nach zehn Kilometern brachte ihn aus dem Rhythmus und war am Ende mitverantwortlich für die schlechte Zeit von 38:50 Minuten. Bereits an den beiden Vortagen hatte er durch einen Defekt und beim stürmischen Wind auf dem Weg nach Nantes wertvolle Zeit verloren. „Nach dem Defekt ging bei mir nichts mehr“, stöhnte Fothen.

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