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Tour de France : Schleck verliert Gelb nach Defekt

  • -Aktualisiert am

Alberto Contador schaut sich nach Andy Schleck um, um seinen Vorsprung einschätzen zu können. Bild: AP

Alberto Contador hat das Gelbe Trikot nicht gerade auf die feine Art übernommen. Der Spanier nutzte einen Defekt seines Widersachers Andy Schleck zur entscheidenden Attacke und nahm dem Luxemburger fast eine halbe Minute ab.

          2 Min.

          Andy Schleck hat das Gelbe Trikot bei der Tour de France an Alberto Contador verloren - aber nicht, weil er eine körperliche Schwäche gezeigt hätte. Der Luxemburger musste sich am Montag, am zweiten Tag in den Pyrenäen, als großer Unglücksrabe vorgekommen sein: Er war zusammen mit seinem Konkurrenten Contador den 1755 Meter hohen Port de Bales hinaufgefahren, hatte wenige Kilometer vor dem Gipfel attackiert, weil „ich mich gut gefühlt habe“. Der Angriff zeigte sogar Wirkung, Contador kam jedenfalls nicht mehr mit, aber dann trat Schleck plötzlich ins Leere - seine Kette war heruntergesprungen. Der Spitzenreiter, überrascht von dem Malheur, musste anhalten und reparierte mit zittrigen Fingern den Schaden selbst. „Das hat 50 Sekunden gekostet. Das ist sehr bitter. Shit happens“, kommentierte Schleck seine Panne später. Zumal der Zug vorne abgefahren war. Er konnte Contador bei der Abfahrt nach Bagneres-de-Luchon jedenfalls nicht mehr einholen.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Der Spanier hatte die Gunst des Augenblicks auf der 15. Etappe entschlossen genutzt, er attackierte, ohne Rücksicht auf das Pech seines großen Rivalen zu nehmen. Contador war damit am Montag exakt 39 Sekunden schneller als Schleck gewesen, in der Gesamtwertung hat der Spanier jetzt einen Vorsprung von acht Sekunden vor dem Luxemburger. Etappensieger in Bagneres-de-Luchon wurde der Franzose Thomas Voeckler. Contador war als Siebter ins Ziel gekommen, er hatte einen Rückstand von 2:50 Minuten auf den französischen Straßen-Meister Voeckler. Schleck wurde Zwölfter.

          „Für mich war es wichtig, Zeit auf meine Gegner herauszuholen“

          Der Luxemburger bemühte sich, nach seinem Missgeschick Fassung zu zeigen. Er machte Contador zwar keine heftigen Vorwürfe, doch drückte er deutlich aus, dass er sich nicht so verhalten hätte wie der Spanier, dass er das Gelbe Trikot nicht auf diese Art hätte erobern wollen. Das sei eine andere Kultur, sagte Schleck zu dem Unterschied zwischen ihm und dem spanischen Rennfahrer, der die Tour der France bereits zweimal gewonnen hat. „Er bekommt dafür sicher keinen Fairplay-Preis“ sagte der Kapitän des dänischen Teams Saxo-Bank und fügte an: „Mein Bauch ist voller Ärger.“ Schleck erinnerte am Montag allerdings auch daran, dass sein Widersacher in den Ardennen gewartet hatte, als er gestürzt war - damals hatte der Schweizer Fabian Cancellara den Solidarakt im Peloton organisiert.

          Letzter Tag in Gelb: Andy Schleck
          Letzter Tag in Gelb: Andy Schleck : Bild: AP

          Contador war sich in Bagneres-de-Luchon keiner Schuld bewusst. Er behauptete, zunächst gar nichts bemerkt zu haben von einem Defekt bei Schleck. Erst später will er davon erfahren haben. „Ich kann verstehen, dass er enttäuscht ist, aber die Tour wird nicht durch diese 30 Sekunden entschieden. Für mich war es wichtig, Zeit auf meine Gegner herauszuholen“, sagte Contador. Der siebenmalige Tour-Sieger Lance Armstrong, der die Attacke nicht gesehen hatte, enthielt sich einer moralischen Wertung, bemerkte aber: „Auf diese Weise das Trikot zu verlieren, ist eine Schande.“ Hilfe erhielt Contador selbstredend von seinem Teamkollegen Alexander Winokurow. Der Kasache rechtfertigte den Angriff von Contador damit, dass ja auch andere Rennfahrer sofort nach Schlecks unfreiwilligem Stopp reagiert hätten, etwa Denis Mentschow. Der Russe wurde am Montag Neunter, er ist Vierter im Gesamtklassement.

          „Schade“, sagte Schlecks dänischer Teamchef Bjarne Riis eher lapidar zu dem ungewöhnlichen Zwischenfall. An der Diskussion darüber, ob Contador gegen den Fair-play-Gedanken verstoßen habe, mochte Riis sich nicht beteiligen. „Das ist schwierig zu sagen“, sagte er, so sei eben das Rennen. Aber Schleck, fügte Riis hinzu, werde schon eine passende Antwort geben. Der Luxemburger gab sich schon wieder sehr kämpferisch. „Die Tour ist noch nicht vorbei.“ Schleck betonte, dass er auf Revanche sinne. Vielleicht schon an diesem Dienstag, wenn die Tour de France in den Pyrenäen erst den Tourmalet und dann den Aubisque passiert. Allerdings muss dann Schlecks Rad halten.

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