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Tour de France : Kein Phonak-Trauma: Rihs dreht weiter am Rad

  • -Aktualisiert am

Kann nicht vom Radsport lassen: Der Schweizer Andy Rihs Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Die Rückkehr von Andy Rihs in den Radsport ist eine erstaunliche Geschichte. Bei der Tour schickt er sein BMC-Racing-Team an den Start. Der Schweizer denkt ganz unternehmerisch - ihn fechten auch Dopingvorwürfe nicht an.

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          Andy Rihs liebt die große Geste, er inszeniert sich gerne, und sei es bei der Enthüllung eines neuen Rennrades. Das schwarze Tuch fällt, die Musik vom Band klingt theatralisch, und Rihs schwingt die Arme wie ein Dirigent. Er ist sehr stolz auf die neuen Fabrikate von BMC, er hatte ja die Vision, das „perfekte Rennrad“ zu bauen.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Natürlich findet der Schweizer, dass ihm das auch gelungen sei. Es sei, sagt er pathetisch, „das erste wirklich makellose Bike der Welt“. Damit fahren die Profis von BMC Racing nun durch Frankreich, aber natürlich kann auch ein Mann wie Rihs nicht alles beeinflussen. Seine sportliche Galionsfigur, der Australier Cadel Evans, quält sich derzeit bei der Tour de France. Mit einem gebrochenen Ellenbogen lässt sich nicht mehr viel bewerkstelligen.

          Das hatte sich Rihs anders vorgestellt, seinen Tatendrang dürfte das Malheur des Weltmeisters jedoch kaum bremsen. Er will weiter wachsen, mit seiner Fabrik, mit seinem Rennstall. Dass er - mit dem Team Phonak - schon mal gehörig unter die Räder gekommen war, ficht ihn keineswegs an. Doping ist zwar auch in seiner neuen Umgebung wieder ein Thema, für Rihs jedoch ist der Radsport „überhaupt nicht geschäftsschädigend“. Das Business floriert, davon ist er fest überzeugt, er denkt da ganz unternehmerisch.

          Angeblich kennt sich Rihs mit Doping gar nicht aus

          Die Rückkehr von Rihs in den Profiradsport ist eine erstaunliche Geschichte. BMC Racing, vorläufig noch eine Mannschaft der zweiten Kategorie, darf per Wild Card bei der Tour starten - aber die Equipe ist wegen ihrer prominenten Besetzung gerne in das Peloton aufgenommen worden. Rihs, der BMC Racing zu den drei finanzstärksten Teams im Profiradsport zählt, hatte ja nicht nur Evans verpflichtet.

          Er holte auch den Amerikaner George Hincapie, der einst einer der engsten Verbündeten von Lance Armstrong war, den Italiener Alessandro Ballan oder den Deutschen Marcus Burghardt. Prompt steht Rihs aber wieder im Zentrum von Dopingdebatten. Vor kurzem erst war der Schweizer Thomas Frei, der bei BMC Racing unter Vertrag stand, des Epo-Dopings überführt worden.

          Frei soll sich kleiner Epo-Einheiten bedient haben, was Rihs „für den größten Blödsinn“ hält, „die nützen nichts“. Das will er von einem Wissenschaftler erfahren haben, weil er selbst mit der Materie angeblich gar nicht vertraut ist. „Ich weiß heute noch nicht“, sagt der Mann mit der kräftigen Statur und dem weißen Haarkranz, „wie diejenigen, die Doping betreiben, an das Material kommen.“ Nur so viel: Es müsse sich, glaubt Rihs, um mafiöse Zirkel handeln.

          „In den nächsten fünf Jahren gewinnt ein Deutscher die Tour“

          Vor wenigen Wochen hatte sein Team den Italiener Ballan vorübergehend aus dem Rennbetrieb zurückgezogen, weil die italienischen Behörden im Zuge der Dopingermittlungen gegen das Team Lampre auch Ballan anhörten. „Es hat sich herausgestellt, dass da gar nichts ist“, sagt Rihs - und Ballan tritt nun wieder munter in die Pedale. Selbst die Dopingvorwürfe von Floyd Landis, die nicht nur auf Armstrong oder Hincapie gemünzt sind, sondern auch auf Rihs, bringen den Schweizer vermeintlich nicht aus der Ruhe. „Es ist eine Verleumdung, okay“, sagt Rihs. Aber Landis sei doch ein armer Hund, er will ihn deshalb nicht belangen - womöglich jedoch kommt auf Rihs aus den Vereinigten Staaten noch etwas zu.

          Ach, der Radsport: Rihs behauptet, dass er ihm sehr dankbar sei. Er setzt sein Engagement deswegen fort, „aber ich mache es nicht einfach aus Liebe zum Radsport“. Die Investitionen müssen sich rentieren, er sei da „total berechnend“. Für ihn jedenfalls geht die Kalkulation auf - und Rihs kann gar nicht verstehen, dass sich die Deutschen beispielsweise so schwer tun mit dem Radsport. Deutschland und sein Ullrich-Trauma, sagt er - „irgendwann wird das verdaut sein bei euch“. Zumal ihm schwant, dass „in den nächsten fünf Jahren ein deutscher Rennfahrer die Tour gewinnen wird“. Es ist wirklich eine eigenartige Sache mit Rihs und dem Radsport.

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