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Tour de France : Kasachische Kapriolen im Team Astana

  • -Aktualisiert am

Starker Antritt: Contador fuhr auf der siebten Etappe einen Vorsprung auf Armstrong heraus Bild: REUTERS

Neue Wendung in der Diskussion um den wahren Kapitän bei Astana: Alberto Contador hat zurück geschlagen und Lance Armstrong beim Aufstieg nach Andorra abgehängt. Teamchef Johan Bruyneel geht durch unruhige Zeiten.

          3 Min.

          Es gibt in diesen Tagen zumindest eine unangenehme Angelegenheit für Astana-Teamchef Johan Bruyneel, sie hat mit einem Kasachen zu tun. Vor wenigen Tagen nämlich hatte sich Alexander Winokurow über sein Comeback geäußert, er möchte natürlich in den Profiradsport zurückkehren, sobald seine Dopingsperre abgelaufen ist. Er wird nach dem 24. Juli wieder dem Peloton angehören können, beim Team Astana wird man ihn mit offenen Armen empfangen. Schließlich war der Rennstall eigens für den Kasachen gegründet worden. Selbstredend meldete Alexander Winokurow auch gleich einen Führungsanspruch an. Und wenn Bruyneel ihn nicht haben wolle, sagte Winokurow, dann müsse der Belgier eben gehen. Bruyneel empfindet solche Aussagen als unangebracht, er hat deswegen ein geplantes Treffen mit Winokurow während der Tour de France kurzerhand abgesagt.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Führungsfiguren haben sie zur Genüge beim Team Astana. Auf der siebten Etappe von Barcelona nach Andorra zeigte gerade mal wieder Alberto Contador auf. Der Tour-Sieger von 2007 trat beim Schlussanstieg kräftig in die Pedale und machte deutlich, dass er nicht gewillt ist, seinen Anspruch kampflos an den Amerikaner Lance Armstrong abzugeben, der ihn einige Tage zuvor düpiert hatte. 21 Sekunden fuhr Contador auf seinen Rivalen heraus, und es hätte zum Gelben Trikot gereicht, wäre nicht Rinaldo Nocentini als Tagesvierter mit rund drei Minuten Vorsprung zu den Favoriten ins Ziel gekommen (siehe: Tour de France: Ergebnisse). So liegt nun der Italiener an der Spitze des Klassements - mit sechs Sekunden Abstand vor Contador und zwei weiteren vor Armstrong (siehe: Tour de France: Gesamtwertung). Die Etappe gewann der Franzose Brice Feillu (Team Agritubel) nach 224 Kilometern vor seinem Landmann Christophe Kern (Cofidis) und Milram-Fahrer Johannes Fröhlinger aus Freiburg.

          Graben innerhalb der Gemeinschaft

          Nun bleibt abzuwarten, wer von den beiden Teamkameraden sich im weiteren Verlauf der Tour als Anführer der Astana-Truppe herauskristallisiert. Gerade erst hatte Bruyneel, langjähriger Begleiter von Armstrong, auch über seinen Status beim Team Astana gesprochen - er sei der Chef, sagte Bruyneel kategorisch, er entscheide über die Strategie, niemand sonst. Diese Bemerkung zielte auch auf die Diskussionen in den vergangenen Tagen über das Verhältnis zwischen Armstrong und Contador, über die vermeintliche Fehde zwischen dem Amerikaner und dem Spanier, dem Sieger der Tour von 2007.

          Der Tagessieger: Brice Feillu aus Frankreich
          Der Tagessieger: Brice Feillu aus Frankreich : Bild: REUTERS

          Das Team war zwar unlängst beim Mannschaftszeitfahren sehr geschlossen aufgetreten, trotzdem wird nun darüber debattiert, ob es nicht doch einen Graben innerhalb dieser Gemeinschaft gebe. So glauben manche Beobachter, dass Contador sich der Unterstützung seines Landsmannes Haimar Zubeldia sicher sein könne, auch der Portugiese Sergio Paulinho könnte auf seiner Seite stehen. Bruyneel selbst hat den Deutschen Andreas Klöden als einen der wichtigsten Helfer von Contador bezeichnet.

          Zahlungsschwierigkeiten der Sponsoren

          Dass Armstrong sich auf alle Fälle auf Levi Leipheimer verlassen kann, scheint unzweifelhaft zu sein. Auch zu Jaroslaw Popowitsch wird ihm eine Nähe nachgesagt, der Ukrainer war dem Mann aus Austin in Texas ja früher schon zu Diensten gewesen. Auf angebliche Dissonanzen in der Equipe hatte vor kurzem auch ein Radprofi des Teams Astana hingewiesen, der bei der Tour fehlt - der Spanier Benjamin Noval. Er findet, dass Bruyneel eine Gruppenbildung zugelassen habe. Noval monierte auch, dass er weder für den Giro d'Italia noch für die Tour de France nominiert worden sei, und dahinter stecke nur Armstrong.

          Weiterhin unruhige Zeiten also beim Team Astana, das vor der Tour de France schon wegen der vermeintlichen Zahlungsschwierigkeiten seiner Sponsoren in die Schlagzeilen geraten war. Die Radprofis warteten auf ihre Gehälter, der Internationale Radsportverband (UCI) intervenierte, kurz vor der Tour war die Sache allerdings bereinigt worden - aus Kasachstan floss wieder Geld. Der Etat des Teams Astana soll mehr als zehn Millionen Euro betragen, Unternehmen wie Air Astana oder Kasachstan Railways alimentieren den Rennstall, dessen finanzielle Ausstattung eigentlich gehobenes Niveau im Profiradsport hat.

          Armstrong als Besitzer, Sportdirektor und Radrennfahrer

          Allerdings hieß es auch, dass die Kasachen bewusst für Unruhe gesorgt hätten, um den Boden für den Wiedereinstieg Alexander Winokurows zu bereiten. Die Hoffnung auf eine Teilnahme des Kasachen an der Tour 2009 platzte jedoch, da die UCI nicht bereit war, die Zwangspause für ihn zu verkürzen. Winokurow muss sich somit noch ein wenig gedulden, ehe er wieder in den Sattel steigen kann.

          Ihm kommt zugute, dass die Kasachen die Lizenz der UCI halten, während Bruyneels Gesellschaft mit Sitz in Luxemburg „nur“ die Verträge mit den Profis abgeschlossen hat. So ist zu vermuten, dass Bruyneel und auch Armstrong das Team Astana doch bald verlassen werden. Seit längerem wird auch schon über einen eigenen Rennstall von Armstrong spekuliert, der Texaner hatte während des Giro über solche Pläne gesprochen. Er würde, sagte er, dann gerne die ganze Macht übernehmen - als Besitzer, Sportdirektor und Radrennfahrer.

          Zwei-Sterne-Hotels ohne Klimaanlage statt Hollywood

          Vorerst aber verfolgen Armstrong und sein belgischer Mentor noch eine gemeinsame Mission in den Farben von Astana. Und da mag Bruyneel nichts auf seinen amerikanischen Kompagnon kommen lassen, dessen Sportsgeist er vor kurzem wieder in den höchsten Tönen gelobt hat. Armstrong, so Bruyneel, hätte sich ja auch in Hollywood vergnügen können statt noch einmal bei der Tour de France zu starten und in Zwei-Sterne-Hotels ohne Klimaanlage zu schlafen.

          Und er selbst schreibt sich beträchtliche Verdienste um das Team Astana zu, das ganz unten gewesen sei nach den zahlreichen Dopingskandalen - und mit ihm sei es wieder aufwärts gegangen. Bruyneel nimmt das auf alle Fälle für sich in Anspruch, und er will sich deswegen keineswegs unter Druck setzen lassen. Schon gar nicht von einem Mann wie Winokurow.

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