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Tour de France : Im Zweifel gewinnt immer Contador

  • -Aktualisiert am

Einsam an der Spitze: Alberto Contador distanziert die Konkurrenz bei der Tour de France Bild: AFP

Der spanische Radprofi Alberto Contador geht als Führender auf die Schlussetappe der Tour de France. Seine Landsleute haben ihren Teil dazu beigetragen, dass er vor dem zweiten Sieg steht: Sie haben die Doping-Liste überarbeitet.

          A.C. hat die Frankreich-Rundfahrt gewonnen. Er hat auch auf der extrem schweren vorletzten Etappe, die vor 500000 Zuschauern auf den Mont Ventoux führte, keine Schwäche offenbart. Mit Leichtigkeit konterte er die Attacken des Luxemburgers Andy Schleck, der alles probierte, aber letztlich einsehen musste, dass mehr als der zweite Platz in der Gesamtwertung nicht möglich war, nicht gegen diesen übermächtigen Gegner. An diesem Sonntag werden A.C. und Kollegen nach einer gemütlichen Etappe in Paris einrollen, dort geht es noch um den prestigeträchtigen Etappensieg auf den Champs-Elysées, das Klassement aber wurde am Mont Ventoux gemacht: A.C. gewinnt diese Tour, Andy Schleck wird Zweiter, Lance Armstrong Dritter, Bradley Wiggins Vierter, Fränk Schleck Fünfter und Andreas Klöden Sechster.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Herzlichen Glückwunsch, A.C.! Oder vielleicht besser: Herzliches Beileid, Tour de France! A.C. – unter diesem Kürzel firmierte Alberto Contador bei Eufemiano Fuentes, er war die Nummer 31 in der Kartei des spanischen Doping-Arztes und Blutpanschers. Man könnte sich fragen, warum dieser dürre Mann aus Madrid, der so leicht über die Berge fliegt und plötzlich auch das Zeitfahren beherrscht, in den vorigen Wochen durch Frankreich radelte und nicht eine Doping-Sperre absaß.

          Die Antwort: Er ist Spanier. Und in Spanien sieht man die Sache mit Doping nicht so eng. Ja, sagt Contador, sein Name sei in einer ersten Liste der Guardia Civil aufgetaucht, aber in einer zweiten nicht mehr. Man hat die Listen ein wenig überarbeitet. Während beispielsweise in der Radsportnation Frankreich der Anti-Doping-Kampf mit politischer Rückendeckung so schlagkräftig ist, dass ein französischer Tour-Sieger seit zehn Jahren so wahrscheinlich ist wie ein Fußball-Weltmeister aus Kasachstan, haben die spanische Justiz, die spanische Politik und der spanische Verband eine wunderbare Ähnlichkeit mit jenen drei Affen, die nichts hören, nichts sehen und nichts sagen.

          Die anderen Fahrer kontrollierte der Spanier nach Belieben

          Vollkommene Überlegenheit von Contador bei der Tour

          Es ist nicht so, dass Contador der einzige unter den Weltklassefahrern wäre, der in Zusammenhang mit Doping gebracht wird, ganz und gar nicht. Armstrong, Klöden, Fränk Schleck, Sastre – keinem ist wirklich zu trauen. Doch keiner ist wie Contador, keiner radelt wie er, wie ein Roboter, besser noch als Armstrong in seinen besten Zeiten: Seit der Bergankunft in Verbier, die er locker gewann, hält A.C. einen zweifelhaften Weltrekord: Er hat dort 1864 Höhenmeter in einer Stunde überwunden, mehr als je zuvor ein Mensch auf einem Rennrad schaffte, mehr als Indurain, mehr als Pantani, mehr als Armstrong. Und das mit 26 Jahren, einem Alter, in dem Rennfahrer gewöhnlich längst nicht am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen sind.

          Wenn Contador so weiterfährt, kann er die Tour – wie seinerzeit Armstrong – auf Jahre hinaus dominieren, selbst die Rekordmarke des Texaners von sieben Siegen ist nicht mehr sicher. Contador, der 2008 den Giro d’Italia und die Spanien-Rundfahrt gewann, war 2007 schon einmal Tour-Sieger, damals profitierte er von der Disqualifikation des Dänen Michael Rasmussen. Auch vergangenes Jahr hätte er die Frankreich-Rundfahrt gewonnen, wenn die Tour-Leitung seinem Astana-Team nicht aus gutem Grund den Start verweigert hätte. In diesem Jahr nun fährt die Tour wieder einen Schmusekurs gegen hochverdächtige Doper, auch für Contador hat sie das Rennen freigegeben – dass sie sich damit einen Gefallen tut, darf man bezweifeln.

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