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Tour de France : Ein Sieg der alten Garde

  • -Aktualisiert am

Die 11 wird zur 1: Carlos Sastre Bild: AFP

Der Spanier Carlos Sastre steht vor seinem ersten Sieg bei der Tour de France. Ein gutes Zeichen für den Neuanfang ist das nicht. Im Schatten des Duells zwischen Sastre und Cadel Evans gewann Stefan Schumacher das Zeitfahren.

          Am Samstag schien jede Sekunde wichtig zu sein, der vorletzte Tag der Tour de France besaß darin seinen speziellen Reiz. Und er barg eine Überraschung: Nach Alberto Contador wird sehr wahrscheinlich der nächste Spanier die Tour de France gewinnen - Carlos Sastre verteidigte am Samstag im 53 Kilometer langen Zeitfahren zwischen Cerilly und Saint-Amand-Montrond sein Gelbes Trikot. Und er wird es wohl auch an diesem Sonntag, bei der Fahrt nach Paris, behalten. Der Australier Cadel Evans hatte seinen Rückstand von 1:34 Minuten auf Sastre nicht wettmachen können. Nach dem Zeitfahren liegt er als Zweiter 1:05 Minuten hinter Sastre. Der Österreicher Bernhard Kohl vom Team Gerolsteiner ist Dritter, Sastre hat gegenüber ihm einen Vorsprung von 1:20 Minuten.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Der Samstag war aber auch noch einmal ein „deutscher Tag“ bei der Tour. Im Schatten des Duells zwischen Sastre und Evans bewies der Nürtinger Stefan Schumacher ein weiteres Mal seine Fähigkeiten im Zeitfahren - er war am Samstag wie auf der vierten Etappe in Cholet, als eine Distanz von 29 Kilometern zurückzulegen war, der Schnellste. Der Profi vom Team Gerolsteiner übertrumpfte den Schweizer Zeitfahrspezialisten Fabian Cancellara, der Zweiter wurde, um 21 Sekunden.

          Sastre war bisher eher Adjutant als Kapitän

          Carlos Sastre hatte das Gelbe Trikot in L'Alpe d'Huez übernommen, nicht zuletzt durch die Hilfe der Luxemburger Brüder Frank und Andy Schleck. Der Tour-Vierte von 2007 hatte bisher eher als Adjutant denn als Kapitän eines Teams auf sich aufmerksam gemacht. Er hatte sich in die Dienste von Profis wie Abraham Olano, Laurent Jalabert, Alex Zülle, Joseba Beloki gestellt - und er unterstützte einst auch Ivan Basso, von dem sich CSC getrennt hatte. Der Italiener soll Kunde des spanischen Doping-Rings gewesen sein.

          Unerwarteter Sieger: Carlos Sastre verteidigte sein Gelbes Trikot

          Der 33 Jahre alte Spanier Sastre zählt - wie sein geschlagener Rivale Evans - zur alten Garde des Radsports. Und er bescherte nun auch seinem Teamchef Bjarne Riis einen besonderen Genuss. Der Däne war im vergangenen Jahr bei der Tour de France zur unerwünschten Person erklärt worden, nachdem er wenige Monate zuvor ein Doping-Geständnis abgelegt hatte. Noch immer stehen die Franzosen Riis, der die Tour 1996 für sich entschieden hatte, sehr reserviert gegenüber - der Coup von Sastre dürfte ihn deshalb mit besonderer Genugtuung erfüllen. Gerne hatte Riis zuletzt die Darbietungen von CSC mit dem ausgeprägten Teamgeist begründet, und seine Ambitionen bei der Tour beschrieb er so: „Ich bin hier, weil ich einen Unterschied machen will.“ Das ist ihm und seinen Profis tatsächlich gelungen. (Siehe: Tour de France: Bjarne Riis hat den Schlüssel für den Erfolg).

          Der ehemalige Mountainbiker Evans blieb hintendran

          Die Fahrer der dänischen Equipe hatten dem Australier Evans auch immer wieder hart zugesetzt. Der ehemalige Mountainbiker, einst als Bruchpilot verschrieen, musste große Anstrengungen unternehmen, um überhaupt seine Chancen bis zum Samstag wahren zu können.

          So gehörte die Stärke von CSC zu den erstaunlichsten Erscheinungen dieser Tour, bis zuletzt, bis zu Sastres Vorstellung am Samstag. Auch Frank und Andy Schleck hatten verblüffende Qualitäten offenbart. Die Brüder aus Luxemburg zeigten bei den Klettertouren in den Pyrenäen und in den Alpen eine auffällige Konstanz, was offensichtlich auch bei den Doping-Fahndern nicht unbemerkt blieb. Frank und Andy Schleck wurden jedenfalls häufig kontrolliert, der französische Zoll sah sogar einen Anlass, den Wagen ihres Vaters während der Tour zu stoppen und zu durchsuchen - ohne jedoch Substanzen zu finden, die für Leistungsmanipulationen geeignet gewesen wären. (Siehe: Tour de France: Schreck für Schleck).

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