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Tour de France : Doppelsieg der Schleck-Brüder am Galibier

  • -Aktualisiert am

Jubel über den Sieg auf dem Galibier: Andy Schleck Bild: dapd

Die Tour de France erreicht ihren höchsten Punkt: Am legendären Col du Galibier gewinnt der Luxemburger Andy Schleck vor seinem Bruder Fränk. Der Franzose Thomas Voeckler rettet das Gelbe Trikot mit nun nur noch 15 Sekunden Vorsprung auf den Gipfel.

          3 Min.

          Kälte umwehte am Donnerstag die Tour de France, zumindest am Ende des Tages, auf dem 2645 Meter hohen Galibier. Es waren unwirtliche Stunden bei der Tour. Sie setzten den Radprofis mächtig zu, die ohnehin stark strapaziert wurden auf der 18. Etappe - und auch Thomas Voeckler musste leiden. Dennoch behielt der Franzose auch am Donnerstag, am großen Tag des Luxemburgers Andy Schleck, überraschend das Gelbe Trikot - er liegt jetzt aber nur noch 15 Sekunden vor Andy Schleck, der auf dem Galibier in einem Solo vor seinem Bruder Fränk Schleck und dem Australier Cadel Evans siegte. Voeckler kam als Fünfter an (siehe: Tour de France: Gesamtwertung). Zu den Geschlagenen zählte der Spanier Alberto Contador, er offenbarte eine beträchtliche Schwäche.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Immer noch wird der Galibier mythisch verklärt, er gilt als ein besonderes Monument der Tour. Und er lässt jene, die sich auf dem Rad mit ihm auseinanderzusetzen haben, schaudern. „Ich werde leiden. Ich werde Schmerzen haben. Es ist nichts, worauf man sich freut“, hatte nun selbst einer der erfahrensten Profis im Peloton gesagt, der Luxemburger Fränk Schleck. Vor 100 Jahren war das nichts anders, zum Beispiel bei dem Franzosen Gustave Garrigou. Weil er am Ende seiner Kräfte war, vollkommen ausgelaugt, musste er vom Rad aufsteigen, und er schob seine Rennmaschine über eine aufgeweichte Schotterpiste hinauf zum Col du Galibier.

          Neben ihm türmte sich der Schnee meterhoch. Garrigou, der die Tour später gewann, fluchte und schrie: „Banditen“. Seine Wut richtete sich gegen die Organisatoren der Tour, gegen Henri Desgrange, der die Vorwürfe jedoch kalt lächelnd zurückwies. Er gab dem Geschehen lieber eine historische Dimension. „Sie haben solche Höhen erklommen, dass es schien, als würden sie die Welt beherrschen.“ Desgrange ist immer noch eng verbunden mit der Geschichte des Galibier; ein Denkmal erinnert dort an den einstigen Herrscher der Tour de France.

          Erster auf dem legendären Galibier: Der Luxemburger Andy Schleck verpasst aber das Gelbe Trikot
          Erster auf dem legendären Galibier: Der Luxemburger Andy Schleck verpasst aber das Gelbe Trikot : Bild: dapd

          Die Faszination solcher Anstiege ist ungebrochen, jedenfalls in Frankreich, wo man weiterhin uneingeschränkt all jenen huldigt, die sich über die steilen Rampen der Tour quälen, mit allerhöchstem Einsatz. Obwohl gerade diese Anstiege doch manchen verleiten dürften, über das Limit zu gehen, in vielerlei Hinsicht. Aber im Kampf gegen Doping soll es ja - grundsätzlich - ermutigende Zeichen geben, zumindest ist das die Auffassung des Internationalen Radsportverbandes (UCI). Sein irischer Präsident Pat McQuaid glaubt das an den Leistungen Voecklers festmachen zu können, an der tagelangen Präsenz des Franzosen an der Spitze des Feldes. Hätte er das schaffen können, wenn es weiterhin gravierende Manipulationen auf breiter Basis gegeben hätte? Diese Frage ergibt sich aus McQuaids Einschätzung, der Voeckler offensichtlich unvoreingenommen gegenübersteht. Dabei war doch sein Aufschwung selbst bei dieser Tour sehr erstaunlich.

          Am Mittwoch, beim Abstecher der Tour nach Italien, hatte Voeckler sich schon in Schwierigkeiten befunden; er war bei der tückischen Schussfahrt Richtung Pinerolo vom rechten Weg abgekommen und in einer Hauseinfahrt gelandet. Das Missgeschick kostete ihn einige Zeit. Am Donnerstag, auf der vermeintlichen „Königsetappe“ der Tour mit drei Erhebungen der höchsten Kategorie, zeigte der Mann, der in Frankreich als „heiliger Thomas“ gefeiert worden war, aber wieder enormen Behauptungswillen - und rettete sich total erschöpft ins Ziel. Zwar hatte zunächst noch Ruhe geherrscht, den Col Agnel bewältigte Voeckler an der Seite aller Protagonisten.

          Uneinigkeit zwischen Evans und Co.

          Auf dem Weg zum Izoard aber, dem zweiten Gipfel, kam mit einem Schlag Bewegung in die Gruppe um den Elsässer: Andy Schleck stürmte auf und davon. Ein Luxemburger „Überfall“ also, von dem sich Evans, Contador und auch Voeckler zunächst jedoch nicht aus der Reserve locken ließen. Schleck fand noch einen Partner vom Team Leopard-Trek, den Belgier Maxime Monfort, der sich vor ihm aufgehalten hatte. Monfort betätigte sich eine Weile als Zugmaschine für seinen Kapitän, bis er sich ausgepumpt zurückfallen lassen musste. Aber das Tempo der luxemburgisch-belgischen Gemeinschaft war bis dahin so hoch gewesen, dass der Abstand zu Voeckler und dessen prominenten Gefährten ständig wuchs, Schleck lag zwischenzeitlich sogar mehr als vier Minuten vor ihnen.

          Das hatte auch mit der Uneinigkeit von Evans und Co. zu tun, sie waren sich lange nicht schlüssig, wie die Verfolgung von Andy Schleck gestaltet werden sollte. Schließlich erwachte in Evans der Kampfgeist, er setzte Schleck mit großem Engagement nach, Voeckler war stets dicht hinter ihm, während Contador letztlich nicht mehr mithalten konnte. Und so ging auch am Galibier, einem französischen Radsport-Heiligtum, die Traumreise Voecklers weiter.

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