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Tour de France : Contadors Versteckspiel geht weiter

Schatten-Mann: Alberto Contador Bild: dapd

Der dreimalige Toursieger kennt nur einen Konkurrenten, den Luxemburger Andy Schleck. Aber den Spanier verfolgt auch der Doping-Verdacht. „Das habe ich nicht verdient“, sagt er zum Unmut der Franzosen.

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          Plötzlich fällt der Name Gesink. Ob Alberto Contador überrascht ist, lässt sich nicht erkennen. Seine Miene verändert sich jedenfalls nicht. Er scheint ohnehin ein Meister darin zu sein, Gefühle zu verbergen, er ist sehr geübt im Versteckspiel. Contador antwortet geduldig auf die Frage nach Robert Gesink, dem niederländischen Radprofi. Sie ist ja offenbar auch unverfänglich, ohne Fallstricke, ohne die Gefahr, sich zu verheddern oder sich eine Blöße zu geben. Contador kommt das gelegen, er muss sich nicht verteidigen, er kann einfach nur über Radsport sprechen, es ist wirklich ein angenehmer Moment für ihn. Gesink also: ein Mann, auf den zu achten ist bei der Tour de France, zumindest glauben das die Niederländer.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Contador äußert sich anerkennend über den Berufskollegen, aber er erweckt nicht den Eindruck, dass er ihn sonderlich fürchten würde in den kommenden Wochen, wenn wieder der Kampf um das begehrteste Trikot des Radsports geführt wird, der Kampf um das Gelbe Trikot. Der Spanier, der die Tour schon dreimal gewonnen hat, kennt im Grunde nur einen gefährlichen Konkurrenten, den Luxemburger Andy Schleck, den er im Vorjahr um 39 Sekunden geschlagen hatte. Und es gehört zu den bizarren Erscheinungen der Tour de France, dass sie nun wieder dieser Auseinandersetzung entgegen fiebert, die eigentlich ein Duell unter Vorbehalt ist.

          Weil der Spanier Contador unter Doping-Verdacht steht und einem Verfahren vor dem Internationalen Sportgerichtshof (Cas) entgegenblickt. Weil er mit einer Sperre rechnen muss und ihm der mögliche vierte Erfolg bei der Frankreich-Rundfahrt wieder genommen werden könnte. Das Rennen wird noch nicht zu Ende sein, wenn Contador am 24. Juli in Paris eintrifft – es wird danach eine Fortsetzung beim Cas in Lausanne finden. Nach Pyrenäen und Alpen, nach fast 3500 Kilometern durch Frankreich und Italien. Nach einem Spektakel, für das als Hauptdarsteller auch die große Reizfigur aus Pinto bei Madrid vorgesehen ist. Contador ist zwar ungeliebt, aber für spannungsgeladene Tage bei der Tour ist er offenbar unverzichtbar. Weil auch ein Mann wie Gesink, Hollands Stolz, kein ernsthafter Rivale für Schleck wäre.

          Einsam: Contador beim Training am Galibier
          Einsam: Contador beim Training am Galibier : Bild: AFP

          Mittags in Les Herbiers, dem vorläufigen Zentrum der Tour de France: Präsentation des Teams Saxobank-Sungard, dessen Kapitän Contador ist. Der Spanier erscheint mit seinen acht Mitstreitern und Rennstallchef Bjarne Riis. Es entwickelt sich ein eigenartiges Szenario. Acht Männer bleiben stumm, sie bilden die Staffage für Contador und Riis, die den Auftritt der Equipe alleine bestreiten. Der spanische Radrennfahrer spricht sogar von Zweifeln, aber er misst diesem Wort eine andere Bedeutung zu als seine Gegner. Contador münzt es auf seine körperliche Verfassung, ihn scheint eine gewisse Unsicherheit befallen zu haben, da er in diesem Jahr vor der Tour erstmals auch am Giro d’Italia teilgenommen hat.

          Contador siegte dort unangefochten, aber wie er die ungewohnten Belastungen wegstecken werde, wisse er nicht, sagt er in Les Herbiers. Zudem tritt er energisch der Auffassung mancher Tour-Beobachter entgegen, der Kurs in Frankreich und Italien sei wie geschaffen für ihn. Das sei keineswegs so, entgegnet Contador. Er hätte gerne mehr Zeitfahren im Programm gehabt. Er verfügt schließlich in dieser Disziplin über beachtliche Stärken.

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