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Tour de France : Nibali trägt gelb - Cavendish verletzt

  • Aktualisiert am

Der zweite Tagessieger und ab Montag im gelben Trikot: Vincenzo Nibali Bild: dpa

Die erste Etappe gewinnt Marcel Kittel, nach dem zweiten Tag trägt allerdings Vincenzo Nibali das gelbe Trikot der 101. Tour de France. Topfavorit Mark Cavendish muss nach einem Sturz aufgeben.

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          Marcel Kittel ist der erste strahlende Sieger, Vincenzo Nibali der neue Mann in Gelb und Mark Cavendish die tragische Figur: Beim spektakulären Auswärtsspiel der 101. Tour de France in England vor einem Millionenpublikum unterstrich Kittel mit dem Auftaktsieg in Harrogate am Samstag seinen Ruf als derzeit weltbester Sprinter eindrucksvoll. Wie im Vorjahr schlüpfte er für einen Tag ins Gelbe Trikot.

          Am Sonntag musste der Sympathieträger aus Thüringen auf der schweren zweiten Etappe über 201 Kilometer von York nach Sheffield die Führung im Gesamtklassement erwartungsgemäß an den zweiten Tagessieger Vincenzo Nibali abtreten. Der italienische Meister setzte sich als Solist zwei Sekunden vor dem Belgier Greg van Avermaet nach einer erfolgreichen Attacke auf den letzten 1900 Meter durch.

          „Noch schöner als beim ersten Mal“

          Doch der Auftaktsieg und die denkwürdigen Momente auf dem Podium sind Kittel nicht mehr zu nehmen, schließlich wartete Herzogin Kate am Samstag als erste Gratulantin. Derart königlich das Maillot Jaune übergestreift zu bekommen, war auch für den Seriensieger eine ganz neue Erfahrung. „Mit Kate auf dem Podium zu stehen war das gewisse Extra“, berichtete Kittel vom Treffen mit der ganz in grün gekleideten Herzogin und den Prinzen William und Harry.

          Kurzes Vergnügen: Marcel Kittel musste die Gesamtführung nach einem Tag wieder abgeben
          Kurzes Vergnügen: Marcel Kittel musste die Gesamtführung nach einem Tag wieder abgeben : Bild: AFP

          Der Smalltalk bleibt „streng geheim“, aber eines verriet Kittel dann doch: „Das sind ganz angenehme Leute, superlocker. Ich bin froh, dass ich das erleben durfte. Ich wusste ja, wie es sich anfühlt. Das Gelbe Trikot aber das zweite Mal zu bekommen, ist noch schöner als beim ersten Mal“, ergänzte Kittel, der im Vorjahr vier Etappen gewonnen hatte und zum neuen Sprintkönig aufgestiegen war.

          Wie schnelllebig die Tour sein kann, erlebte Lokalmatador Cavendish. Seit Tagen waren er und Vorjahressieger Chris Froome wie Popstars von den Radsport-begeisterten Briten gefeiert worden. Auf der Zielgeraden war für den ehemaligen Weltmeister nach einem selbst verursachten Sturz der Traum vom Heimsieg im Heimatort seiner Mutter am Samstag dahin. Stattdessen musste der 25-malige Etappengewinner mit Bänderrissen in der Schulter und einer Schultereckgelenks-Sprengung aufgeben. Sechs Wochen wird er ausfallen.

          Aus nach nur einer Etappe: Mark Cavendish
          Aus nach nur einer Etappe: Mark Cavendish : Bild: AP

          „Ich hatte gehofft, dass die Schmerzen in der Nacht zurückgehen, aber das war nicht der Fall. Ich bin am Boden zerstört“, sagte Cavendish, als er am Sonntag - der rechte Arm in eine Schlinge gehängt - aus dem Team-Bus ausstieg und seinen Abschied verkündete. Grundsätzlich war die prächtige Stimmung auf der Insel durch den Ausfall aber nicht gestört. Am Samstag waren nach Angaben der Polizei zwei Millionen Menschen auf den Beinen. „Außergewöhnlich, phänomenal, unvergesslich“, schwärmte Tourchef Christian Prudhomme. „Das war wie in L’Alpe d’Huez,“ Diejenigen Zuschauer, die in den 20er Reihen keinen Platz mehr gefunden hatten, versammelten sich bei prächtigem Wetter vor den riesigen Leinwänden in den großen Parks. „Wie Woodstock, nur ohne Matsch“, schrieb das Tour-Organ „L’Equipe“.

          Keine Chance bei neun Bewertungen

          Dabei konnten die Fans live miterleben, wie Rekord-Teilnehmer Jens Voigt seine 17. und letzte Tour auf besondere Weise zelebrierte. Mit einer seiner berühmten Attacken sicherte sich der 42-Jährige die nötigen vier Punkte für das erste Bergtrikot. „Ich fühlte schon eine Verpflichtung, mich hier zu präsentieren, wo doch meine Teilnahme lange offen war“, sagte der Oldtimer, der 1998 bei seiner ersten Teilnahme ebenfalls mit einer „verrückten Attacke“ das gepunktete Trikot geholt hatte. Am Sonntag musste er das Bergtrikot allerdings wieder hergeben.

          Denn auf dem Weg nach Sheffield hatte er bei neun Bewertungen keine Chance, zumal im Finale auch die Topfahrer Froome, Contador und Co. mit vollem Einsatz fuhren, weil es bereits auf dem zweiten Tagesabschnitt um wertvolle Sekunden im Gesamtklassement ging. Zum abschließenden Höhepunkt der englischen Festspiele kommt es am Sonntag, wenn die dritte Etappe vor dem Buckingham Palace in London endet. Womöglich im Sprint - gute Erfahrungen mit den Royals hat Kittel, der am Sonntag fast 20 Minuten verlor, ja schon gemacht. Er fuhr mit einem breiten Grinsen im Gesicht durchs Ziel.

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