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Tour de France : ARD und ZDF steigen aus der Berichterstattung aus

Adieu, Frankreich: ARD und ZDF bauen ihre Zelt rund um die Tour de France ab Bild: AP

Die Reißleine nach den jüngsten Doping-Fällen um das Team Gerolsteiner ist nun gezogen worden: ARD und ZDF steigen aus der Live-Berichterstattung der Tour de France aus. Unterdessen wurde die Deutschland-Tour 2009 abgesagt.

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          Der Epochenbruch hatte sich in den vergangenen Tagen schon angedeutet: Die ARD will die Tour de France, der sie seit Jahren verbunden ist, nicht mehr live übertragen. Das haben die Intendanten auf einer Klausurtagung am Donnerstag einstimmig beschlossen. „Der sportliche Wert der Tour de France hat sich aufgrund der gehäuften Dopingfälle und der daraus gewonnenen Erkenntnisse erheblich reduziert“, sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff. Damit sei auch der programmliche Wert stark gesunken. Eine „breitflächige Übertragung“ im öffentlich-rechtlichen Fernsehen sei „auf absehbare Zeit“ nicht mehr zu rechtfertigen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Was das für den Partnersender ZDF bedeutet, drückt der Chefredakteur Nikolaus Brender im Gespräch mit dieser Zeitung etwas verklausuliert aus: „Das ZDF wird die Tour de France nicht ohne die ARD übertragen und wird mit der ARD und der EBU Gespräche über die Konsequenzen führen.“ Im Klartext bedeutet das nichts anderes als: Die ARD steigt aus, und das ZDF zieht mit.
          Überraschend fällt die Entscheidung nicht, in den Reihen der Senderchefs war der Unmut über den trotz aller Beteuerungen vom Doping bestimmten Radsportklassiker lange zu vernehmen, im letzten Jahr hatte man wegen mehrerer Dopingfälle die Übertragung der Tour abgebrochen, sie in diesem Sommer aber wiederaufgenommen.

          Dem Ausstieg muss die Einigung mit der EBU vorausgehen

          Endgültig auszusteigen wird allerdings nicht ganz einfach, denn dafür muss sich die ARD mit dem ZDF und der Europäischen Rundfunkunion EBU ins Benehmen setzen. Die EBU hat mit dem Veranstalter der Tour stellvertretend für die beteiligten öffentlichen Sender in Europa einen Vertrag für die Jahre 2009 bis 2011 abgeschlossen, dem jeder Sender rechtsverbindlich zugestimmt hat - auch ARD und ZDF. Dass die Chefs der ARD, wie da und dort berichtet, von dem neuerlichen Vertrag nichts wussten und nur ein Mitarbeiter der Programmdirektion der EBU das Einverständnis der ARD signalisiert habe, erscheint angesichts des Volumens mehr als fragwürdig. Die Intendanten mussten davon wissen.

          „Der programmliche Wert ist stark gesunken”: ARD-Vorsitzende Fritz Raff

          Es ist ein Gesamtpaket, zu dem jeder Sender finanziell beiträgt, im Fall von ARD und ZDF sollen es pro Jahr jeweils drei Millionen Euro sein. Bei Dopingvergehen gibt es jedoch eine Ausstiegsklausel, von der die deutschen Sender jetzt Gebrauch machen müssen. Dabei ist allerdings die Frage, ob der Tour-Veranstalter durch verschärfte Doping-Kontrollen nicht eben genau das erfüllt hat, was die Sender fordern, und man ihn deshalb nicht für Dopingfälle haftbar machen kann, die zuvor vielleicht unentdeckt geblieben wären.

          Die ARD sucht nun eine schnelle Einigung. Der ZDF-Chefredakteur Brender sagte dieser Zeitung, man werde schnell die Gespräche mit der ARD aufnehmen. Deren Entscheidung endgültig befördert haben die jüngsten Doping-Fälle des deutschen Radfahrers Stefan Schumacher und seines österreichischen Gerolsteiner-Kollegen Bernhard Kohl sowie das angekündigte Comeback von Lance Armstrong und Alexander Winokurow.

          Deutschland-Tour 2009 findet nicht statt

          Die Deutschland-Tour 2009 ist wegen der jüngsten Dopingskandale abgesagt worden. Das teilte der Veranstalter am Donnerstag mit. „Wir bedauern es, diese Entscheidung treffen zu müssen“, sagte Kai Rapp, Geschäftsführer der Deutschland-Tour GmbH in Hamburg. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen im Profiradsport sehe man sich nicht mehr in der Lage, die Veranstaltung erfolgreich zu vermarkten und damit zu finanzieren, hieß es in einer Presseerklärung.

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