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Tour de France : Alberto Contador ist fast am Ziel

Jeder jubelt: Alberto Contador behält das Gelbe Trikot, Andy Schleck gewinnt die Etappe Bild: AP

Tätscheln und Lächeln nach der „Königsetappe“: Alberto Contador verteidigt im Nebel auf dem Tourmalet sein Gelbes Trikot und lässt Andy Schleck den Vortritt beim Tagessieg. In der Gesamtwertung der Tour spricht nun alles für den Spanier.

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          Es war wirklich kein angenehmer Tag in den Pyrenäen. Es war kühl und regnerisch, Nebel behinderte die Sicht, und es gab auch noch einige ungebetene Gäste auf der Strecke. Plötzlich nämlich kreuzten Schafe den Kurs, sie tauchten mitten im Peloton auf, das gerade beim Anstieg auf den Soulor war, einen fast 1500 Meter hohen Berg. Aber die Radprofis konnten den Tieren ausweichen, niemand kam zu Fall.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Es wäre eine eigenartige Fügung gewesen, hätte dieser Zwischenfall Einfluss auf die Tour de France genommen, wären Alberto Contador, der Mann im Gelben Trikot, und Andy Schleck dadurch zu Schaden gekommen. Aber die beiden konnten ihr Duell am Donnerstag dann doch auf gewöhnlichem Weg austragen, im Kampf Mann gegen Mann, den Schleck zwar als Etappensieger vor Contador für sich entschied - aber weil der Luxemburger ihn am Tourmalet, beim vermeintlichen Showdown der Tour, nicht klar distanzieren konnte, ist der Spanier seinem großen Ziel sehr nahe gekommen.

          Zweimal schon hat er die Tour de France gewonnen, am Sonntag wird er vermutlich zum dritten Mal ganz oben auf dem Podium in Paris stehen, daran besteht jetzt kaum noch ein Zweifel. Im 52 Kilometer langen Zeitfahren am Samstag zwischen Bordeaux und Pauillac dürfte Contador, der acht Sekunden vor Schleck liegt, sein Werk vollenden; er gilt in dieser Disziplin als deutlich stärker als der Luxemburger. Schleck, der wahrscheinlich geschlagene Herausforderer, würdigte den Spanier schon am Donnerstag als einen „großen Champion“, er hat sich mit der bestehenden Rangordnung offenbar abgefunden. Der Luxemburger zeigte noch einmal großen Einsatz in den Pyrenäen, er sprach von einem traumhaften Erfolg, aber auch davon, dass Contador sich nicht habe abschütteln lassen. Schleck wird wohl wieder Tour-Zweiter hinter dem Madrilenen werden, wie schon im Vorjahr.

          Arm in Arm im Ziel der „Königsetappe”: Andy Schleck (l.) und Alberto Contador
          Arm in Arm im Ziel der „Königsetappe”: Andy Schleck (l.) und Alberto Contador : Bild: AP

          Auch Sarkozy begleitet die besondere Schinderei

          Es hatte zunächst wieder mehrere Rennen gegeben am Donnerstag, das Rennen einer kleinen Ausreißergruppe beispielsweise, in der der Deutsche Marcus Burghardt vertreten war. Burghardt fährt für das Team BMC Racing um den australischen Weltmeister Cadel Evans. Diesem Kreis folgte alleine der Spanier Carlos Sastre, der Tour-Sieger von 2008, der allerdings für die Protagonisten Contador und Schleck keine Gefahr mehr darstellte.

          Deswegen ließen sie ihn ziehen. Aber Sastre wollte noch einmal zeigen, dass doch noch ein bisschen Kraft in ihm steckt. Hinter Sastre hatten sich die Stars samt ihren Helfern formiert, und häufig sah man einen Fahrer des Teams Astana an der Spitze dieses Feldes. Die Equipe von Contador hatte das Geschehen unter Kontrolle, ihr Kapitän konnte sich sehr sicher fühlen. Etwa 25 Kilometer vor dem Ziel hatten die Verfolger den erschöpften Sastre wieder eingeholt, sein Unterfangen war gescheitert.

          Danach glaubte man zu spüren, wie die Anspannung bei den Profis wuchs, der Tourmalet rückte näher und damit ein 18,6 Kilometer langer Gipfelsturm mit einer durchschnittlichen Steigung von 7,5 Prozent. Eine besondere Schinderei für die Profis, die auch der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy begleitete. Er saß im Wagen von Tour-Direktor Christian Prudhomme und schwärmte von einer großartigen Tour de France.

          Schleck schaut sich immer wieder prüfend um

          Die Gefährten von Contador und Schleck machten nun gehörig Tempo, die Gemeinschaft um Burghardt zersplitterte, sie musste ihren Anstrengungen Tribut zollen. Der Vorsprung der Führenden schmolz, Burghardt immerhin hielt sich noch wacker in der vorderen Reihe. Der Deutsche fiel auch durch die bestimmende Farbe der Tour de France auf, er trug gelbe Schuhe. Aber was ist das schon im Vergleich zum Gelben Trikot?

          Als Schleck die Geschwindigkeit noch einmal forcierte, mit Contador am Hinterrad, war auch Burghardt schnell wieder eingefangen und wenig später ebenfalls der Russe Alexander Kolobnew. Da waren der Luxemburger und der Spanier, die prägenden Gesichter dieser Tour, wieder ganz unter sich, sie bewältigten gemeinsam die letzten Kilometer hinauf zum Tourmalet. Der 27 Jahre alte Contador lauerte immer hinter seinem zwei Jahre jüngeren Rivalen, die Nummer 1 im Gefolge der Nummer 11.

          Schleck schaute sich einige Mal um, als wollte er überprüfen, in welcher Verfassung sein großer Widersacher ist. Er konnte es erkennen, als noch 3,9 Kilometer zurückzulegen waren: Contador attackierte, doch Schleck parierte diesen Angriff. Andererseits war der Luxemburger nicht in der Lage, selbst noch einmal zuzulegen. Er und Contador kamen nicht voneinander los, deswegen liegen nun alle Trümpfe bei dem Spanier. Contador tätschelte Schleck später die Wange und lächelte ihm verschmitzt zu. Es war sein Tag, auch ohne Sieg.

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