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Tour de France : Achtung vor Contador!

Alberto Contador steht unter Zugzwang - er muss Zeit aufholen Bild: dpa

Der Spanier Alberto Contador bewegt sich bei der Tour zwischen Angriff und Verteidigung. Er muss Boden gegenüber dem Luxemburger Andy Schleck gutmachen - und sich heftiger Doping-Vorwürfe erwehren.

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          Neulich war es um acht Sekunden gegangen, um nicht mehr als einige Wimpernschläge also, aber sie genügten, um die Stimmung von Alberto Contador ein bisschen zu heben. Er hatte diesen kleinen Vorsprung gegenüber Andy Schleck herausgefahren an einem Tag in der Bretagne, es war immerhin wieder ein kleines Zeichen von Stärke. Das sei wirklich gut für die Moral, behauptete Contador, der an diesem Tag zunächst sogar an seinen Sieg geglaubt und die Faust zum Himmel gereckt hatte - ein Irrtum. Der Australier Cadel Evans war um einen Tick schneller gewesen als er, aber das ließ sich schließlich doch verschmerzen wegen der Zeit, die Contador seinem vermutlich schärfsten Widersacher bei der Tour de France abgenommen hatte.

          Rainer Seele
          Sportredakteur.

          Immer noch jedoch liegt der Mann aus Pinto bei Madrid, die große Reizfigur des Radsports, eineinhalb Minuten hinter dem Luxemburger Schleck, es ist ein beträchtlicher Abstand, eigentlich eine kleine Welt in einer Branche, in der Rennen häufig um Reifenbreite entschieden werden - und selbst bei Strecken von 3500 Kilometern Länge manchmal nur Kleinigkeiten den Unterschied zwischen Platz eins und Platz zwei ausmachen. Im Vorjahr, als er die Tour zum dritten Mal gewann, hatte Contador den Luxemburger Schleck um 39 Sekunden geschlagen. Jetzt muss er 90 Sekunden aufholen, und wenn die Tour am kommenden Donnerstag ihre Flamme hochdreht, wenn es erst in die steilen Rampen der Pyrenäen geht und danach über die Alpen-Gipfel, wird Contador deutliche Signale senden müssen. Es herrscht für ihn dann der Zwang zur Attacke.

          Eine extreme Belastung

          Am vergangenen Samstag, nach der Ankunft in Super-Besse Sancy, nach einer Fahrt von 189 Kilometern durch das französische Zentralmassiv, hatte die vorläufige Konstellation noch Bestand. Der Norweger Thor Hushovd bleibt nach der achten Etappe Träger des Gelben Trikots - knapp vor dem Australier Cadel Evans. Den Etappensieg holte sich der Portugiese Rui Alberto Faria da Costa.

          Die Ausgangsposition für Schleck könnte kaum besser sein
          Die Ausgangsposition für Schleck könnte kaum besser sein : Bild: REUTERS

          Erlebte man demnächst im hochalpinen Gelände den Contador vom Mai, den Mann also, der beim Giro d'Italia mit seinen Rivalen fast gespielt hatte, müsste Schleck sich auf sehr unruhige Tage einstellen. So souverän war der umstrittene Spanier in Italien aufgetreten, dass mancher glaubt, er könnte den Rückstand auf die Galionsfigur des Teams Leopard-Trek sogar an einem einzigen Tag wettmachen. Aber Contador ist sich seiner Sache selbst nicht sicher. Er sprach kurz vor der 98. Tour schon von Zweifeln, von der Ungewissheit, wie zwei schwere Rundfahrten kurz nacheinander zu verkraften seien. Erstmals in seiner Laufbahn bestreitet Contador in einer Saison Giro und Tour - eine extreme Belastung, die auch dem schmächtigen Spanier mächtig zusetzen könnte.

          Unauffälliger Schleck

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