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Tour de France 2009 : Vom Mount Ventoux nach Paris

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Während in Paris die Tour 2009 - Besonderheit: Ankunft auf dem Mont Ventoux am vorletzten Tag - vorgestellt wurde, lehnt Radsportweltverbandspräsident McQuaid eine Überprüfung jüngerer Dopingproben auf Cera ab. Er bevorzuge es, nach vorne zu schauen.

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          Wie sich der Radsport im nächsten Jahr präsentieren, wie die Öffentlichkeit der gebeutelten Branche gegenüberstehen wird, ist noch ungewiss. Die Tour de France auf alle Fälle hat sich am Mittwoch schon mal positioniert – und ihre Macher glauben, im kommenden Jahr mit einer Besonderheit auf sich aufmerksam machen zu können. Erstmals in der 106-jährigen Geschichte des Rennens endet die vorletzte Etappe in einer Bergankunft. Am Vortag des finalen Teilstücks nach Paris soll die Entscheidung nicht wie in den Vorjahren in einem Einzelzeitfahren fallen, sondern am Mount Ventoux in einer Höhe von 1912 Metern.

          „Das wird die Spannung erhöhen“, sagte Tour-Direktor Christian Prudhomme am Mittwoch bei der Strecken-Präsentation in Paris. Die 21 Etappen führen über 3445 Kilometer durch sechs Länder. Nach dem Start am 4. Juli im Fürstentum Monaco mit einem Einzelzeitfahren über 15 Kilometer macht die Tour auch in Barcelona Station.

          Prudhomme kritisierte den deutschen Ausstieg

          Die längste Etappe über 224 Kilometer endet in der Ski-Station Andorra-Arcalis in den Pyrenäen. In Montpellier wird es wieder ein Mannschaftszeitfahren geben. Der deutschen Grenze am nächsten kommt die Tour am 17. und 18. Juli. Dann ist die elsässische Stadt Colmar Ziel- beziehungsweise Startort einer Etappe. In den Alpen mit Abstechern nach Italien und in die Schweiz wird beim Anstieg auf den Großen St. Bernhard mit einer Höhe von 2473 Metern das Dach der Tour erreicht.

          Mit dem Rückzug von ARD und ZDF nicht einverstanden: Tourdirektor Christian Prudhomme

          Die Doping-Diskussionen im Radsport spielten in Paris – nicht nur wegen Lance Armstrongs wahrscheinlicher Rückkehr – eine beträchtliche Rolle. Zu dem Thema äußerte sich auch Prudhomme. Der Franzose kritisierte noch einmal den Ausstieg von ARD und ZDF aus der Live-Berichterstattung von der Frankreich-Rundfahrt. „Es ist unfair, denn es trifft Leute, die es nicht verdient haben. Es bestraft Leute, die (gegen Doping) kämpfen“, sagte Prudhomme. Er verglich das Verhalten der deutschen Fernsehanstalten mit dem einer enttäuschten Liebe. „Ich verstehe die Enttäuschung. Da gab es den Champion Jan Ullrich, der über allem stand. Es gab eine Leidenschaft, eine Verliebtheit. Doch diese wurde enttäuscht.“

          UCI-Präsident lehnt Nachkontrollen ab

          Indes hält sich Armstrong trotz seines geplanten Debüts beim Giro d’Italia auch noch den Start bei der Tour 2009 offen. „Er schließt definitiv nicht aus, die Tour zu fahren. Aber die Atmosphäre müsste gelassen und respektvoll sein. Ich gehe zu einer Party, zu der ich eingeladen werde“, sagte der Chef des Teams Astana, Johan Bruyneel. Der langjährige Weggefährte des siebenmaligen Tour-Siegers erklärte, Prudhomme heiße Armstrong zwar willkommen, er sage aber außerdem, der Amerikaner müsse sich allen Tests und Regeln unterwerfen. „Das war definitiv etwas, das nicht gesagt werden musste“, so Bruyneel.

          Auch Pat McQuaid, Präsident des Internationalen Radsportverbandes (UCI), meldete sich in Paris in eigenwilliger Weise zu Wort. Der Ire lehnte das Angebot der französischen Anti-Doping-Agentur (AFLD) ab, die Proben von der Tour de France 2007 oder in diesem Jahr vom Giro d’Italia oder Vuelta nachträglich auf den Epo-Nachfolger Cera zu kontrollieren. „Vom UCI-Standpunkt her bevorzugen wir es, nach vorne zu schauen. Alle Proben noch einmal zu testen, ist sinnlos, teuer und dient nicht dem Zwecke des Anti-Doping-Kampfes.“ Ein solches Verfahren würde den Radsport in ein Chaos stürzen, ergänzte McQuaid: „Wenn wir jetzt hingehen, die Proben der letzten zwei, drei Jahre kontrollieren und den Veranstaltern dann sagen: Ihr müsst euer Podium umkrempeln, wäre das eine Verhöhnung für den Radsport.“

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